Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen und Wildschweinfleisch - Untersuchungsergebnisse 2023

Radiocäsiumgehalt in Wildpilzen

Hintergrund

Die heutige Radiocäsiumbelastung in Wildpilzen ist größtenteils auf den Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl zurückzuführen
Folgende vier Faktoren beeinflussen die Höhe der Cäsiumbelastung bei Wildpilzen: die Pilzsorte, die lokale Bodenkontamination, die lange Halbwertszeit des Cäsiums von ca. 30 Jahren und der Umstand, dass in den humusreichen Waldböden, im Gegensatz zu bewirtschafteten Ackerböden, das deponierte Cäsium in den oberen Schichten für das Pilzmyzel leicht verfügbar bleibt.
Aufgrund der Empfehlung der Kommission (2003/274/Euratom) findet der in Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020 aufgeführte EU-Grenzwert für Radiocäsium von 600 Bq/kg, ebenfalls Anwendung auf Wildpilze.

Ziel der Untersuchungen

Ziel der jährlichen Wildpilzuntersuchungen ist es festzustellen, wie sich die Cäsium-137-Belastung von bayerischen Wildpilzen entwickelt. Bei den 61 Inlandspilzproben handelt es sich ausschließlich um Proben von Pilzsammlern zum Eigenverbrauch bzw. von Eigensammlungen der Kreisverwaltungsbehörden. In der Regel stammen die in den Supermärkten angebotenen Wildpilze aus sogenannten EU-Drittländern. Die Einfuhr dieser Importpilzproben ist in der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020) geregelt.

Ergebnisse

Die Untersuchungsergebnisse der Pilzproben 2023 liegen in den Messbereichen der vergangenen Jahre (Tabelle 1). Bestimmte heimische Pilzsorten weisen im Durchschnitt höhere Cäsium-137 Gehalte auf. Hierbei ist insbesondere der Maronenröhrling zu nennen. Pfifferlinge und Steinpilze aus bayerischen Wäldern sind gegenüber dem Maronenröhrling generell niedriger belastet. Pilzimporte aus EU-Drittländern werden während der Pilzsaison stichprobenartig durch das LGL überprüft, um kontaminierte Ware von der Einfuhr und somit aus dem Handel auszuschließen. Im Berichtsjahr 2023 wurden 6 Wildpilz-Importproben auf deren Radiocäsiumgehalt untersucht. Dabei wurde bei keiner Importprobe eine Grenzwertüberschreitung von 600 Bq/kg Radiocäsium festgestellt.

Tabelle 1: Untersuchungsergebnisse von Wildpilzen auf Radiocäsium 2023
Bezeichnung Probenzahlen Radiocäsiumgehalt in Bq/kg
Ausland Inland Min. Max MW
Wildpilze gesamt 6 61      
Maronenröhrlinge   21 10 636 166
Pfifferlinge 2 1 5 76 32
Steinpilze 4 10 4 170 45
andere Wildpilze   29 <1 185 36

Fazit

Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden, nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge auch bei heimischen Wildpilzen, nur sehr langsam ab. Somit ist auch in den nächsten Jahren bei Wildpilzen mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildpilzen auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildpilze von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hat an der durchschnittlichen, jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland gerade mal einen 0,19%igen Anteil. Pilzimportproben, die aus EU-Drittländern stammen und für den deutschen Einzel- bzw. Großhandel bestimmt sind, weisen auch 2023, wie bereits in den vergangenen Jahren, nur Cäsium-137-Gehalte deutlich unter dem EU-Grenzwert von 600 Bq/kg auf.

Radiocäsiumgehalt in Wildschweinfleisch

Hintergrund

Die Hauptursache für die heutige Radiocäsiumbelastung von Wildfleisch ist der Reaktorunfall 1986 in Tschernobyl. Dabei ist der direkte Zusammenhang der Cäsiumbelastung von Wildpilzen und Wildfleisch von entscheidender Bedeutung.

Folgende vier Faktoren beeinflussen bis heute die Höhe der Cäsiumbelastung bei Wildpilzen:

  • die Pilzsorte,
  • die lokale Bodenkontamination,
  • die lange Halbwertszeit des Cäsiums (Cs-137) von ca. 30 Jahren
  • und der Umstand, dass in den humusreichen Waldböden, im Gegensatz zu bewirtschafteten Ackerböden, das deponierte Cäsium in den oberen Schichten für das Pilzmyzel leicht verfügbar ist.
Wildtiere wie Reh, Hirsch und Wildschwein nehmen das Cäsium u. a. über die Wildpilze auf und reichern es auf diesem Wege im Muskelfleisch an. Insbesondere bei Wildschweinen können aufgrund des Verzehrs von Wildpilzen auch 37 Jahre nach dem Reaktorunglück noch deutliche Grenzwertüberschreitungen auftreten.
Aufgrund der Empfehlung der Kommission (2003/274/Euratom) findet der in Art. 3 der Verordnung (EG) Nr. 1158/2020, aufgeführte EU-Grenzwert für Radiocäsium von 600 Bq/kg, ebenfalls Anwendung auf Wildfleisch.

