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Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen und Wildschweinfleisch - Untersuchungsergebnisse 2025
Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen
Hintergrund
Bestimmte Wildpilzarten sind v.a. in Südbayern, hauptsächlich durch die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor 40 Jahren, aber auch aus den oberirdischen Kernwaffentests des 20. Jahrhunderts, noch immer stark mit Cäsium-137 belastet. Folgende vier Faktoren beeinflussen bis heute die Höhe der Cäsiumbelastung bei Wildpilzen:
- Pilzsorte,
- die lokale Bodenkontamination,
- die lange Halbwertszeit des Cäsiums (Cäsium-137) von ca. 30 Jahren
- und der Umstand, dass in den humusreichen Waldböden das deponierte Cäsium in den oberen Schichten für das Pilzmyzel leicht verfügbar ist.
Ziel der Untersuchungen
Ziel der jährlichen Wildpilzuntersuchungen ist es festzustellen, wie sich die Cäsium-137-Belastung von bayerischen Wildpilzen entwickelt. Bei den 86 Pilzproben aus dem Inland handelte es sich ausschließlich um Proben von Pilzsammlern zum Eigenverbrauch bzw. von Eigensammlungen der Kreisverwaltungsbehörden. In der Regel stammen die in den Supermärkten angebotenen Wildpilze aus sogenannten EU-Drittländern (Ländern außerhalb der EU). Die Einfuhr dieser Importpilzproben ist in der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020 geregelt.
Ergebnisse
Insgesamt untersuchte das LfU im Auftrag des LGL 86 Proben Wildpilze mittels Gammaspektrometrie auf ihre Belastung mit Cäsium-137. Die Proben stammten direkt aus bayerischen Wäldern.
Die Untersuchungsergebnisse der Pilzproben im Jahr 2025 liegen in den Bereichen, wie sie auch in den vergangenen Jahren feststellbar waren (Tabelle 1). Bestimmte heimische Pilzsorten weisen im Durchschnitt höhere Cäsium-137-Gehalte auf, hierbei ist insbesondere der Maronenröhrling zu nennen. Pfifferlinge und Steinpilze aus bayerischen Wäldern sind gegenüber dem Maronenröhrling generell niedriger belastet.
| bayerische Wildpilze | Probenzahlen | Radiocäsiumgehalt in Bq/kg | ||
|---|---|---|---|---|
| Min. | Max | MW | ||
| Maronenröhrlinge | 28 | <5 | 456 | 158 |
| Pfifferlinge | 2 | 24 | 29 | 27 |
| Steinpilze | 3 | 1 | 139 | 49 |
| Parasolpilze | 5 | 2 | 5 | 2 |
| Rotfußröhrlinge | 6 | 12 | 231 | 97 |
| andere Wildpilze | 42 | <1 | 288 | 83 |
Fazit
Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden, nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge auch bei heimischen Wildpilzen, nur sehr langsam ab. Somit ist auch in den nächsten Jahren bei Wildpilzen mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildpilzen auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildpilze von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hätte an der durchschnittlichen jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland gerade mal einen Anteil von 0,19 %.
Radiocäsiumgehalt in Wildschweinfleisch
Hintergrund
Die Hauptursache für die heutige Radiocäsiumbelastung von Wildfleisch ist der Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl. Darüber hinaus enthalten Wildpilze und demnach auch Wildbret auch heute noch Cäsium-137, das bei den oberirdischen Kernwaffentests des 20. Jahrhunderts freigesetzt wurde. Dabei ist der direkte Zusammenhang der Cäsiumbelastung von Wildpilzen und Wildfleisch von entscheidender Bedeutung.
Wildtiere wie Reh, Hirsch und Wildschwein nehmen das Cäsium u. a. über die Wildpilze auf und reichern es auf diesem Wege im Muskelfleisch an. Insbesondere bei Wildschweinen können aufgrund des Verzehrs von Wildpilzen auch 40 Jahre nach dem Reaktorunglück noch deutliche Grenzwertüberschreitungen auftreten. Aufgrund der Empfehlung der Kommission (2003/274/EU) findet der in Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020 aufgeführte EU-Grenzwert für Radiocäsium von 600 Bq/kg, der ursprünglich für Importproben galt, ebenfalls Anwendung auf heimisches Wildfleisch.
Ziel der Untersuchungen
Ziel der Untersuchungen 2025 war es, Wildschweinproben aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel auf deren Radiocäsiumbelastung zu überprüfen.
Ergebnisse
Insgesamt untersuchte das LGL 140 Proben Wildschweinfleisch mit der Gammaspektrometrie auf ihren Gehalt an Cäsium-137. Die Produkte stammten alle aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel, aus Restaurants und von Direktvermarktern. Bei acht Proben handelte es sich um Importware.
Die Untersuchungsergebnisse im Jahr 2025 bestätigen die niedrigen Radiocäsiumgehalte in Wildschweinfleisch aus dem bayerischen Handel der vergangenen Berichtsjahre (Tabelle 2). Auch die acht Wildschweinproben aus dem Ausland wiesen äußerst niedrige Cäsium-137-Gehalte auf.
Der Mittelwert an Radiocäsium lag bezogen auf die 140 Handelsproben bei 33 Bq/kg. Dabei wiesen 65 % der Wildschweinproben einen Radiocäsiumgehalt von unter 10 Bq/kg, sowie 29 % einen Radiocäsiumgehalt zwischen 10 Bq/kg und 100 Bq/kg auf. Somit liegen 94 % der untersucht Proben unter 100 Bq/kg. Keine Handelsprobe überschritt im Berichtszeitraum 2025 den EU-Grenzwert von 600 Bq/kg.
| Bezeichnung | Probenzahlen | Radiocäsiumgehalt in Bq/kg | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Ausland | Inland | Min. | Max. | MW | |
| Wildschwein (Handel) | 8 | 132 | <1 | 592 | 33 |
Fazit
Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums (Cäsium-137) von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge im Wildschweinfleisch nur sehr langsam ab. Daher ist auch in den nächsten Jahren bei Wildschweinfleisch mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildschweinfleisch auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildschweinfleisch von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hat an der durchschnittlichen jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland einen Anteil von 0,19 %. Generell weisen die Radiocäsiumgehalte der aus dem Handel stammenden Wildschweinproben im Durchschnitt nur geringe Radiocäsiumbelastungen auf. Dies ist ein Erfolg der Eigenkontrollen der Jäger, die mit Hilfe der Qualifizierten Wildbretmessstellen, ein wirksames Instrument zur Eigenkontrolle zur Verfügung haben und somit gewährleisten können, dass nur Fleisch mit einer geringen Radiocäsiumbelastung in den Handel gebracht wird. Hinsichtlich der Tatsache, dass Wildschweinfleisch bis heute auch noch stark erhöhte Cäsium-137-Gehalte aufweisen kann, ist es im Interesse des Verbraucherschutzes auch in den nächsten Jahren eine bayernweite Überwachung von Wildschweinfleisch aus dem Einzel- bzw. Großhandel aufrechtzuerhalten.

