Betriebskontrollen - Gastronomie

Projekt 2014 - 2016: Kontrollen im Zusammenhang mit dem G 7-Gipfel auf Schloss Elmau

Der 41. G7-Gipfel fand im Juni 2015 auf Schloss Elmau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen statt. Für die Sicherheit der zahlreichen Teilnehmer des G7-Gipfels waren mehr als 20.000 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, freiwilligen Hilfsorganisationen und privaten Rettungsdiensten sowie dem Technischen Hilfswerk im Einsatz. Zeitgleich hielten sich darüber hinaus mehrere tausend Journalisten und Demonstranten im Landkreis auf. Um die Versorgung dieser Vielzahl an Personen mit sicheren Lebensmitteln und Trinkwasser zu gewährleisten, unterstützten verschiedene Fachbereiche des LGL das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen im Vorfeld und während des G7-Gipfels. Neben der lebensmittelrechtlichen Kontrolle der Betriebs- und Prozesshygiene bei der Zubereitung der Verpflegung in Unterkünften und der ortsveränderlichen Versorgungsstellen hat das LGL auch dort zubereitete Lebensmittel mikrobiologisch untersucht. Ein weiteres Augenmerk wurde auf die Trinkwasserversorgung gelegt. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen hat das LGL Konzepte für die Bewältigung biologischer Gefahrenlagen (Bioterrorismus) und für das Management von Krankheitsausbrüchen erarbeitet. Alle beteiligten Labore und Kontrolleure des LGL standen vor und während des Gipfels in ständiger Rufbereitschaft zur Verfügung. Probenanlieferungen an das LGL erfolgten bis unmittelbar vor Tagungsbeginn. Da während der Tagung keine lebensmittelbedingten Erkrankungen auftraten, mussten keine weiteren Proben untersucht werden.

Betriebskontrollen im Rahmen des G7-Gipfels

Seit Juni 2014 kontrollierte die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit in Zusammenarbeit mit der Vor-Ort-Behörde im Vorfeld des G7-Gipfels 2015 auf Schloss Elmau die Gastronomie in Hotels und Gaststätten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Die Auswahl der Betriebe erfolgte risikoorientiert nach Anzahl der Betten, Essensanzahl, geografischer Lage und der Wahrscheinlichkeit einer Unterbringung von beteiligten Personen. Im Jahr 2015 überprüfte
das LGL in Zusammenarbeit mit der zuständigen Vor-Ort-Behörde zudem verschiedene Zulieferbetriebe, zum Beispiel Cateringbetriebe, Sandwichhersteller sowie Jugendherbergsküchen. Bei 50 % der 125 kontrollierten Einrichtungen konnten geringfügige Mängel festgestellt werden. Bei 27 % der kontrollierten Betriebe wurden mittelgradige und bei 23 % gravierende Mängel festgestellt. In 74 Betrieben wurden Sofortmaßnahmen angeordnet. Diese umfassten beispielsweise die Grundreinigung von Getränkeschankanlagen oder Eiswürfelmaschinen sowie die Entsorgung von nicht mehr zum Verzehr geeigneten Lebensmitteln. Weiterhin stellten die Kontrollteams Mängel im Spülbereich sowie bei schwer zugänglichen, schwierig zu reinigenden Küchenbereichen fest. Ferner war in mehreren Fällen die Warenbehandlung in den Lager-, Kühl- und Gefriereinrichtungen zu bemängeln. Im Bereich der Eigenkontrollen fehlten beispielsweise Gefahrenanalysen im Rahmen eines Hazard-Analysis-and-Critical- Control-Points (HACCP)-Konzeptes und Hygieneschulungen wurden nicht durchgeführt bzw. waren nicht dokumentiert. Insgesamt war die Spezialeinheit an 44 Nachkontrollen bei Betrieben mit gravierenden Mängeln bzw. im Falle der Durchführung von größeren Maßnahmen (beispielsweise Umbauten) beteiligt.

