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  • Pressemitteilung

    27.06.2019
    Nr. 14/2019

    Von Lebensmittelsicherheit und aktuellen Herausforderungen: LGL veröffentlicht Jahresbericht 2018

    2018 untersuchte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) knapp 72.000 Proben von Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen, kosmetischen Mitteln und Tabakwaren. Nur 0,3 Prozent der Proben wurden dabei wegen gesundheitlicher Risiken beanstandet, sodass die Beanstandungsquote auf dem Niveau der Vorjahre liegt. „Die Sicherheit der Lebensmittel in Bayern war damit auch im Jahr 2018 hoch“, resümierte Dr. Andreas Zapf, Präsident des LGL, bei der Vorstellung des Jahresberichts im Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz des Bayerischen Landtags.

    Im Hinblick auf aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Rahmen der Lebensmittelüberwachung nahm das LGL unter anderem wieder Novel Food- und Superfood-Produkte unter die Lupe. Novel Food oder "neuartige Lebensmittel" sind Lebensmittel/-zutaten, die vor dem 15. Mai 1997 in der Europäischen Union (EU) noch nicht in nennenswertem Umfang auf dem Markt waren und zugelassen werden müssen. Zunehmend werden Novel Food in unterschiedlichen Lebensmitteln wie z. B. Nahrungsergänzungsmitteln, Erfrischungsgetränken oder teeähnlichen Erzeugnissen verwendet. Bei den Untersuchungen des LGL zeigte sich, dass insbesondere in teeähnlichen Erzeugnissen und Nahrungsergänzungsmitteln oftmals nicht zugelassene, neuartige Lebensmittel festzustellen und zu beanstanden waren.

    Für Superfood gibt es keine verbindliche Definition, häufig werden darunter Produkte mit hoher Nährstoffdichte und vielversprechenden Werbeaussagen verstanden. Bei den Untersuchungen der Superfood-Produkte Moringa und Algen entsprachen vor allem die nährwert- und gesundheitsbezogenen Angaben nicht den gesetzlichen Vorschriften; unzulässige nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben waren mit 34 % häufigster Grund zur Beanstandung.

    Aktuelle Herausforderungen der Lebensmittelüberwachung: Authentizität prüfen, Risiken und Betrug frühzeitig erkennen
    Eine zentrale Rolle in der Lebensmittelüberwachung und dem Verbraucherschutz nimmt der Nachweis von Verfälschungen und irreführenden Angaben bei Lebensmitteln ein. Vor diesem Hintergrund untersucht das LGL Lebensmittel unter anderem in Hinblick auf ihre Herkunft, die Erzeugungsart oder auf Manipulationen durch Verschnitte oder unzulässige, minderwertigere oder synthetische Zusätze oder Rohstoffe. Die dafür am LGL etablierte Laboranalytik umfasst ein vielfältiges, auf verschiedene Lebensmittel anwendbares Methodenspektrum: Mit der Kernresonanzspektroskopie (NMR) können LGL-Experten z. B. ermitteln, ob die bei einem Kaffee angegebene Sorte oder ob die Rebsorte und Herkunft des Weins stimmt. Mit der Stabilisotopenanalyse wiederum lassen sich geografische Herkunft und ökologische Erzeugung überprüfen. Während die Authentizität bei den untersuchten Proben Apfelsaft, Lachs und Moringa gewährleistet war, ergaben sich Beanstandungen bei Fleisch exotischer Tierarten aus dem Online-Handel und bei Olivenöl.

    Damit Verfälschungen auch künftig nachgewiesen und Risiken frühzeitig erkannt werden können, erweitert das LGL auch sein Repertoire an Methoden außerhalb der Laboranalytik. So etablierten die LGL-Experten mit dem Frühwarnsystem ein Verfahren, mit dem sie Einflussfaktoren aus dem Umfeld der Lebensmittelproduktion, wie z. B. Warenströme und Preise, analysieren können. „Da die Entwicklung dieser Indikatoren auf potenzielle Risiken hinweisen kann, ist es dem LGL mit dem Frühwarnsystem möglich, aufkommende Risiken rascher zu erkennen und entsprechend zu reagieren“, ergänzte LGL-Präsident Zapf. Die dem Verfahren zugrundeliegende Software wurde in Kooperation mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) entwickelt, 2018 kam das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) als weiterer Kooperationspartner hinzu.

    Veterinärmedizin: Auch „neue“ Erreger im Fokus des LGL
    Zu den Kernaufgaben des LGL im gesundheitlichen Verbraucherschutz gehören neben der Lebensmittelüberwachung auch umfassende und auf dem Stand der Wissenschaft basierende Laboranalysen in der Veterinärmedizin. 2018 wurden beispielsweise knapp 375.000 veterinärmedizinische Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählten z. B. Untersuchungen auf Erreger des Usutu-Virus und des erstmals 2018 in Deutschland nachgewiesenen West-Nil-Virus, die Fortführung der Monitoringprogramme unter anderem mit Fokus auf die Afrikanische Schweinepest und die Aviäre Influenza sowie die Überwachung aller relevanten Infektionserkrankungen, die von Tier auf Mensch und umgekehrt übertragen werden können.

    Weitere Informationen zu den Schwerpunkten, Tätigkeiten und Projekten des LGL finden sich im Jahresbericht 2018, abrufbar unter: www.lgl.bayern.de

    Hinweis: Am 9. Juli wird das LGL dem Ausschuss für Gesundheit und Pflege des Bayerischen Landtags verschiedene gesundheitsbezogene Themen aus dem LGL-Jahresbericht vorstellen.