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Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen und Wildschweinfleisch - Untersuchungsergebnisse 2024
Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen
Hintergrund
Die heutige Radiocäsiumbelastung in Wildpilzen ist größtenteils auf den Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl zurückzuführen.
Folgende vier Faktoren beeinflussen bis heute die Höhe der Cäsiumbelastung bei Wildpilzen:
- Pilzsorte,
- die lokale Bodenkontamination,
- die lange Halbwertszeit des Cäsiums (Cäsium-137) von ca. 30 Jahren
- und der Umstand, dass in den humusreichen Waldböden das deponierte Cäsium in den oberen Schichten für das Pilzmyzel leicht verfügbar ist.
Ziel der Untersuchungen
Ziel der jährlichen Wildpilzuntersuchungen ist es festzustellen, wie sich die Cäsium- 137-Belastung von bayerischen Wildpilzen entwickelt. Bei den 20 Inlandspilzproben handelt es sich ausschließlich um Proben von Pilzsammlern zum Eigenverbrauch bzw. von Eigensammlungen der Kreisverwaltungsbehörden. Die in den Supermärkten angebotenen Wildpilze stammen in der Regel aus sogenannten EU-Drittländern. Die Einfuhr dieser Importpilzproben ist in der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020) geregelt.
Ergebnisse
Die Untersuchungsergebnisse der Pilzproben 2024 liegen in den Messbereichen der vergangenen Jahre. Bestimmte heimische Pilzsorten weisen im Durchschnitt höhere Cäsium-137-Gehalte auf. Hierbei ist insbesondere der Maronenröhrling zu nennen. Pfifferlinge und Steinpilze aus bayerischen Wäldern sind gegenüber dem Maronenröhrling generell niedriger belastet. Pilzimporte aus EU-Drittländern werden während der Pilzsaison stichprobenartig durch das LGL überprüft, um kontaminierte Ware von der Einfuhr und somit aus dem Handel auszuschließen. Im Berichtsjahr 2024 wurden 3 getrocknete Wildpilz-Importproben auf deren Radiocäsiumgehalt untersucht. Dabei wurde bei keiner Importprobe eine Grenzwertüberschreitung von 600 Bq/kg Radiocäsium festgestellt.
| Bezeichnung | Probenzahlen | Radiocäsiumgehalt in Bq/kg | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Ausland | Inland | Min. | Max | MW | |
| Wildpilze gesamt | 3 | 20 | |||
| Maronenröhrlinge | 6 | 19 | 697 | 185 | |
| Pfifferlinge | 3 | 13 | 80 | 38 | |
| Steinpilze | 4 | 20 | 52 | 36 | |
| Parasol | 5 | <1 | 7 | 3 | |
| Wiesenchampignon | 2 | <2 | <3 | <3 | |
Fazit
Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden, nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge auch bei heimischen Wildpilzen, nur sehr langsam ab. Somit ist auch in den nächsten Jahren bei Wildpilzen mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildpilzen auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildpilze von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hat an der durchschnittlichen, jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland gerade mal einen 0,19%igen Anteil. Pilzimportproben, die aus EU-Drittländern stammen und für den deutschen Einzel- bzw. Großhandel bestimmt sind, weisen auch 2024, wie bereits in den vergangenen Jahren, nur Cäsium-137-Gehalte deutlich unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq/kg auf.
Radiocäsiumgehalt in Wildschweinfleisch
Hintergrund
Die Hauptursache für die heutige Radiocäsiumbelastung von Wildfleisch ist der Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl (Tabelle 1). Dabei ist der direkte Zusammenhang der Cäsiumbelastung von Wildpilzen und Wildfleisch von entscheidender Bedeutung.
Wildtiere wie Reh, Hirsch und Wildschwein nehmen das Cäsium u. a. über die Wildpilze auf und reichern es auf diesem Wege im Muskelfleisch an. Insbesondere bei Wildschweinen können aufgrund des Verzehrs von Wildpilzen auch 38 Jahre nach dem Reaktorunglück noch deutliche Grenzwertüberschreitungen auftreten.
Aufgrund der Empfehlung der Kommission (2003/274/Euratom) findet der in Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020, aufgeführte EU-Grenzwert für Radiocäsium von 600 Bq/kg, ebenfalls Anwendung auf Wildfleisch.
Ziel der Untersuchungen
Ziel der Untersuchungen 2024 ist es, im Interesse des bayerischen Verbraucherschutzes, Wildschweinproben aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel auf deren Radiocäsiumbelastung zu überprüfen.
Ergebnisse
Im Berichtszeitraum 2024 wurden 161 Wildschweinproben aus dem Handel auf deren Radiocäsiumgehalt untersucht (Abbildung + Tabelle 2). 153 Proben stammten aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel. 8 Wildschweinproben hatten Ihren Ursprung im Ausland. Hier lagen die Werte zwischen <1 Bq/kg und 149 Bq/kg Cäsium-137.
Die Untersuchungsergebnisse 2024 bestätigen die niedrigen Radiocäsiumgehalte in Wildschweinfleisch aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel der vergangenen Berichtsjahre mit einem Radiocäsium Mittelwert bezogen auf die 161 Handelsproben von 49 Bq/kg. Dabei weisen 66 % der Wildschweinproben aus dem Handel einen Radiocäsiumgehalt von unter 10 Bq/kg auf und 20 % zwischen 10 Bq/kg und 100 Bq/kg. Somit liegen 86 % der Handelsproben unter 100 Bq/kg. Im Berichtszeitraum 2024 wurde keine Handelsprobe beanstandet, da bei dem Messwert von 627 Bq/kg die Fehlertoleranz von +/- 20% der Untersuchungsmethode keine eindeutigen Überschreitung des Grenzwertes von 600 Bq/kg ergibt.
| Bezeichnung | Probenzahlen | Radiocäsiumgehalt in Bq/kg | |||
|---|---|---|---|---|---|
| Ausland | Inland | Min. | Max | MW | |
| Wildschwein (Handel) | 8 | 153 | <1 | 627 | 49 |
Abbildung: Prozentuale Verteilung des Radiocäsiumgehalts von Wildschweinproben aus dem Handel im Jahr 2024
Fazit
Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums (Cs-137) von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden, nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge im Wildschweinfleisch, nur sehr langsam ab. Daher ist auch in den nächsten Jahren bei Wildschweinfleisch mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildschweinfleisch auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildschweinfleisch von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hat an der durchschnittlichen, jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland gerade mal einen 0,19 %igen Anteil. Generell weisen die Radiocäsiumgehalte der aus dem Handel stammenden Wildschweinproben im Durchschnitt nur geringe Radiocäsiumbelastungen auf. Jägern steht mit der Einrichtung der Qualifizierten Wildbretmessstellen, ein wirksames Instrument zur Eigenkontrolle zur Verfügung und sie können so gewährleisten, dass nur Fleisch mit einer geringen Radiocäsiumbelastung in den Handel gebracht wird. Hinsichtlich der Tatsache, dass Wildschweinfleisch bis heute auch noch stark erhöhte Cäsium-137-Gehalte aufweisen kann, ist es im Interesse des Verbraucherschutzes, auch in den nächsten Jahren, eine bayernweite Überwachung von Wildschweinfleisch aus dem Einzel- bzw. Großhandel aufrechtzuerhalten.