Ziel der Untersuchungen

Ziel der Untersuchungen 2023 ist es, im Interesse des bayerischen Verbraucherschutzes, Wildschweinproben aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel auf deren Radiocäsiumbelastung zu überprüfen.

Ergebnisse

Im Berichtszeitraum 2023 wurden 149 Wildschweinproben aus dem Handel auf deren Radiocäsiumgehalt untersucht (Abbildung + Tabelle 2). Die 149 Proben stammten aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel. 9 Wildschweinproben hatten Ihren Ursprung im Ausland und wiesen äußerst niedrige Cäsium-137-Gehalte auf.
Die Untersuchungsergebnisse in den Jahren 2023 bestätigen die niedrigen Radiocäsiumgehalte in Wildschweinfleisch aus dem bayerischen Einzel- bzw. Großhandel der vergangenen Berichtsjahre mit einem Radiocäsium Mittelwert bezogen auf die 149 Handelsproben von 31 Bq/kg. Dabei weisen 70 % der Wildschweinproben aus dem Handel einen Radiocäsiumgehalt von unter 10 Bq/kg auf und 19 % zwischen 10 Bq/kg und 100 Bq/kg. Somit liegen 89 % der Handelsproben unter 100 Bq/kg. Keine Handelsprobe überschritt im Berichtszeitraum 2023 den EU-Grenzwert von 600 Bq/kg.

Tabelle 2: Übersicht über die Radiocäsiumbelastung von Wildschweinfleisch aus dem Handel 2023
Bezeichnung Probenzahlen Radiocäsiumgehalt in Bq/kg
Ausland Inland Min. Max MW
Wildschwein (Handel) 9 140 <1 568 31
Das Säulendiagramm zeigt die prozentuale Verteilung der Radiocäsiumgehalte in Wildschweinfleisch aus dem Handel des Jahres 2023. Die große Mehrheit der Proben liegt unter 10 Bq/kg, deutlich weniger zwischen 11-100 Bq/kg und nur sehr wenige in höheren Bereichen über 100 Bq/kg.

Abbildung: Prozentuale Verteilung des Radiocäsiumgehalts von Wildschweinproben aus dem Handel im Jahr 2023


Fazit

Aufgrund der Halbwertszeit des Cäsiums (Cs-137) von ca. 30 Jahren und dem speziellen chemischen Verhalten des Cäsiums im Waldboden, nimmt die Cäsiumbelastung im Boden und demzufolge im Wildschweinfleisch, nur sehr langsam ab. Daher ist auch in den nächsten Jahren bei Wildschweinfleisch mit einer Cäsiumbelastung in vergleichbarer Höhe wie in den vergangenen Jahren zu rechnen. Ein akutes Gesundheitsrisiko kann beim Verzehr von Wildschweinfleisch auch oberhalb des Grenzwertes von 600 Bq/kg ausgeschlossen werden. Eine Portion Wildschweinfleisch von 0,5 kg mit einer Radiocäsiumbelastung von 600 Bq/kg hat an der durchschnittlichen, jährlichen, natürlichen Strahlenbelastung eines Verbrauchers in Deutschland gerade mal einen 0,19 %igen Anteil. Generell weisen die Radiocäsiumgehalte der aus dem Handel stammenden Wildschweinproben im Durchschnitt nur geringe Radiocäsiumbelastungen auf. Dies ist ein Erfolg der Eigenkontrollen der Jäger, die mit Hilfe der Qualifizierten Wildbretmessstellen, ein wirksames Instrument zur Eigenkontrolle zur Verfügung haben und somit gewährleisten können, dass nur Fleisch mit einer geringen Radiocäsiumbelastung in den Handel gebracht wird.Hinsichtlich der Tatsache, dass Wildschweinfleisch bis heute auch noch stark erhöhte Cäsium-137-Gehalte aufweisen kann, ist es im Interesse des Verbraucherschutzes, auch in den nächsten Jahren, eine bayernweite Überwachung von Wildschweinfleisch aus dem Einzel- bzw. Großhandel aufrechtzuerhalten.

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