Ortsveränderliche Betriebsstätten (Versorgungsstützpunkte)

Neben der Gastronomie in Hotels und Gaststätten überprüfte die Spezialeinheit gemeinsam mit dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen auch die für die Veranstaltung eingerichteten ortsveränderlichen Betriebsstätten (Versorgungsstützpunkte). Im Vorfeld und während des G7-Gipfels 2015 erfolgten 13 Betriebskontrollen an acht verschiedenen ortsveränderlichen Einrichtungen. Die Kontrollteams überwachten die bedeutendsten Versorgungsstützpunkte sowohl vor als auch während und nach dem Gipfel. Dabei zeigte sich, dass diese Betriebsstätten insgesamt sehr gut geführt wurden und auch der hohen Belastung während der Gipfeltage standgehalten haben. Hier wirkte sich die intensive Zusammenarbeit zwischen den Betreibern, dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen und der Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit im Vorfeld positiv aus. Insgesamt ergaben die Kontrollen in zwölf Fällen keine bzw. nur geringfügige Mängel. Lediglich bei einer Kontrolle wurden die Mängel des Betriebes als gravierend eingestuft. Bereits bei der Nachkontrolle am folgenden Tag waren die Mängel beseitigt.

Risikoorientierte Probenahme im Vorfeld zum G7-Gipfel

Bereits im Jahr 2014 entwarf das LGL zusammen mit dem zuständigen Landratsamt Garmisch-Partenkirchen in Vorbereitung des G7-Gipfels einen risikoorientierten Probenplan für die mikrobiologische Untersuchung unterschiedlicher Lebensmittel. Ziel dieser koordinierten Probenahme war es, in Ergänzung mit den Vor-Ort-Kontrollen eventuelle Schwachstellen im Produktionsprozess der Gastronomiebetriebe zu erkennen. Hierzu entnahmen die jeweiligen Kontrollteams während der Betriebsüberprüfungen in den Jahren 2014 und 2015 unterschiedliche leichtverderbliche Speisen von Buffets (Räucherlachs, Wurstaufschnitt und vorgeschnittenes Obst), Sättigungsbeilagen (Spätzle, Kartoffeln und Reis), Salate sowie Torten bzw. Süßspeisen. Diese Auswahl der Speisen wurde getroffen, weil die Ergebnisse der mikrobiologischen Untersuchungen nicht nur Rückschlüsse auf die Produktionshygiene, sondern auch auf das Temperaturmanagement der Betriebe zulassen. Des Weiteren wurde der mikrobiologische Status von Getränkeschankanlagen mittels Tupferproben überprüft. Im Jahr 2015 führte das LGL zusammen mit der Vor-Ort-Behörde zusätzlich sowohl in Cafés als auch in den entsprechenden Hotels und Pensionen Stufenkontrollen bei der Sahneherstellung sowie Probenahmen bei Speiseeis durch. Insgesamt hat das LGL im Vorfeld zum G7-Gipfel 608 Lebensmittel- und 55 Tupferproben mikrobiologisch untersucht und beurteilt (siehe Tabelle 1). Bei einem Teil der Proben ließen sich deutliche Hygienemängel sowie Hinweise auf ein mangelhaftes Temperaturmanagement feststellen. 59 Proben (9,7 %) erwiesen sich als verdorben. Allerdings war keine der Lebensmittelproben als gesundheitsschädlich zu beurteilen. Bei Betrieben, in denen Lebensmittelproben zu beanstanden waren, erfolgte im Rahmen von Nachkontrollen eine erneute Probenahme. In der überwiegenden Anzahl der Fälle zeigte sich hierbei eine Verbesserung des mikrobiologischen Status der untersuchten Speisen.

Art der Proben Anzahl der Proben
n
Proben vom Buffet
Räucherfisch 42
Wurstaufschnitt
68
vorgeschnittenes Obst
36
Proben aus dem Produktionsbereich
 
Sättigungsbeilagen
99
Salat, vor- und zubereitet
70
Süßspeisen
 
Sahne/Speiseeis
167
Nachspeisen (Cremes, Puddings, Torten)
55
Sonstige Lebensmittelproben 71
Tupferproben (Schankanlagen)

