Pressemitteilung
15.06.2026
Nr. 23/2026
Gesundheit
Weniger Lungenkrebserkrankungen in Bayern
<strong>Eine neue LGL-Studie analysiert die Zahl der Lungenkrebserkrankungen im Zeitraum von 2006 bis 2023. Die Ergebnisse zeigen zwar Unterschiede zwischen den Geschlechtern, sind aber insgesamt positiv.</strong>
Lungenkrebs bleibt eine der bedeutendsten Tumorerkrankungen, auch im Freistaat, doch die Zahlen zeigen eine positive Entwicklung. Eine Auswertung des Bayerischen Krebsregisters am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ergab, dass bei Männern die Zahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen im Zeitraum von 2006 bis 2023 abgenommen hat. Bei Frauen waren die Neuerkrankungsraten zwar insgesamt niedriger als bei Männern, sie waren zuvor jedoch über viele Jahre kontinuierlich angestiegen. Nun zeigt sich in der Studie, dass der Trend seit 2017 gestoppt werden konnte, vor allem bei jüngeren Frauen. Insgesamt wurden im Rahmen der LGL-Studie 116.087 Neuerkrankungen im zeitlichen Verlauf der Jahre 2006 bis 2023 ausgewertet.
Bayerns Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach erläuterte: „Die LGL-Studie zeigt einen Rückgang bei Lungenkrebs, das ist ermutigend. Dennoch sind die Zahlen noch immer hoch, Lungenkrebs ist nach wie vor eine der häufigsten Krebserkrankungen im Freistaat ebenso wie bundesweit. Rauchen bleibt eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Jährlich sterben in Deutschland immer noch zu viele Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Deswegen ist neben einem Rauchverzicht regelmäßige Vorsorge angezeigt. Aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren können zur Lungenkrebs-Früherkennung alle 12 Monate eine Untersuchung in Anspruch nehmen. Sie ist kostenlos und erfolgt mittels Niedrigdosis-Computertomografie (NDCT).“
Langzeittrend bei Frauen anders als bei Männern
Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs bleibt das Rauchen. Im Jahr 2025 rauchten in Bayern 21,1 % der Männer und 13,9 % der Frauen Tabak. Erfreulich ist: In Bayern und auch Deutschland nahm die Raucherprävalenz bei Männern kontinuierlich ab, während sie bei Frauen erst später sank. Dementsprechend haben sich auch die Lungenkrebsfallzahlen entwickelt. „Die Zahl der Lungenkrebsfälle ging bei Männern erfreulicherweise zurück, und das über mehrere Jahre. Mit nicht weiter ansteigenden Neuerkrankungen auch bei Frauen deutete sich zumindest eine positive Entwicklung im Beobachtungszeitraum an“, fasst Professor Dr. Christian Weidner, Präsident des LGL, die Studienergebnisse zusammen.
Bei Männern sank die altersstandardisierte Inzidenz kontinuierlich von 53 auf 36 Fälle je 100.000 Einwohner. Dies entspricht einem jährlichen Rückgang von durchschnittlich 2,2 Prozent. Bei Frauen wuchs die altersstandardisierte Neuerkrankungsrate zwar bis zum Jahr 2017 jährlich um 2,4 Prozent von 19 auf 25 Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen, seither ist aber kein weiterer Zuwachs zu verzeichnen – dies könnte ein erstes Signal für eine Trendwende sein.
Nach aktuellen Daten des Bayerischen Krebsregisters erkrankten im Jahr 2024 3132 Frauen neu an Lungenkrebs und 4010 Männer (Stand Juni 2026). Lungenkrebs gehört neben Brust- Darm- und Prostatakrebs zu den häufigsten Krebsarten bei Männern und Frauen.
Verschiebung der Tumorstadien
Insgesamt fallen etwas mehr als die Hälfte der Lungenkrebsdiagnosen in das Tumorstadium IV, das Stadium mit der schlechtesten Behandlungsprognose. Bei der Verteilung der Diagnosen innerhalb der verschiedenen Tumorstadien (Stadium I–IV) zeigt sich jedoch ebenfalls eine positive Entwicklung: Bei Männern nahmen am stärksten die Diagnosen weit fortgeschrittener Lungenkarzinome ab, im Tumorstadium IV sank die Erkrankungsrate um jährlich 3,0 Prozent.
