Arzneimittelrückstände in Lebensmitteln

Als pharmakologisch wirksame Stoffe sind hier fast immer Arzneimittel gemeint. Diese üben einen besonderen Einfluss auf die Beschaffenheit, den Zustand und die Funktion des Körpers aus. Sie dienen beim Menschen wie beim Tier dem vorbeugenden Gesundheitsschutz (Prophylaxe) oder werden zur Therapie von Krankheiten eingesetzt.

Warum gelangen diese Stoffe in Lebensmittel?

Der Einsatz pharmakologisch wirksamer Stoffe in der Tierproduktion ist in der Landwirtschaft notwendig und dient der Tiergesundheit. Auch aus wirtschaftlichen Gründen muss die Produktion so effizient wie möglich sein. Der damit verbundene Trend zur Massentierhaltung erfordert zwangsläufig einen verstärkten Einsatz von Arzneimitteln, auch um eine für den Landwirt existenzbedrohende Ausbreitung einer Krankheit auf den gesamten Tierbestand zu verhindern oder zu erwartenden Krankheiten der Tiere grundsätzlich vorzubeugen.

Nach der Anwendung pharmakologisch wirksamer Stoffe beim Tier können Reste dieser Stoffe und/oder ihrer Abbauprodukte (Metaboliten) im Tierkörper verbleiben. Bis von behandelten Tieren Lebensmittel gewonnen werden dürfen, müssen Wartezeiten eingehalten werden. Auch wenn diese Wartezeiten eingehalten werden, kann man minimale Restmengen der Wirkstoffe in den tierischen Lebensmitteln (Fleisch, Milch, Eier, Honig etc.) nicht immer vermeiden. Die Art und Menge solcher Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe muss jedoch für den Verbraucher gesundheitlich unbedenklich sein.

Maßnahmen des Staates, Verbraucherschutz

Vor zu hohen oder gar unerwünschten Rückständen ist der Verbraucher zu schützen. Dies gilt insbesondere für Rückstände nicht zugelassener Stoffe aus illegaler Verabreichung. Die Lebensmittelüberwachung sorgt durch die Anwendung EU-weit gültiger und nationaler Rechtsvorschriften dafür, dass keine gesundheitlich bedenklichen Restmengen unerwünschter pharmakologisch wirksamer Stoffe in Lebensmitteln enthalten sind.

Die Überwachung von Lebensmitteln tierischer Herkunft auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe erfolgt hauptsächlich auf der Grundlage des Nationalen Rückstandskontrollplans (NRKP). Der NRKP basiert auf EU-weit gültigen Regelungen, die in allen Staaten der EU eine vergleichbare und gleich intensive Überprüfung von Lebensmitteln tierischer Herkunft auf Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe sicherstellen.

Von allen Lebensmitteln wird auf der Erzeugerstufe ein festgelegter Anteil stichprobenweise auf Rückstände untersucht. Daneben wird auch bei lebenden Tieren geprüft, ob verbotene Masthilfsmittel oder andere verbotene Stoffe eingesetzt werden. Die Anzahl dieser vorgeschriebenen Stichproben richtet sich nach der Zahl der lebenden Tiere in der Landwirtschaft und nach den Schlachtzahlen.

In Deutschland wird der NRKP vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) jährlich neu erstellt. Hierbei fließen auch Erkenntnisse aus den Untersuchungsergebnissen des Vorjahres ein, werden veränderte gesetzliche Regelungen berücksichtigt und neue Schwerpunkte gesetzt. Er enthält für jedes Bundesland konkrete Vorgaben zur Probenahmehäufigkeit für bestimmte Wirkstoffe bzw. Wirkstoffgruppen bei den einzelnen Tierarten und tierischen Erzeugnissen. Die Probenahme ist zielorientiert, d. h., möglicherweise vorhandene Rückstände sollen unter Berücksichtigung aller verfügbaren Erkenntnisse möglichst vollständig erkannt werden. Der NRKP zielt also ausdrücklich nicht auf eine statistische Erfassung einer durchschnittlichen Belastung.

Werden im Einzelfall Rückstände verbotener Stoffe oder von zugelassenen Arzneimitteln oberhalb von Grenzwerten festgestellt, muss der Grund dieser Abweichung ermittelt werden. Ermittlungserkenntnisse werden schnell anderen Behörden zur Verfügung gestellt, um auch in anderen Regionen auf vergleichbare, gegebenenfalls missbräuchliche Verwendung von pharmakologisch wirksamen Stoffen wie z. B. Tierarzneimitteln achten zu können.

Vorkommen in Lebensmitteln, Rückstandskontrolle

Die Rückstandskontrolle konzentriert sich auf den Nachweis nicht zugelassener oder verbotener Wirkstoffe im lebenden Tier und Schlachttier sowie auf die Überprüfung erlaubter Rückstandshöchstmengen beim Schlachttier. Einbezogen in diese Untersuchungen werden folgende Tierarten und tierische Erzeugnisse:

  • Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen und Pferde sowie Kaninchen und Wild
  • Geflügel
  • Fische und andere in Wasser lebende Tiere (Aquakulturen)
  • Milch, Eier und Honig.