55

Tabelle 1: Überblick über die im Vorfeld zum G7-Gipfel
untersuchten Proben

Gastronomiekontrollen im Nachgang zum G7-Gipfel

Das LGL hat im Zusammenhang mit dem G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau in den Jahren 2014 und 2015 umfangreiche Kontrollen durchgeführt. Im Nachgang zum G7-Gipfel überprüfte die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit 2016 in Zusammenarbeit mit den zuständigen Landratsämtern erneut ausgewählte Betriebe, bei denen vor bzw. während der damaligen Veranstaltung die vorgefundenen Mängel als gravierend oder mittelgradig eingestuft worden waren. Insgesamt führte die Spezialeinheit in diesem Zusammenhang 25 Betriebskontrollen in Hotels, Gaststätten und Cateringbetrieben durch. Bei diesen Kontrollen konnten bei 18 Betrieben (72 %) geringfügige Mängel festgestellt werden. Bei sieben Betrieben (28 %) stellten die Kontrollteams mittelgradige Mängel fest. Die Kontrolleure fanden bei keiner Betriebskontrolle gravierende Mängel vor. Die Kontrollergebnisse zeigen, dass sich der Hygienestandard der Betriebe mittlerweile verbessert hat. Hauptsächliche Mängel bei den 2016 durchgeführten Kontrollen waren Reinigungsdefizite an den Getränkeschankanlagen, Eiswürfelbereitern sowie an schwer zugänglichen und schlecht zu reinigenden Küchenbereichen. Auch der Bereich Eigenkontrollsysteme hatte sich deutlich verbessert, sodass in allen Betrieben ein solides und der Größe angepasstes Konzept zur Umsetzung einer angemessenen Basishygiene vorhanden war

Projekt 2013: Betriebe mit asiatischem Speisenangebot

Auch im Jahr 2013 kontrollierte die Spezialeinheit wieder Gastronomiebetriebe mit asiatischem Speisenangebot. Anlass für die Weiterführung dieses Projektes waren die auffällig schlechten Kontrollergebnisse im Jahre 2012. Bei den insgesamt 24 kontrollierten Betrieben waren die Mängel 14-mal (58 %) als mittelgradig und fünfmal (21 %) als gravierend einzustufen. Die vorgefundenen Missstände waren, wie bereits im Vorjahr, vor allem hygienische Mängel bei der Lagerung und Zubereitung der Speisen. Besonders auffällig war die mangelnde Sensibilität im Umgang mit leicht verderblichen Lebensmitteln. So fand das Auftauen dieser Lebensmittel häufig in unhygienischem Umfeld bei zu hohen Temperaturen statt. Es wurden teilweise Lebensmittel zur Verarbeitung bereitgehalten und verarbeitet, die bereits sensorisch als verdorben erkennbar waren. Von 29 im Rahmen der Kontrollen entnommenen Lebensmittelproben waren 21 unter anderem aufgrund von Verderb als nicht für den menschlichen Verzehr geeignet zu beurteilen. Lebensmittel, die unter unhygienischen Umständen hergestellt, behandelt oder gelagert wurden, sowie offensichtlich verdorbene Lebensmittel mussten entsorgt werden. Auch die Reinigung von Küchen, Einrichtungsgegenständen und Arbeitsgeräten wurde häufig vernachlässigt, sodass zum Teil massive Altverschmutzungen vorzufinden waren. In vielen Fällen fehlten zudem jegliche Nachweise für Eigenkontrollen und Dokumentationen, zum Beispiel über Infektionsschutzbelehrungen und Personalschulungen oder ein HACCP-Konzept.
Als mögliche systematische Ursachen für das vermehrte Auftreten gravierender Mängel kommen etwa fehlende Sach- und Rechtskenntnisse über EU-Hygieneanforderungen und deren Umsetzung sowohl bei den Betreibern als auch beim Personal ebenso in Betracht wie Sprachbarrieren und fehlende bzw. sehr niedrige Voraussetzungen für die Aus¬übung des Gastronomiegewerbes. Vor diesem Hintergrund ist es zum Schutz der Verbraucher notwendig, die Situation – unabhängig von den konkreten Einzelfällen – systematisch zu verbessern. Eine bayernweite Arbeitsgruppe unter Leitung der Spezialeinheit erarbeitet seit Mitte 2013 Vorschlä¬ge für Maßnahmen, die zu einer nachhaltigen Verbesserung der Situation führen sollen.