Bei Frauen nahmen die Frühdiagnosen (Stadium I–III) zu, das Stadium IV ist seit 2020 bei Frauen um 5,8 Prozent rückläufig. Dass immer mehr frühe Tumorstadien bei Frauen diagnostiziert werden, ist ein durchaus positives Zeichen. Je früher eine Lungenkrebsdiagnose gestellt wird, umso höher sind die Überlebenschancen: Früherkennung kann Leben retten.
Prävention durch Rauchverzicht
Die Krebsentstehung ist ein multifaktorielles Geschehen. Unbestritten ist der negative Einfluss, den Rauchen auf Lungenkrebs hat. Seit dem 1. April 2026 wird die Lungenkrebsvorsorge für starke Raucherinnen und Rauchern von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. In Bayern gibt es daneben viele Präventionsangebote. So unterstützt das LGL mit seinem Zentrum für Prävention und Gesundheitsförderung (ZPG) Kommunen, Schulen, Betriebe und Privatpersonen mit vielfältigen Programmen zur Tabakprävention (www.zpg-bayern.de). Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) hat zudem im Rahmen des Masterplans Prävention zahlreiche Maßnahmen zur Förderung eines gesunden Lebensstils und zur Stärkung von Vorsorge und Früherkennung festgelegt, die auch einen maßgeblichen Beitrag zur Prävention von verschiedenen Krebserkrankungen leisten (https://www.stmgp.bayern.de/vorsorge/krebs).
Die komplette Studie kann unter Cancer Epidemiology nachgelesen werden.
Über das LGL
Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ist die zentrale Fachbehörde des Freistaats Bayern für Lebensmittelsicherheit, Gesundheit, Veterinärwesen und Arbeitsschutz/Produktsicherheit. Als interdisziplinäre, wissenschaftliche Fachbehörde verfolgt das LGL in seinem Handeln stets den „One-Health-Ansatz“ – denn nur gesunde Tiere liefern gesunde Lebensmittel, und nur eine gesunde Umwelt ermöglicht körperliches, geistiges und soziales Wohlergehen.
Daher sind am LGL verschiedene Fachgebiete bewusst unter einem Dach vereint. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen zum Beispiel aus der Human- und Veterinärmedizin, der Lebensmittelchemie, aus den verschiedenen Ingenieurswissenschaften, der Physik, der Psychologie, der Ernährungswissenschaft, der Chemie oder Biologie. Sie arbeiten über Fachgrenzen hinweg zusammen und betrachten Sachverhalte aus verschiedenen Blickwinkeln.
Im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung umfassen die Aufgaben des LGL die Untersuchung und rechtliche Beurteilung von Lebensmitteln einschließlich der toxikologischen Risikobewertung bedenklicher Inhaltsstoffe. Das LGL sieht sich dabei als Dienstleister im Bereich der Lebensmittelsicherheit, um die bayerische Bevölkerung vor gesundheitlichen Risiken sowie vor Irreführung und Täuschung zu schützen.
Über das Bayerische Krebsregister
Seit 1998 registriert das Bayerische Krebsregister neu auftretende Krebserkrankungen. Das am 01.04.2017 in Kraft getretene neue Krebsregistergesetz (BayKRegG) setzt das vom Bundesgesetzgeber erlassene Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz (KFRG) in Landesrecht um. Gemäß dem BayKRegG ist das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) damit betraut, das klinisch-epidemiologische Landesregister zu führen. Zu den Aufgaben des Krebsregisters am LGL gehört die Untersuchung der regionalen Verteilung und zeitlichen Trends der Krebserkrankungen. Damit liefert das Bayerische Krebsregister wichtige epidemiologische Daten für die Erforschung der Ursachen von Krebserkrankungen und unterstützt die Bewertung präventiver und kurativer Maßnahmen. Die Daten bilden auch die Grundlage für die Gesundheitsplanung und die Versorgungsforschung. Mit den Zahlen zur aktuellen Situation können künftige Entwicklungen eingeschätzt werden. Die Auswertung der Therapieverläufe trägt wesentlich zur Qualitätssicherung in der Versorgung bei.

