Pressemitteilung
26.06.2026
Nr. 25/2026
Gesundheit
Studie sieht leichten Anstieg von Darmkrebs bei jungen Erwachsenen - Bayerns Gesundheitsministerin Gerlach: Vermeidung von Risikofaktoren sehr wichtig
Die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei Jüngeren ist in Deutschland nach einer neuen Studie leicht gestiegen. Darauf hat das an der Studie beteiligte Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Freitag hingewiesen. Darmkrebs gilt als Erkrankung, die meist im höheren Lebensalter auftritt. Eine neue Studie ergab nun jedoch, dass die Zahl der Darmkrebs-Neuerkrankungen bei jüngeren Erwachsenen in den vergangenen zwei Jahrzehnten leicht angestiegen ist, vor allem bei Menschen zwischen 20 und 39 Jahren. Die Ergebnisse beruhen auf Krebsregisterdaten von zehn deutschen Krebsregistern und umfassen den Zeitraum 2003 bis 2023. Expertinnen und Experten des Bayerischen Krebsregisters am LGL und der Krebsregister Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Saarland führten die Auswertung durch.
Die Krebsregister-Fachleute werteten dafür mehr als 28.000 Darmkrebsfälle bei Menschen im Alter von 20 bis 49 Jahren aus. Konkret zeigte sich, dass die Darmkrebsinzidenz, also die Zahl der Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner, insbesondere bei 20- bis 29-Jährigen, aber auch bei 30- bis 39-Jährigen zunahm. Bei den 40- bis 49-Jährigen blieb die Erkrankungshäufigkeit dagegen insgesamt weitgehend stabil.
Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach betonte: „Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. Allein in Bayern erhalten etwa 3.500 Frauen und 4.400 Männer jedes Jahr erstmalig diese Diagnose. Erfreulicherweise ist das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, seit Anfang der 2000er-Jahre insgesamt rückläufig. Die Erkenntnisse dieser neuen Studie, an der das LGL maßgeblich beteiligt war, zeigen aber, dass wir gerade bei jüngeren Erwachsenen die Entwicklung weiter im Blick behalten müssen. Besonders die Vorsorge bei Menschen mit einem erhöhten Risiko wie einer familiären Vorbelastung ist hier wichtig.“
Gerlach ergänzte: „Mit unserem Masterplan Prävention setzen wir in Bayern bei den grundlegenden Aspekten eines gesunden Lebensstils an. Wichtige Risikofaktoren für Darmkrebs sind bekannt – und wir können sie beeinflussen: Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen. Auch eine ballaststoffarme Ernährung, Alkoholkonsum und der übermäßige Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch gehören zu den Risikofaktoren.“
Ein weiterer wichtiger Teil der Studie war der Vergleich mit den Vereinigten Staaten, wo die Zunahme von Darmkrebs bei jüngeren Erwachsenen ebenfalls beschrieben wurde. Dabei zeigte sich, dass die Erkrankungsraten in Deutschland deutlich niedriger liegen als in den USA. Zudem verlief der Anstieg hierzulande wesentlich langsamer.
„Darmkrebs vor dem 50. Lebensjahr bleibt in Deutschland insgesamt selten“, betont die Leiterin des Bayerischen Krebsregisters am LGL, Prof. Dr. Jacqueline Müller-Nordhorn, eine Seniorautorin der Studie. „Von jährlich rund 56.000 neuen Darmkrebsfällen entfallen lediglich etwa fünf Prozent auf Menschen unter 50 Jahren. Dennoch sollten auch jüngere Personen bei entsprechenden Symptomen, wie zum Beispiel Blut im Stuhl oder verändertem Stuhlgang, dies zeitnah ärztlich abklären lassen.“
Die Ursachen für den Anstieg bei Jüngeren sind bislang nicht geklärt. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler empfehlen, die Entwicklung der Erkrankungszahlen weiterhin genau zu beobachten. Künftige Studien sollen insbesondere klären, welche Rolle Lebensstilfaktoren, Übergewicht, der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln, Antibiotikaeinsatz und/oder Veränderungen der Darmflora für die Entstehung von Darmkrebs in jungen Jahren spielen.
Die vollständige Studie findet sich unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ijc.70600
Über Darmkrebs
Darmkrebs gehört zu den häufigsten Krebsarten in Deutschland. 2022 untersuchte das Bayerische Krebsregister am LGL in einer Studie den zeitlichen Verlauf der Neuerkrankungen an Darmkrebs in den Jahren 2005 bis 2019. Dabei zeigte sich insgesamt ein deutlicher Rückgang sowohl der Neuerkrankungen als auch der Mortalität (Sterberate), was vermutlich auf Maßnahmen der Früherkennung zurückzuführen ist (siehe hierzu Trends bei Darmkrebserkrankungen).
Über das LGL
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/Produktsicherheit. Als interdisziplinäre, wissenschaftliche Fachbehörde verfolgt das LGL in seinem Handeln stets den „One-Health-Ansatz“ – denn nur gesunde Tiere liefern gesunde Lebensmittel, und nur eine gesunde Umwelt ermöglicht körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen.
Daher sind am LGL verschiedene Fachgebiete bewusst unter einem Dach vereint. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen z. B. aus der Human- und Veterinärmedizin, der Lebensmittelchemie, aus den verschiedenen Ingenieurswissenschaften, der Physik, der Psychologie, der Ernährungswissenschaft, der Chemie oder Biologie. Sie arbeiten über Fachgrenzen hinweg zusammen und betrachten Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln.
Über das Bayerische Krebsregister
Seit 1998 registriert das Bayerische Krebsregister neu auftretende Krebserkrankungen. Das am 01.04.2017 in Kraft getretene neue Krebsregistergesetz (BayKRegG) setzt das vom Bundesgesetzgeber erlassene Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) in Landesrecht um. Gemäß dem BayKRegG ist das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) damit betraut, das klinisch-epidemiologische Landesregister zu führen. Zu den Aufgaben des Krebsregisters am LGL gehört die Untersuchung der regionalen Verteilung und zeitlichen Trends der Krebserkrankungen. Damit liefert das Bayerische Krebsregister wichtige epidemiologische Daten für die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen und unterstützt die Bewertung präventiver und kurativer Maßnahmen. Die Daten bilden auch die Grundlage für die Gesundheitsplanung und die Versorgungsforschung. Mit den Zahlen zur aktuellen Situation können künftige Entwicklungen eingeschätzt werden. Die Auswertung der Therapieverläufe trägt wesentlich zur Qualitätssicherung in der Versorgung bei.