Projekt 2013: Gastronomie in Hotelketten

Im Rahmen des Kontrollprogramms überprüfte die Spezialeinheit Lebensmittelsicherheit im Jahr 2013 bayernweit zwölf Gastronomiebetriebe verschiedener Hotelketten. Das Frühstück wurde in allen Hotels als Buffet angeboten. In acht Betrieben war ein Mittag- und Abendessen à la carte erhältlich. In sieben Hotels wurden die Essen in der eigenen Kü¬che zubereitet, in einem waren lediglich kalt angelieferte und vor Ort wieder erwärmte Fertigmahlzeiten erhältlich. Einem Betrieb war ein Sterne-Restaurant angeschlossen. Die Ergebnisse der Betriebskontrollen waren größtenteils zufriedenstellend; in neun Hotels (75 %) waren die Mängel als geringfügig, in drei (25 %) als mittelgradig einzustufen. Gravierende Mängel ergaben sich nicht.
Mängel in der Bausubstanz waren vor allem durch deren Alter bedingt, teilweise waren die Räume für den Umgang mit Lebensmitteln schlecht geeignet (zum Beispiel offene Lebensmittel in nicht ausreichend hergerichteten Kellerräumen). Bei der Überprüfung der Basishygiene fiel unter anderem wiederholt der mangelhafte Reinigungszustand von Zapfhähnen und Eismaschinen auf. Die zuständigen Vor-Ort-Behörden ordneten eine zeitnahe Nachreinigung an. Im Bereich der Eigenkontrollsysteme beanstandeten die Kontrolleure unzureichend durchdachte bzw. nicht etablierte HACCP-Konzepte. Weiterhin traten Mängel im Temperaturmanagement bei Kühlund Warmhaltetemperaturen auf.

Projekt 2012: Gastronomie, Freizeitgastronomie, Caterer

Die Spezialeinheit überprüfte 2012 je 18 Cateringbetriebe und Betriebe aus dem Bereich der Freizeitgastronomie. Sie führte damit den 2011 begonnenen Schwerpunkt Systemgastronomie fort. Die Systemgastronomie zeichnet sich durch standardisierte Betriebskonzepte aus, die in der Regel von Unternehmenszentralen vorgegeben und durch die einzelnen Filialen umgesetzt werden. Aus den verschiedenen Marktsegmenten der Systemgastronomie (Fastfood, Fullservice, Catering sowie Verkehrs-, Handels- und Freizeitgastronomie) schnitten bei den orientierenden Überprüfungen im Jahr 2011 die Betriebe der Kategorien Freizeitgastronomie und Catering am wenigsten gut ab und wurden daher in das Kontrollprogramm 2012 aufgenommen. Bei den Kontrollen im Jahr 2012 wiesen insgesamt 22 der 36 überprüften Betriebe (61 %) geringfügige Mängel auf. In zwölf Betrieben (33 %) wurden mittelgradige Mängel festgestellt und in zwei Betrieben (5 %; je einer aus der Kategorie Cateringunternehmen und Freizeitgastronomie) wurden die festgestellten Mängel als gravierend eingestuft. Bei den beanstandeten Mängeln handelte es sich zum überwiegenden Teil um Reinigungsdefizite in den Betriebsräumen, vor allem im Bereich der Küche. Oftmals mussten altverschmutzte Kochgerätschaften und Küchengeräte beanstandet werden. Gleichzeitig wurde häufig ein mangelhaftes Eigenkontrollsystem vorgefunden. So konnten acht der insgesamt 36 überprüften Betriebe (22 %) kein Reinigungskonzept vorweisen. 18 Betriebe (50 %) hatten kein System nach den HACCP-Grundsätzen etabliert. In sechs Betrieben (17 %) waren die Vorsorgemaßnahmen gegen Schädlingsbefall unzureichend. Ein sorgfältig ausgearbeitetes und auf die individuellen Anforderungen der Betriebsstätte angepasstes Eigenkontrollsystem, zu dem auch regelmäßige Personalschulungen gehören, ist eine der Grundvoraussetzungen für eine wirksame Betriebshygiene und die Vorbeugung vor Reinigungsmängeln.

