Nachweis der geografischen Herkunft von Erdbeeren in Erdbeer-Konfitüre – Untersuchungsergebnisse 2015

Anlass der Untersuchungen und Hintergründe

Aufgrund der zunehmenden Globalisierung der Lebensmittelmärkte wird die geografische Herkunft für den Verbraucher immer bedeutender. Bei Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse, Rindfleisch, Geflügel, Honig, Eiern, Fisch, Wein und nativem Olivenöl muss bereits verpflichtend das Herkunftsland angegeben werden. Da sich Angaben zur geografischen Herkunft mit herkömmlichen Analysenmethoden nur schwer überprüfen lassen, besteht ein erhebliches Potential, Erzeugnisse durch die Verwendung falscher Angaben zur Herkunft für den Verbraucher attraktiver zu machen. Ob es sich um Lebensmittel einer bestimmten geografischen Herkunft handelt, lässt sich mit der Stabilisotopenanalyse überprüfen. Da zunehmend auch bei verarbeiteten Erzeugnissen wie z.B. Konfitüren auf die geografische Herkunft der Früchte hingewiesen wird, wurden Erdbeerkonfitüren mit einer Angabe der geografischen Herkunft der Erdbeeren mittels Stabilisotopenanalyse untersucht.

Planung und Durchführung der Analysen

Insgesamt untersuchte das LGL 27 frische Erdbeerproben und 10 Proben Erdbeerkonfitüre. Die geografische Herkunft der Proben ist in Tabelle 1 angegeben. Die frischen Erdbeerproben aus Spanien, Italien und den Niederlanden wurden aus dem Einzelhandel entnommen. Von den 20 deutschen frischen Erdbeerproben stammten 10 aus dem Einzelhandel und 10 Proben von Selbstpflückanlagen. Von den 10 deutschen Erdbeerkonfitüren wurden 6 aus dem Einzelhandel und 4 Proben von Selbstpflückanlagen entnommen.

Tabelle 1: Probenzahl und geografische Herkunft der Proben
  Herkunftsland
Probenart Spanien Italien Niederlande Deutschland
Erdbeeren 5 1 1 20
Erdbeerkonfitüre - - - 10

Bisher wurden die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff (13C/12C), Stickstoff (15N/14N), Schwefel (34S/32S), Wasserstoff (3H/2H) und Sauerstoff (18O/16O) in der fettfreien Trockenmasse von Erdbeeren bestimmt. Aufgrund der Verarbeitung der Erdbeeren in Erdbeerkonfitüre und der Zusätze, wie Zucker und Geliermittel, konnte die Messung nicht an der fettfreien Trockenmasse der gesamten Erdbeerkonfitüre erfolgen. Es wurden daher bei den Erdbeerkonfitüren die Erdbeernüsschen isoliert. In Vorversuchen wurde festgestellt, dass sich die Isotopenverhältnissen in der fettfreien Trockenmasse und in den Erdbeernüsschen von Erdbeeren unterscheiden. Daher mussten auch bei den Erdbeeren die Erdbeernüsschen isoliert werden, um die Ergebnisse miteinander vergleichen zu können. In den Erdbeernüsschen von Erdbeeren und Erdbeerkonfitüre wurden die Isotopenverhältnisse von Kohlenstoff (13C/12C), Stickstoff (15N/14N), Schwefel (34S/32S), Wasserstoff (3H/2H) und Sauerstoff (18O/16O) bestimmt.

Untersuchungsergebnisse

Die Wasserstoff- und Sauerstoff-Isotopenverhältnisse, die maßgebend durch das lokale Grundwasser beeinflusst werden, sind für Erdbeeren aus Spanien und Italien deutlich positiver als die der Erdbeeren aus Deutschland und den Niederlanden. Der im Vergleich zu den anderen Herkünften mit -37,8 ‰ vs. V-PDB deutlich negativere ?13C-Wert für Erdbeeren aus den Niederlanden lässt sich auf den Anbau in Gewächshäusern zurückführen (Abb. 1). Weitere Informationsträger sind die Isotopenverhältnisse der Elemente Stickstoff und Schwefel, in denen sich die Isotopensignaturen der Nährstoffe aus dem Boden widerspiegeln.

Abbildung 1 zeigt die Kohlenstoff-Isotopenverhältnisse (?13C) in Erdbeernüsschen aus Erdbeeren verschiedener Herkünfte.Bild vergrössern

Abb. 1: Boxplot der Kohlenstoff-Isotopenverhältnisse (δ 13C) in Erdbeernüsschen


Mit der Diskriminanzanalyse kann gezeigt werden, wie stark die einzelnen Isotopenverhältnisse untereinander zusammenhängen (Abb. 2). Die Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopenverhältnisse korrelieren sehr hoch mit der Funktion 1 und erklären gemeinsam die Trennung der Erdbeerproben aus Spanien, Italien und Deutschland von denen aus den Niederlanden. Bei der Funktion 2 korrelieren die Isotopenverhältnisse von Wasserstoff und Sauerstoff und führen zu einer Trennung der Proben aus Spanien und Italien von den Erdbeerproben aus Deutschland und den Niederlanden. Die Proben Erdbeerkonfitüren, die laut Angabe auf dem Etikett aus deutschen Erdbeeren hergestellt wurden, bilden eine Gruppe mit den Erdbeerproben aus Deutschland (Abb. 2).

Bei der Auswertung und Beurteilung der Ergebnisse muss berücksichtigt werden, dass für die Untersuchung nur Erdbeerkonfitüren mit Erdbeeren deutscher Herkunft zur Verfügung standen. Von den 10 deutschen Erdbeerkonfitüren waren 6 von einem Hersteller ausgelobt mit „Erdbeeren aus Deutschland) und 4 Proben von Selbstpflückanlagen in Bayern.

Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse der linearen Diskriminanzanalyse in Erdbeernüsschen von Erdbeeren aus verschiedenen Herkunftsländern sowie aus Konfitüren mit Erdbeeren deutscher Herkunft.Bild vergrössern

Abb. 2: Lineare Diskriminanzanalyse der δ2H-, δ18O-, δ13C-, δ15N- und δ34S-Werte in Erdbeernüsschen

Fazit

Die Ergebnisse der untersuchten Proben Erdbeerkonfitüre zeigen, dass die deklarierte Herkunft der Erdbeeren in den Konfitüren korrekt angegeben war und somit keine Täuschung des Verbrauchers bestand. Eine weitere Prüfung erscheint auch zukünftig sinnvoll, vor allem in Jahren, wenn die Ernte bei deutschen Erdbeeren nicht so ertragsreich ist.

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