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  • Mineralölkontaminationen in Schokoladen und Pralinen Untersuchungsergebnisse 2017

    Hintergrund

    Mineralölbestandteile können über verschiedene Wege in Lebensmittel gelangen. Ein relevanter Beitrag entsteht durch die Verwendung von Lebensmittelverpackungen aus Altpapier. Hier werden Mineralöle vor allem durch das mit mineralölhaltigen Farben bedruckte Tageszeitungspapier eingetragen, das als Recyclingrohstoff dient. Bisweilen werden auch Lebensmittelverpackungen aus Papier und Karton – aus Altpapier oder Frischfaser – mit mineralölbasierten Farben bedruckt. Auch mit Mineralöl imprägnierte Jutesäcke für den Transport von zum Beispiel Reis oder Kakaobohnen können eine Rolle spielen. Neben Kontaminationen durch Verpackungen gibt es noch weitere Quellen für Mineralölkontaminationen, beispielsweise können abtropfende oder an Maschinenteilen anhaftende Schmieröle beim Kontakt mit Lebensmittel in diese Produkte gelangen.

    Mineralöle bestehen aus zwei Stoffgruppen:

    • den gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (Mineral Oil saturated Hydrocarbons, MOSH) und den
    • aromatischen Mineralölkohlenwasserstoffen (Mineral Oil aromatic Hydrocarbons, MOAH).

    Nach Angaben der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) [1, 2] reichern sich MOSH in verschiedenen Geweben des Körpers (Lymphknoten, Leber, Milz und Fettgewebe) an. Im Tierversuch wurden durch MOSH verursachte entzündliche Reaktionen beobachtet. MOSH wurden auch beim Menschen in diesen Geweben nachgewiesen, es konnten jedoch bislang keine nachteiligen gesundheitlichen Effekte damit in Verbindung gebracht werden. Bei MOAH ist nicht auszuschließen, dass sie auch krebserregende Stoffe enthalten. Mineralölkontaminationen von Lebensmitteln sind daher unerwünscht, dies gilt insbesondere für MOAH [3]. Gesetzliche Grenzwerte für Mineralölbestandteile in Lebensmitteln existieren derzeit noch nicht.

    Untersuchungen

    Im Jahr 2017 lag das Hauptaugenmerk auf der Bestimmung der Mineralölgehalte von Schokoladen und Schokoladenerzeugnissen, die ganzjährig verzehrt werden und damit in höherem Maße zur Exposition gegenüber Mineralöl beitragen können.
    Das LGL bestimmte die MOSH- und MOAH-Gehalte von 23 Produkten, darunter 13 Schokoladen, neun Pralinen und ein Eiskonfekt (siehe Tabellen 1 bis
    3). Daneben untersuchte das LGL gezielt auch Verpackungen und Rohstoffe, wie Kakaobutter, Kakaomasse und Fette, um im Einzelfall die Eintragsquellen der Mineralölkontamination einzugrenzen.

    Verpackungsaufbau

    Die untersuchten Proben waren sehr unterschiedlich verpackt. Einige Schokoladen waren in einer Kunststofffolie eingewickelt, andere in Aluminiumfolie. Manche Proben waren von einem Materialverbund aus Papier (innen) und Aluminiumfolie umgeben. Solche eingewickelten Schokoladen waren meist nochmals in einem Karton verpackt. Pralinen waren häufig innerhalb einer Kartonverpackung in Kunststoffeinsätzen einzeln angeordnet. In einigen Fällen wurde zusätzlich ein Polsterkissen oder eine Folie aus Kunststoff zwischen Einsatz und Karton verwendet. Teilweise waren Pralinen auch komplett in Alufolie eingewickelt. Durch die Verwendung von Frischfaserkartons oder den Einsatz von Barrieren, unter anderem Aluminium oder der Kunststoff PET, wurde bei den meisten Proben der Mineralölproblematik Rechnung getragen.

    MOSH

    In allen untersuchten Produkten wies das LGL MOSH nach. Verbindungen mit Kohlenstoffzahlen zwischen 16 und 35 besitzen hier die größte toxikologische Relevanz. Die Gehalte für MOSH in diesem Bereich (C16 bis C35) lagen zwischen 1,5 und 17 mg/kg. Eine Gesundheitsgefährdung durch MOSH bei Verzehr dieser Produkte ließ sich auf Grundlage des derzeitigen toxikologischen Kenntnisstandes allerdings nicht ableiten.

