Pressemitteilung

02.03.2026
Nr. 09/2026

Gesundheit - zum Darmkrebsmonat März 2026

Auch Menschen ab 75 Jahren profitieren bei Dickdarmkrebs klar von unterstützender Chemotherapie

Dickdarmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebsart bei Frauen und die dritthäufigste bei Männern, bei beiden Geschlechtern ist er zudem die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache. In Deutschland treten rund 38 Prozent der neu diagnostizierten Dickdarmkrebsfälle bei Menschen im Alter von über 75 Jahren auf. Der Anteil der Chemotherapie-Behandlungen bei dieser Altersgruppe ist vergleichsweise niedrig und die Therapieempfehlungen sind widersprüchlich. Eine Studie unter Beteiligung des Bayerischen Krebsregisters am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) zeigte jedoch einen deutlichen Überlebensvorteil auch bei Personen ab 75 Jahren durch eine begleitende Chemotherapie. Darauf weist das LGL anlässlich des „Darmkrebsmonats März“ hin.

Konkret widmete sich die Studie den Auswirkungen einer begleitenden Chemotherapie auf das Gesamtüberleben bei Menschen über 75 mit Dickdarmkrebs im Tumorstadium III (Dickdarmkrebs mit Befall der Lymphknoten). Dabei zeigte sich, dass die 5-Jahres-Überlebensrate bei über 75-jährigen nach erfolgter Chemotherapie bei 62 Prozent liegt, bei Patientinnen und Patienten ohne Chemotherapie hingegen fällt sie mit 42 Prozent deutlich geringer aus.

Prof. Dr. med. Christian Weidner, Präsident des LGL, erläutert: „Zwar ist im konkreten Einzelfall immer eine individuelle Betrachtung der Begleiterkrankungen, des Allgemeinzustandes, der Nebenwirkungen, der Lebensqualität und der persönlichen Präferenzen der erkrankten Person erforderlich. Die Ergebnisse der Studie machen aber den Überlebensvorteil durch eine begleitende Chemotherapie auch für ältere Patientinnen und Patienten mit Dickdarmkrebs deutlich.“ Prof. Dr. med. Jacqueline Müller-Nordhorn, Leiterin des Bayerischen Krebsregisters am LGL, ergänzt: „Aber natürlich bleibt es wichtigstes Ziel, Darmkrebs erst gar nicht entstehen zu lassen oder schon im Frühstadium zu erkennen. Daher sollten auch jüngere Personen regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge gehen. Die Darmspiegelung wird für Frauen und Männer bereits ab 50 Jahren von den Krankenkassen übernommen.“

Grundsätzlich hilft auch ein gesunder Lebensstil, denn wichtigste Risikofaktoren für die Entstehung von Darmkrebs sind Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen. Auch eine ballaststoffarme Ernährung, Alkoholkonsum und der übermäßige Verzehr von rotem oder verarbeitetem Fleisch können das Erkrankungsrisiko erhöhen.

An der Studie Survival Benefit of Adjuvant Chemotherapy in Elderly Patients with UICC Stage III Colon Carcinoma: A 20-Year Population-Based German Cohort Study waren neben dem Bayerischen Krebsregister auch weitere Landeskrebsregister sowie die Universität Regensburg beteiligt. Eine Zusammenfassung der Studie kann der Seite Wie Chemotherapie das Überleben von älteren Patientinnen und Patienten mit lokal fortgeschrittenem Darmkrebs beeinflusst entnommen werden. Die Studie wurde zudem in Ausgabe 227 des European Journal of Cancer veröffentlicht. 

Über Darmkrebs
Allein in Bayern erhalten etwa 3.500 Frauen und 4.400 Männer jedes Jahr die Neu-Diagnose Darmkrebs. Erfreulicherweise ist das Risiko an Darmkrebs zu erkranken jedoch seit Anfang der 2000er-Jahre rückläufig. 2022 untersuchte das Bayerische Krebsregister am LGL in einer Studie den zeitlichen Verlauf der Neuerkrankungen an Darmkrebs in den Jahren 2005 bis 2019. Dabei zeigte sich insgesamt ein deutlicher Rückgang sowohl der Darmkrebsneuerkrankungen als auch der Mortalität, was vermutlich auf Maßnahmen der Darmkrebsfrüherkennung zurückzuführen ist (siehe hierzu Trends bei Darmkrebserkrankungen).  
Aktuelle Zahlen zu Darmkrebsneuerkrankungen (Daten bis 2024) können der Datenbank des Bayerischen Krebsregisters über die Auswahl der Diagnose C18-C21 (Dickdarm, Rektum) entnommen werden.


Über das LGL
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/Produktsicherheit. Als interdisziplinäre, wissenschaftliche Fachbehörde verfolgt das LGL in seinem Handeln stets den „One-Health-Ansatz“ – denn nur gesunde Tiere liefern gesunde Lebensmittel, und nur eine gesunde Umwelt ermöglicht körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen.
Daher sind am LGL verschiedene Fachgebiete bewusst unter einem Dach vereint. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zum Beispiel aus der Human- und Veterinärmedizin, der Lebensmittelchemie, aus den verschiedenen Ingenieurswissenschaften, der Physik, der Psychologie, der Ernährungswissenschaft, der Chemie oder Biologie. Sie arbeiten über Fachgrenzen hinweg zusammen und betrachten Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln.

Über das Bayerische Krebsregister
Seit 1998 registriert das Bayerische Krebsregister neu auftretende Krebserkrankungen. Das am 01.04.2017 in Kraft getretene neue Krebsregistergesetz (BayKRegG) setzt das vom Bundesgesetzgeber erlassene Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) in Landesrecht um. Gemäß dem BayKRegG ist das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) damit betraut, das klinisch-epidemiologische Landesregister zu führen. Zu den Aufgaben des Krebsregisters am LGL gehört die Untersuchung der regionalen Verteilung und zeitlichen Trends der Krebserkrankungen. Damit liefert das Bayerische Krebsregister wichtige epidemiologische Daten für die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen und unterstützt die Bewertung präventiver und kurativer Maßnahmen. Die Daten bilden auch die Grundlage für die Gesundheitsplanung und die Versorgungsforschung. Mit den Zahlen zur aktuellen Situation können künftige Entwicklungen eingeschätzt werden. Die Auswertung der Therapieverläufe trägt wesentlich zur Qualitätssicherung in der Versorgung bei.