Im Jahr 2012 kontrollierte die Spezialeinheit im Rahmen eines Projektes verstärkt Asiarestaurants. Anlass hierfür war die Bitte einer Kreisverwaltungsbehörde um Unterstützung durch die Spezialeinheit bei einer Betriebskontrolle. Die vorgefundenen hygienischen Mängel bei dieser Kontrolle waren so gravierend, dass weitere Überprüfungen in diesem Segment für erforderlich erachtet wurden. Bei den insgesamt 26 kontrollierten Betrieben wurden 15-mal gravierende Mängel festgestellt. Die vorgefundenen Missstände lagen vor allem in einer Vielzahl von hygienischen Mängeln bei der Lagerung und Zubereitung der Speisen. Besonders auffällig war die mangelnde Sensibilität im Umgang mit leicht verderblichen Lebensmitteln. So wurden solche Lebensmittel häufig in unhygienischem Umfeld bei zu hohen Temperaturen aufgetaut. Von 181 im Rahmen der Kontrollen entnommenen Lebensmittelproben wurden 118 als nicht für den menschlichen Verzehr geeignet beurteilt (etwa aufgrund von Verderb). Auch die Reinigung von Küche, Einrichtungsgegenständen und Arbeitsgeräten wurde häufig vernachlässigt, sodass zum Teil massive Altverschmutzungen vorzufinden waren. Außerdem wurden wiederholt in Betrieben Schädlinge und deren Exkremente festgestellt. In vielen Fällen fehlten zudem jegliche Eigenkontrollen und Dokumentationen, etwa fehlende Infektionsschutzbelehrungen, Personalschulungen oder ein Hazard-Analysisand-Critical-Control-Points (HACCP)-Konzept. Bei letzterem handelt es sich um ein Verfahren, bei dem mithilfe einer kritischen Betrachtung des Herstellungsprozesses mögliche Gefahren für das Lebensmittel erkannt und ausgeschaltet werden sollen. Häufig entstand der Eindruck, dass mangelhafte Sprachkenntnisse sowie schwierige Arbeits- und Lebensbedingungen der Mitarbeiter mit ursächlich für die vorgefundenen Mängel waren. In einer Reihe von Fällen mussten Betriebe vorübergehend geschlossen und Grundreinigungen angeordnet werden. Lebensmittel, welche unter unhygienischen Umständen hergestellt, behandelt oder gelagert wurden oder offensichtlich verdorben waren, mussten entsorgt werden.

Projekt 2011: Gastronomie/Ski-WM

In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Garmisch-Partenkirchen überprüfte die Spezialeinheit während der Alpinen Ski-WM 2011 ca. 45 ortsveränderliche Betriebsstätten (Zelte, Stände usw.). Die Kontrollen waren Teil eines Konzeptes für eine integrierte Lebensmittelüberwachung bei Großveranstaltungen, welches im Vorfeld durch das LGL und die Kreisverwaltungsbehörde erarbeitet wurde. Die Betriebe wurden nach der baulichen Fertigstellung vor Beginn der Veranstaltung überprüft und anschließend auch im laufenden Betrieb überwacht. Im Zuge der Kontrollen fiel auf, dass die Betreiber vielfach nicht auf geeignete Bodenbeläge achteten. In acht Fällen (18 %) beanstandete die Spezialeinheit das vollständige Fehlen des Bodenbelags, Verschmutzungen sowie die Verwendung von nicht leicht zu reinigenden Materialien. Die Betreiber mussten den Bodenbelag jeweils vor Inbetriebnahme nachbessern. Ein weiteres Problem stellten fehlende separate Personaltoiletten dar. In der Mehrzahl der Fälle waren an den Veranstaltungsorten lediglich zentrale und öffentlich zugangliche Toiletten in Form von Mietcontainern vorhanden. Aus Kostengründen verzichteten die Betreiber vielfach darauf, zusätzliche Container als Personaltoiletten anzumieten. Die gemeinsame Nutzung von sanitären Anlagen durch Veranstaltungsbesucher und Personal, das mit offenen Lebensmitteln umgeht, ist jedoch zu vermeiden, da auf diesem Weg Erreger von Lebensmittelinfektionen leicht verbreitet werden können. Das Fehlen von Handwaschbecken bzw. von Seife und Einmalhandtüchern im Produktionsbereich beanstandete die Spezialeinheit in zehn Fällen (22 %). In 16 Fällen (36 %) gab der Umgang mit Lebensmitteln Anlass zu Beanstandungen. So wurden beispielsweise reine und unreine Arbeitsschritte nicht ausreichend getrennt oder Kühl- bzw. Warmhaltetemperaturen während der Speisenausgabe nicht eingehalten.