    MOAH

    In sieben der 23 Proben konnte das LGL außerdem MOAH in Gehalten von 0,5 bis 5,6 mg/kg nachweisen. Bei drei Proben, in denen MOAH gefunden wurden, war der Übergang aus den Primärverpackungen ausgeschlossen, da diese entweder keine MOAH enthielten oder das Produkt vollständig von einer schützenden Barriere umhüllt war (siehe Tabelle 2, Pralinen Nr. 6 und 8 sowie Tabelle 3). Im Fall des Eiskonfekts konnte das LGL Rohstoffe (Fette) als sichere Eintragsquellen identifizieren. Auch bei den beiden weiteren Proben lagen Hinweise darauf vor, dass bereits mit MOAH kontaminierte Rohstoffe ursächlich für die positiven MOAH-Befunde der Enderzeugnisse waren.
    Die Untersuchungsergebnisse von Schokoladenprobe Nr. 1 (siehe Tabelle 1) sprachen dafür, dass die MOAH-Kontamination vor allem durch das Öl der Jutesäcke für den Transport der Kakaobohnen hervorgerufen wurde. Bei einer Pralinenprobe (siehe Tabelle 2, Nr. 2) ließ sich der positive MOAH-Befund, neben dem Eintrag durch die Rohstoffe, auch auf die Bedruckung der Verpackung mit mineralölhaltigen Druckfarben zurückführen.

    Die MOAH-Fraktion steht zwar im Verdacht, krebserregende Stoffe zu enthalten, aufgrund fehlender toxikologischer Daten ist eine Einschätzung des tatsächlichen Gefährdungspotenzials der untersuchten Proben jedoch derzeit nicht möglich.

    Bei zwei weiteren Proben identifizierte das LGL als Kontaminationsquelle ebenfalls die Verpackung (siehe Tabelle 1, Schokoladen Nr. 2 und 12). Die Schokoladen waren dabei in einen Einwickler mit einem mehrschichtigen Aufbau verpackt, wobei jeweils Frischfaserpapier mit einer Aluminiumschicht verklebt war. Der MOAH-Übergang konnte in beiden Fällen auf das als Kleber verwendete Wachs zurückgeführt werden. Sofern bestimmte Spezifikationen eingehalten sind, dürfen Wachse als Klebstoff oder Beschichtung für Lebensmittelverpackungen verwendet werden. Die Zusammensetzung der MOAH-Fraktion aus Wachsen unterscheidet sich von MOAH zum Beispiel aus Druckfarben und weist dementsprechend andere (toxikologische) Eigenschaften auf. In den Wachsen konnte das LGL keine Verbindungen mit drei bis sieben aromatischen Ringen nachweisen, die besonders im Verdacht stehen, ein krebserzeugendes Potenzial zu besitzen.

    Das LGL informierte die zuständigen Kreisverwaltungsbehörden, diese wiederum teilten die Ergebnisse den Herstellern mit, damit diese im Sinne des Minimierungsgebotes für Mineralölkontaminationen reagieren können. Im Fall der Proben, bei denen als Kleber eingesetzte Wachse als Kontaminationsquelle ausgemacht wurden, wirkte das LGL darauf hin, dass die Hersteller Dokumente vorlegen, die zeigen, dass das verwendete Wachs die für die Zulassung maßgeblichen Spezifikationen einhält und damit unbedenklich ist.

    Aktivitäten in der EU und in Deutschland

    Aktuell sammelt die EU Daten zu Mineralölkontaminationen in Lebensmitteln, um die Exposition der europäischen Bevölkerung gegenüber Mineralölen zu ermitteln und in Zukunft geeignete Maßnahmen abzuleiten. Für eine kurzfristige Verbesserung der Situation arbeiten auf nationaler Ebene die Länder und die Industrie derzeit gemeinsam an einem Konzept zur Ableitung von Orientierungswerten für Mineralölbestandteile in Lebensmitteln zum Zwecke der Minimierung . Weiterhin liegt ein Entwurf für eine nationale Verordnung vor, die einen nachweisbaren Übergang von MOAH aus Recyclingverpackungen auf Lebensmittel verbieten soll.
    Das LGL beteiligt sich durch die Bereitstellung von Untersuchungsdaten an dem von der EU initiierten Monitoring und dem nationalen Minimierungskonzept.