Bevorzugte Untersuchungsmaterialien (Matrices) beim lebenden Tier sind Blut, Harn und Tränkewasser, beim Schlachttier Muskel, Leber, Niere, Fett, Blut und Harn sowie Augen. Für all diese Materialien müssen validierte Untersuchungsverfahren vorhanden sein, die auch geringe Rückstandskonzentrationen sicher erfassen können.

Neben den Rückstandsuntersuchungen werden viele Schlachttiere mit einem biologischen Test auf Stoffe untersucht, die das Wachstum von bestimmten Bakterien hemmen (Biologischer Hemmstofftest, HT). Mit diesem Hemmstofftest werden vor allem Antibiotika-Rückstände einfach und schnell erfasst.

Die Zusammenstellung der in allen Bundesländern erzielten Ergebnisse der Rückstandskontrolle im Rahmen des NRKP für Deutschland ist im Internet unter http://www.bvl.bund.de - im Bereich Tierarzneimittel, Tierarzneimittelrückstände in Lebensmitteln, Nationaler Rückstandskontrollplan (NRKP) - abrufbar.

Untersuchungsmethoden

Im analytischen Labor finden zur Bewältigung hoher Probenzahlen zunächst vor allem schnell durchführbare Screeningmethoden Anwendung. Wird mit einer solchen Methode ein möglicher Rückstand detektiert, muss dieses vorläufige Untersuchungsergebnis zwingend mit einer unabhängigen, selektiven und sicheren Bestätigungsmethode abgesichert werden. Letztere führt zur eindeutigen Identifizierung des Rückstandes, die heute in der Regel massenspektrometrisch erfolgt.

Wie schädlich sind diese pharmakologisch wirksamen Stoffe für die menschliche Gesundheit (Höchstmengenüberschreitungen)?

Einige pharmakologisch wirksame Stoffe dürfen in der EU wegen möglicher Gesundheitsschäden beim Menschen bei Lebensmittel liefernden Tieren nicht verwendet werden. Dazu gehören hormonell wirksame Verbindungen wie die Stilbenderivate, die Antibiotika Chloramphenicol, Nitrofurane, Nitroimidazole und Dapson, das entzündungshemmende und schmerzstillende Phenylbutazon sowie einige Naturstoffe.

Rückstände von Chloramphenicol und Phenylbutazon können beim Menschen eine zwar seltene, aber meist schwer verlaufende aplastische Anämie verursachen. Zahlreiche weitere nicht zugelassene Stoffe (z. B. die Hormone Diethylstilbestrol und Estradiol, Nitrofurane, Nitroimidazole und Dabson) sind als krebserregend (cancerogen) eingestuft. Andere Stoffe, wie β-Agonisten (Mittel gegen asthmatische Lungenerkrankungen und zur Wehenhemmung) haben nach weit überhöhter Dosierung einen mastfördernden Effekt. Verbleiben Reste derartiger Stoffe in wirksamer Menge im Lebensmittel, können Gesundheitsschäden beim Konsumenten nicht mehr ausgeschlossen werden. Diese Rückstände dürfen daher in Lebensmitteln tierischer Herkunft nicht vorhanden sein.

Antibiotika werden gegen bakterielle Infektionen eingesetzt. Werden diese Stoffe unbedacht und nicht sachgerecht verwendet, können sich Keime entwickeln, die gegen die eingesetzten Antibiotika oder gegen ganze Antibiotikagruppen resistent sind. Angesichts der inzwischen belegten Übertragung von Resistenzgenen aus der Tiermast auf Infektionserreger beim Menschen ist die Verabreichung von Antibiotika unbedingt auf das unvermeidbare Maß zu minimieren. Aus diesem Grunde ist das EU-weite Verbot von antibiotischen Leistungsförderern in Futtermitteln sinnvoll. Erkranken Menschen an derartig resistenten Keimen, besteht die Gefahr, dass bestimmte Antibiotika auch hier nicht mehr ausreichend wirken. Diese Erkrankungen sind dann z. T. nur schwer behandelbar. Auch durch nicht mehr antibiotisch wirksame Reste solcher Arzneimittel in Lebensmitteln kann die Resistenzbildung gefördert werden. Daher sind weitgehend rückstandsfreie Lebensmittel letztendlich auch für die Aufrechterhaltung der menschlichen Gesundheit notwendig.

Empfehlungen für den Verbraucher

  • Der Anteil der Lebensmittel tierischer Herkunft mit Rückständen pharmakologisch wirksamer Stoffe liegt weit unter 1 % und ist damit sehr gering. Um einer eventuell "vermehrten Aufnahme" dennoch aus dem Weg zu gehen, sollten vor allem Innereien nicht häufig verzehrt werden. Leber und Niere sind "Filterorgane" und weisen bei Vorliegen von Rückständen in der Regel höhere Rückstandsmengen auf als die Muskulatur.
  • Grundsätzlich ist der Verbraucher immer gut beraten, seine Ernährung nicht einseitig, z. B. auf überwiegend tierische Lebensmittel und Erzeugnisse abzustellen. Zu den drei Grundpfeilern einer "gesunden Ernährung" gehört neben der Ausgewogenheit und Mäßigung die Vielfalt. Sich auf die traditionellen natürlichen Grundnahrungsmittel in einer abwechslungsreichen und ausgewogenen Mischkost zu stützen, stellt die generelle Empfehlung für die Sicherheit und Gesundheit des Verbrauchers dar.

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