Projekt 2011: DB-Fernverkehr

Im Rahmen eines Projektes kontrollierte die Spezialeinheit in 20 Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn die Bordgastronomie und stufte die festgestellten Mängel in zwölf Fällen als geringgradig, in acht Fällen als mittelgradig ein. Als Schwachstelle erwiesen sich unhygienische und verschmutzte Geschirrspulmaschinen sowie nach dem Spülgang noch verschmutztes Spülgut. Durch eine angeordnete Reinigung vor Ort wurden die Mängel behoben.

Projekt 2010: Gastronomie

Im Zuge einer ersten Statuserhebung in dem vielfältigen und sehr umfangreichen Bereich gastronomischer Einrichtungen wurden im Berichtsjahr 2010 insgesamt 59 Betriebe einer Kontrolle unter Beteiligung der Spezialeinheit unterzogen. Größtenteils handelte es sich um Hotel- und Restaurationsbetriebe, aber auch um ortsveränderliche Einrichtungen wie Zeltbetriebe oder Stände, Backshops mit Serviertheke oder um gastronomische Einrichtungen auf Ausflugsschiffen. Ziel war es vor allem, Erkenntnisse für eine Durchführung einheitlicher und somit vergleichbarer Kontrollen dieser in sich heterogenen Branche zu gewinnen. Erwähnenswerte, in vielen Betrieben wiederkehrende hygienische Schwachstellen waren der Bereich der Schankanlagen (unzureichender Reinigungszustand in 25 Betrieben), die Warenbehandlung bei den Lager-, Kühl- und Gefriereinrichtungen (z. B. Lagerung von Lebensmitteln am Boden, verschmutzte Kühlventilatoren; einzelne Probleme bei nahezu allen Betrieben), schwer zugängliche, schwierig zu reinigenden Küchenbereiche. Im Bereich der Eigenkontrollen waren fehlende bzw. nicht dokumentierte Hygieneschulungen zwölf Betriebe) sowie fehlende Belehrungen nach § 43 Infektionsschutzgesetz (17 Betriebe) auffällig. insgesamt waren bei fünf der 59 kontrollierten Betriebe die Mängel als gravierend einzustufen. Als erste Konsequenz wurde eine Checkliste für ortsfeste gastronomische Einrichtungen ent wickelt und im Praxisbetrieb erprobt, die es ermöglicht, bayernweit einheitliche Kontrollstandards in dieser Branche zu verwirklichen.

2009: Kontrollschwerpunkt Sushi (-Restaurants)

Aufgrund der zunehmenden Beliebtheit von Sushi-Restaurants und der mikrobiell sensiblen Sushi-Gerichte wurde im Rahmen des Bundesweiten Überwachungsprogrammes (BÜp) ein entsprechendes Betriebskontrollprogramm aufgelegt. Die Spezialeinheit beteiligte sich 2009 bayernweit an 14 Betriebskontrollen und stieß dabei auf immer wiederkehrende Schwachstellen.

Häufig gaben stark verschmutzte Küchen und Ausrüstungsgegenstände sowie die unsachgemäße Behandlung roher Ausgangsware und in einzelnen Fällen die Personalhygiene Grund zur Beanstandung. In Running-Sushi-Betrieben wurden insbesondere die Kühl- beziehungsweise Warmhaltetemperaturen der zubereiteten Speisen in Verbindung mit fehlenden Systemen zur Regulierung der Verweilzeiten der Lebensmittel auf dem Band bemängelt. Einige Betriebe mussten kurzzeitig für eine umgehende Reinigung geschlossen werden; überlagerte Lebensmittel wurden vernichtet.

Um zukünftig die Arbeit der Vor-Ort-Behörden zu erleichtern, sollen gezielte Fortbildungsveranstaltungen für das Überwachungspersonal eingeführt werden.

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