    Tabelle 1: MOSH-/MOAH-Gehalte [mg/kg] in Schokoladen
    Schokolade Nr. 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
    MOSH*                          
    ≤ C16 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5
    > C16 - ≤ C20 1,0 2,0 2,1 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 0,5
    > C20 - ≤ C24 0,9 5,3 6,9 0,8 0,9 0,6 < 0,5 0,7 < 0,5 < 0,5 0,5 1,8 1,3
    > C24 - ≤ C35 7,0 7,2 8,0 3,4 1,5 2,0 1,5 1,9 2,1 2,7 1,6 13 3,8
    > C35 - ≤ C50 4,3 9,6 2,4 2,3 0,7 1,5 1,0 1,0 1,9 2,2 1,1 60 1,7
    MOAH                          
    ≤ C24 0,6 1,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5
    > C24 - ≤ C35 0,5 0,9 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 0,8 < 0,5
    > C35 - ≤ C50 < 0,5 0,9 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 4,8 < 0,5

     

    Tabelle 2: MOSH-/MOAH-Gehalte [mg/kg] in Pralinen
    Praline Nr.  1 2 3 4 5 6 7 8 9
    MOSH*                  
    ≤ C16 0,7 3,7 < 0,5 < 0,5 < 0,5 0,8 < 0,5 < 0,5 < 0,5
    > C16 - ≤ C20 1,1 5,0 0,5 < 0,5 0,5 0,9 0,6 0,7 0,7
    > C20 - ≤ C24 0,9 1,2 < 0,5 0,8 0,6 1,0 0,8 0,8 0,7
    > C24 - ≤ C35 4,5 3,6 0,8 1,3 2,2 3,3 5,4 2,2 1,5
    > C35 - ≤ C50 1,9 1,3 < 0,5 0,8 1,1 1,6 3,4 1,4 0,7
    MOAH                  
    ≤ C24 < 0,5 0,7 < 0,5 < 0,5 < 0,5 0,6 < 0,5 0,5 < 0,5
    > C24 - ≤ C35 < 0,5 < 0,5  < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5
    > C35 - ≤ C50 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5 < 0,5

    Tabelle 3: MOSH/MOAH-Gehalt [mg/kg] in Eiskonfekt
    MOSH*  
    ≤ C16 < 0,5
    > C16 - ≤ C20 < 0,5
    > C20 - ≤ C24 < 0,5
    > C24 - ≤ C35 4,1
    > C35 - ≤ C50 4,3
    MOAH  
    ≤ C24 < 0,5
    > C24 - ≤ C35 0,6
    > C35 - ≤ C50 1,2

    Zu den Tabellen:

    *Bei den angegebenen MOSH-Gehalten ist nicht auszuschließen, dass auch sogenannte POSH (polyolefin saturated hydrocarbons) mit erfasst wurden. POSH sind gesättigte Kohlenwasserstoffe, die in den Kunststoffen Polyethylen und Polypropylen enthalten sind. Werden diese Kunststoffe als Verpackungsmaterial eingesetzt, können POSH auf das Lebensmittel übergehen. Mit dem angewandten Analyseverfahren lassen sich POSH nicht vollständig von MOSH trennen.


    Bei der Bewertung der Ergebnisse sind die Bestimmungsgrenzen und die Messunsicherheiten der Methode zu berücksichtigen.

    Untersuchungsmethode: LC (Flüssigchromatographie) -GC (Gaschromatografie) -FID (Flammenionisationsdetektion)


    Bestimmungsgrenzen MOSH/MOAH:

    Kartonverpackung: 0,5 - 2 mg/kg (MOSH), 5 mg/kg (MOAH)
    Schokolade: 0,5 mg/kg


    Erweiterte Messunsicherheit MOSH/MOAH:

    Kartonverpackung: 30%
    Schokolade: 40%


    Literatur

    [1] EFSA Panel on Contaminants in the Food Chain (CONTAM); Scientific Opinion on Mineral Oil Hydrocarbons in Food. EFSA Journal 2012;10(6):2704. [185 pp.] doi:10.2903/j.efsa.2012.2704. www.efsa.europa.eu/efsajournal

    [2] Cravedi JP, Grob K, Nygaard, UC, Alexander J, 2017. Bioaccumulation and toxicity of mineral oil hydrocarbons in rats - specificity of different subclasses of a broad mixture relevant for human dietary exposures. EFSA Supporting publication 2017:EN-1090. 98 pp. doi:10.2903/sp.efsa.2017.EN-1090.

    [3] Fragen und Antworten zu Mineralölbestandteilen in Lebensmitteln. Aktualisierte FAQ des BfR vom 12. Dezember 2017.
    https://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-mineraloelbestandteilen-in-lebensmitteln.pdf