Hemmstofftest-Nachuntersuchungen - Untersuchungsergebnisse 2014

Auch 2014 wurden in bayerischen Schlachthöfen wieder Fleisch und Nieren von etwa 27.000 geschlachteten Tieren stichprobenweise mittels Dreiplatten- Hemmstofftest auf Rückstände von Antibiotika untersucht. 37 der so getesteten Proben (0,14 %) ergaben ein positives Ergebnis und wurden deshalb am LGL weitergehenden Untersuchungen unterzogen. Mit modernsten Flüssigchromatographie mit Massenspektrometrie-Kopplung (LC-MS/MS)-Analyseverfahren testete das LGL diese hemmstoffpositiven Proben auf ca. 70 verschie dene Antibiotikawirkstoffe. Bei 26 (70 %) der nachuntersuchten Proben wies das LGL Antibiotika nach. In neun dieser 26 Proben (35 %) überschritten die Antibiotikagehalte zulässige Höchstmengen (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1: Ergebnisse der Hemmstofftest-Nachuntersuchungen 2014
Tierart Probenzahl davon Tiere mit Rückständen Muskel Niere
Gesamt ohne Rück-stände mit Rück-ständen < CC α* > CCα* > CCα* > CCα*
Rind 4 0 4 2 2 1 1
Kuh 5 3 2 1 1 0 1
Kalb 4 0 4 1 3 2 2
Schwein 24 8 16 13 3 2 2
Schaf 0 0 0 0 0 0 0
Summe 37 11 26 17 9 5 6
Anteile % 100% 30% 70% 65% 35% 19% 23%
davon:
BU-Probe** 6 2 4 2 2 1 1
Hemmstoffplanprobe 31 9 22 15 7 4 5
Hemmstoffverdachtsprobe 0 0 0 0 0 0 0

* CCα: Entscheidungsgrenze für ein positives Ergebnis

** BU: Bakteriologische Untersuchung nach § 10 der AVV Lebensmittelhygiene

Als Folge der Höchstmengenüberschreitungen überprüften die zuständigen Veterinärbehörden die Herkunftsbetriebe arzneimittelrechtlich, um Ursachen der Antibiotikarückstände in auffällig gewordenen Betrieben festzustellen und Maßnahmen zur Vermeidung solcher Rückstände einzuleiten. Werden vorgeschriebene Wartezeiten zwischen Arzneimittelanwendung und Schlachtung nicht eingehalten oder Arzneimittel höher dosiert, kann es zu Grenzwertüberschreitungen kommen. Auch unbeabsichtigt kontaminiertes Futter oder Tränkwasser kann zu erhöhten Rückständen führen.

Trend: weniger Antibiotikarückstände

Der Prozentsatz der wegen Höchstmengenüberschreitung beanstandeten Proben ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich, im Sechs-Jahres-Verlauf tendenziell rückläufig (siehe Abbildung 2).

Wegen Höchstwertüberschreitungen beanstandete Proben

  • 2014: 35 %
  • 2013: 61 %
  • 2012: 53 %
  • 2011: 47 %
  • 2010: 66 %
  • 2009: 65 %

Parallel dazu ging auch die Zahl der chemisch nachuntersuchten positiven Hemmstoffproben zurück. Damit wurden bei gleichbleibender Zahl an mikrobiologischen Hemmstofftests weniger verdächtige Proben ermittelt. Ob dieser Rückgang auf einen reduzierten oder veränderten Antibiotika-Einsatz zurückzuführen ist, ist noch nicht bekannt. Dennoch ist dies eine positive Entwicklung und möglicherweise Folge der langjährigen intensiven Prüfungen sowie der guten und engen Zusammenarbeit mit den Vor-Ort-Behörden.

Antibiotikaverteilung

Die Verteilung der nachgewiesenen Antibiotikagruppen bei Schwein und Rind zeigt die Abbildung 1. Bei Rindern waren ß-Lactame und Tetracycline gleich häufig vertreten, gefolgt von Sulfonamid-Trimethoprim-Kombinationen und Chinolonen. Bei Schweinen führten maßgeblich Tetracycline zu Rückstandsbefunden.

Die Abbildung zeigt die Verteilung der Antibiotika bei Schwein und Rind. Bei Schweinen sind überwiegend Tetracycline, im gleichen Maße Chinolone und ß-Lactame, absteigend Sulfonamid-Trimethoprim, Aminoglykoside und Macrolide nachgewiesen worden.
Beim Rind wurden in gleichem Maße ß-Lactame und Chinolone, absteigend Sulfonamid-Trimethoprim, Aminoglycoside, Macrolide und Amphenicole nachgewiesen.

Abbildung 1: Verteilung der Antibiotika bei Schwein und Rind

Kombination Antibiotika und NSAID

Antibiotika werden aus therapeutischen Gründen häufig zusammen mit entzündungshemmenden Stoffen verabreicht. Deshalb überprüfte das LGL seit dem letzten Jahr verstärkt Kombinationen dieser Wirkstoffe. Sechs Rindernieren untersuchte das LGL auf Antibiotika und zusätzlich auf nicht-steroidale entzündungshemmende Stoffe (NSAID). In der Niere einer Kuh wurden Meloxicam, Penicillin G, Ketoprofen und Flunixin nachgewiesen, bei Meloxicam und Penicillin G war der festgelegte Grenzwert überschritten. Dieses Tier wurde beschlagnahmt und kam nicht in den Verkehr.
Die parallele Prüfung von entzündungshemmenden Arzneistoffen und Antibiotika wird das LGL auch weiterhin insbesondere bei Verdachtsproben verfolgen.

Die Abbildung zeigt den Verlauf der Hemmstofftest-nachuntersuchungen vom Jahr 2009 bis 2014 bei den Tierarten Rind, Kuh, Kalb, Schwein und Schaf. Die Anzahl der Nachuntersuchungen zeigt eine abnehmende Tendenz.

Abbildung 2: Sechs-Jahres-Verlauf der Hemmstofftest-Nachuntersuchungen