Rückstände von Perfluorierten Tensiden in Schweinefleisch von Februar bis Juli 2010

Untersuchungsgegenstand

Perfluorierte Tenside (PFT) sind persistente organische Verbindungen anthropogenen Ursprungs, die aufgrund ihrer vielfältigen industriellen Anwendungsmöglichkeiten als Umweltkontaminanten ubiquitär anzutreffen sind. Wegen der bekannten toxischen Wirkungen der beiden Leitsubstanzen Perfluoroctancarbonsäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) sind aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes die Gehalte dieser Kontaminanten in Lebensmitteln zu bestimmen und gegebenenfalls toxikologisch zu bewerten.

Ein Schwerpunkt der Untersuchungen lag im Frühjahr 2010 wegen der hohen Verzehrsmengen auf Schweinefleisch. Da Tiere aus konventioneller Haltung durch standardisiertes Futter und aufgrund der kurzen Lebensdauer kaum Rückstände an Umweltkontaminanten ansammeln, sollten bevorzugt Tiere aus Ökobetrieben oder Freilandhaltung beprobt werden.

Im gleichen Zeitraum konnten auch Proben von Schweinen aus dem Umkreis des Industriestandorts Gendorf (Landkreis Altötting) untersucht werden, wo wegen früherer Emissionen von PFOA durch einen Hersteller von Fluorpolymeren ein besonderes Augenmerk auf der PFT-Belastung dort produzierter Lebensmittel liegt.

Ergebnisbericht

Unabhängig von regionaler Herkunft oder Erzeugungsbedingungen waren bei 20 der 21 untersuchten Schweinefleischproben keine Rückstände an PFOAbzw.PFOS festzustellen. Lediglich in einer Schweinefleischprobe aus dem Umkreis Gendorf wurden Rückstände von PFOA nachgewiesen.

In den Innereien der Schweine aus dem Umkreis Gendorf fanden sich bei zwölf von 16 Proben Rückstände an PFOA, bei vier Proben auch von PFOS. Die Probe mit den im Vergleich höchsten Gehalten an PFOA in Leber und Niere stammte von einem über 2 Jahre alten Zuchtschwein.

Bei allen nachgewiesenen Gehalten an Perfluortensiden bestand nach toxikologischer Bewertung keine Gesundheitsgefährdung für den Verbraucher. Gesetzliche Grenzwerte für diese Rückstände in Lebensmitteln bestehen nicht.

Tabelle 1: Rückstände von Perfluortensiden in Schweinefleisch
Probenart Erzeugung Herkunft Anzahl Gehalt PFOA (µg/kg) Gehalt PFOS (µg/kg)
Min max Min max
Schweinefleisch Konventionell bzw. ohne Angabe BY 5 n.n. n.n.
Schweinefleisch Freilauf oder ökologisch erzeugt BY 8 n.n. n.n.
Schweinefleisch L-AÖ 8 n.n. 3,3 n.n.
Schweineleber L-AÖ 8 n.n. 6,2 n.n. 5,0
Schweineniere L-AÖ 8 n.n. 8,1 n.n. 1,2

Fazit

Die Belastung von Schweinefleisch mit Perfluortensiden (PFT) ist bayernweit als gering einzustufen. Die stärkere Anreicherung von PFT in Innereien im Vergleich zum Muskelfleisch kann auf die physiologische Funktion dieser Organe zurückgeführt werden. Daher wird sich die weitere Risiko orientierte Beprobung bei Schlachttieren verstärkt auf Innereien konzentrieren, soweit diese in nennenswertem Umfang verzehrt werden.