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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Pressemitteilung

11.07.2018
Nr. 18/18

Gesundheit

LGL veröffentlicht Ergebnisse der PFOA-Blutprobenanalysen

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat die Ergebnisse der Human-Biomonitoring-Studie veröffentlicht, bei der Blutproben von 965 Personen aus Teilen des Landkreises Altötting auf perfluorierte Substanzen untersucht wurden. Das Resultat: Wie bereits aufgrund der vorhergehenden Untersuchung im Jahr 2016 an anonymen Blutspenderproben und der langen Halbwertszeit von PFOA zu erwarten war, weisen nahezu alle Studienteilnehmer höhere PFOA-Werte (Perfluoroctansäure) auf als Einwohner anderer bayerischer Regionen. Dies ist aber gemäß den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mit einer Gesundheitsgefährdung gleichzusetzen. Dort, wo bereits seit Längerem Maßnahmen der Trinkwasseraufbereitung umgesetzt worden sind, weisen Probanden niedrigere PFOA-Gehalte als der Studiendurchschnitt auf. Dies belegt die Wirksamkeit der Aufbereitungsmaßnahmen sowie die zentrale Bedeutung des Trinkwassers als Eintragspfad.

Die Blutproben stammen von Einwohnern aus Altötting, Burgkirchen, Emmerting, Neuötting und Winhöring, Kastl und Markt Tüßling sowie Marktl, Haiming, Stammham und Alzgern. Neben PFOA wurden z. B. auch das PFHxS (Perfluorhexansulfonsäure), PFHxA (Perfluorhexansäure) sowie der PFOA-Ersatzstoff ADONA untersucht. Durch Qualitätssicherung und Mehrfachmessungen wurden insgesamt rund 2000 Analysen am LGL durchgeführt.
Im Detail zeigt die HBM-Studie folgendes Ergebnis: Abgesehen von PFOA liegen die untersuchten perfluorierten Substanzen bei den Probanden im Bereich der üblichen Hintergrundwerte der Allgemeinbevölkerung in Bayern. Die Konzentrationen an ADONA liegen im Bereich der Bestimmungsgrenze des analytischen Verfahrens und sind aus gesundheitlicher Sicht unbedenklich.

Der Median des PFOA-Gehaltes im Blut der 906 Personen, die angaben, keinen beruflichen Kontakt mit PFOA gehabt zu haben, lag bei 20 µg/l Blut. Bei den Personen mit einer möglichen beruflichen Exposition ergaben sich höhere PFOA-Gehalte von im Median 34 µg/l Blut. Keiner der beruflich exponierten Probanden überschritt den hier geltenden gesetzlichen Höchstwert von 5000 µg/l.

Erwartungsgemäß fielen die PFOA-Gehalte im Blut von Personen aus dem Untersuchungsgebiet damit insgesamt höher aus als bei Einwohnern anderer bayerischer Regionen. So liegt der Median in München beispielsweise bei 1,1 µg/l. Nur bei sieben Personen liegen die Werte auch unter dem von der Human-Biomonitoring-Kommission am Umweltbundesamt veröffentlichten HBM-I-Wert von 2 µg/l Blut. Dieser Wert stellt nach Einschätzung der Kommission eine Grenze dar, ab der vermehrte Vorsorgeanstrengungen empfohlen werden, eine gesundheitliche Gefährdung ist damit nicht gleichzusetzen.  Auf der Basis der vorliegenden wissenschaftlichen Literatur deuten die hier nachgewiesenen erhöhten PFOA-Werte im Blut nicht auf ein individuelles Gesundheitsrisiko hin. PFOA wird im menschlichen Organismus nicht abgebaut, sondern unverändert über die Nieren wieder ausgeschieden. Die Halbwertszeit, mit der diese Ausscheidung erfolgt, liegt beim Menschen bei ca. 3 Jahren.

Die erhöhten Werte hängen mit der historisch bedingten Trinkwasserbelastung im Umfeld des Chemieparks Gendorf zusammen. Seit Bekanntwerden der Umweltkontamination haben die betroffenen Wasserversorger verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um den wesentlichen Eintragspfad über das Trinkwasser zu verschließen. Die 2009 ergriffenen Maßnahmen bei der Trinkwasseraufbereitung im Bereich der Inn-Salzach-Gruppe beispielsweise haben bereits zu einer belegbaren Reduktion der medianen Blutgehalte geführt: Die Aufnahme von Trinkwasser mit den bis 2009 ermittelten PFOA-Gehalten entspricht einer medianen PFOA-Belastung von damals 35 µg/l. In den aktuellen Blutproben aus der Region beträgt dieser hingegen mittlerweile nur noch knapp 12 µg/l. In Altötting wiederum ist davon auszugehen, dass die Bevölkerung durchgehend mit weniger belastetem Wasser versorgt wurde. Hier liegen die Werte bei rund 7,4 µg/l Blut. In manchen Gebieten, wie z. B. Emmerting, liegen die Minderungsmaßnahmen zeitlich noch zu kurz zurück, um einen Rückgang der Blutwerte erkennen zu können. In der Wasserversorgung Kastl/Tüßling ist der Einbau einer Aktivkohlefilterung bei der Trinkwasseraufbereitung in konkreter Vorbereitung.

Jeder Untersuchungsteilnehmer erhielt seinen individuellen Befund mit der Möglichkeit, sich im Falle noch offener Fragen an das Gesundheitsamt Altötting oder die Infoline des LGL wenden zu können. Zusätzlich werden Informationsveranstaltungen im Landkreis Altötting in Burgkirchen und in Kastl stattfinden. Der Bericht zur HMB-Studie ist abrufbar unter: https://www.lgl.bayern.de/hbm-altoetting, FAQ zum Thema PFOA sind zu finden unter: https://www.lra-aoe.de/pfoa.

Darüber hinaus erhalten Eltern, die mit ihrem Kinderarzt übereinkommen, bei Kleinkindern und Säuglingen eine PFOA-Blutuntersuchung durchzuführen, eine Möglichkeit, Blutproben auf PFOA kostenfrei analysieren zu lassen. Weitere Informationen dazu werden folgen.
Die Untersuchung von Muttermilchproben aus Kastl und Tüßling werden in den nächsten Wochen abgeschlossen und mit den Müttern persönlich besprochen. Grundlage soll die erwartete Stellungnahme der Stillkommission sein.