Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Zahnbürsten aus alternativen Materialien – ein genauerer Blick auf den Griff

Mit dem stetig steigenden Bewusstsein für Umwelt- und Klimaschutz rücken die Vermeidung von Plastikmüll und der Einsatz alternativer Materialien vermehrt in den Fokus von Handel, Wirtschaft und Verbrauchern. Dieser Wandel führt mitunter zu Veränderungen an vertrauten, gern genutzten Bedarfsgegenständen oder gar zu Neuentwicklungen. Im Gebiet der Lebensmittelverpackungen sind biologisch abbaubare Produkte, z.B. kompostierbare Frischhaltefolie, sehr beliebt. Und auch in anderen Bereichen des täglichen Lebens ist die Suche nach plastikfreien Alternativen in vollem Gange, darunter der Bereich der Körperpflege. Alleine in Deutschland werden jährlich beispielsweise Millionen von Zahnbürsten verbraucht.

Neben zahlreichen unbestreitbaren Vorteilen haben jedoch auch die alternativen Bedarfsgegenstände ihre Schattenseiten. Immer wieder wird sogar die menschliche Gesundheit gefährdet, z.B. durch eine erhöhte Freisetzung von Formaldehyd aus Melamin-Formaldehyd-Geschirr (s. "Verwandte Themen"). Diese bestehen meist aus dem formgebenden Kunststoff Melaminformaldehydharz mit Bambus- und ggf. Maismehl als Füllmaterial.

Bei der Herstellung von Zahnbürsten aus alternativen Materialien kommen Bambus, Holz oder Biokunststoffe (aus Holzresten) zum Einsatz. Durch die Behandlung von Holz (auch Bambusholz) mit Formaldehyd oder die Verwendung von formaldehydhaltigen Klebstoffen ist ein Eintrag von Formaldehyd denkbar.

Zahnbürsten aus alternativen Materalien

Abbildung 1: Zahnbürsten aus alternativen Materialien

Das LGL prüfte im Frühjahr 2021 19 Zahnbürsten, darunter drei Zahnbürsten für Kinder, aus alternativen Materialien hinsichtlich einer möglichen Freisetzung von Formaldehyd. Das Hauptaugenmerk legte das LGL dabei auf den Griff bzw. Schaft der Zahnbürsten, bei dem eine größere Fläche in länger andauernden Kontakt mit der Haut der Hand kommt. Der geprüfte Griff der Zahnbürsten war entweder rund oder im Querschnitt rechteckig mit abgerundeten Kanten.

Tabelle 1: Zahnbürsten aus alternativen Materialien – ein genauerer Blick auf den Griff
Art der Zahnbürste Material des Griffs Material der Borsten Härtegrad Farbe des Griffs
Holz Bam­bus Biokunst­stoff auf Rhizinus­basis Nylon Bambus­viskose keine Angabe weich mittel hart keine Angabe blau natur
für Kinder - 2 1 2 1 - - 2 - - 1 - 3
für Erwachsene 3 13 - 5 9 1 1 6 6 - 4 2 14

Erfreulicherweise lag die Freisetzungsrate von Formaldehyd aus den Zahnbürstengriffen bei 18 der 19 Proben unterhalb der Bestimmungsgrenze des eingesetzten Analyseverfahrens. Die Abgabe von Formaldehyd aus der verbleibenden Zahnbürste war minimal. Die sicherheitshalber durchgeführte toxikologische Betrachtung des Ergebnisses kam zu dem Schluss, dass auch von dieser Zahnbürste definitiv kein Risiko für die Gesundheit der Verbraucherinnen und Verbraucher ausgeht.

Wie aus Tabelle 1 ersichtlich ist, waren die Borsten der geprüften Zahnbürsten aus verschiedenen Materialen, einige davon ebenfalls Alternativen zu herkömmlichen Kunststoffen. Außerdem unterschieden sich die Borsten in ihren Farben und Formen. Neben neun Zahnbürsten, die weiße Borsten hatten, lagen auch Zahnbürsten mit naturfarbigen (zwei Stück), blauen, schwarzen (je drei Stück) sowie orange- und violettfarbigen (je ein Stück) Borsten vor.

Um sicherzustellen, dass die Vielfalt an Materialien und Farben, die zur Herstellung der Borsten von Zahnbürsten eingesetzt werden, wird das LGL diese Produktgruppe auch zukünftig im Blick behalten und in seinen Laboren prüfen.