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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Perfluorierte Tenside (PFT)

Eigenschaften, Einsatz und Toxizität

Perfluorierte organische Verbindungen zeichnen sich aufgrund ihrer Struktur durch hohe thermische und chemische Stabilität aus. Eine Gruppe innerhalb dieser Stoffklasse, die perfluorierten Tenside (PFT), umfasst oberflächenaktive Substanzen, die einerseits relativ gut wasserlöslich sind, andererseits aber auch lipophile (fettliebende) Eigenschaften besitzen. Sie bestehen aus einem perfluorierten und damit wasser-, öl und fettabweisenden Molekülteil und einer polaren – also gut wasserlöslichen – Kopfgruppe wie einer Carbon- oder Sulfonsäure. Eingesetzt werden die PFT für industrielle Spezialanwendungen, zum Beispiel als Emulgatoren bei der Herstellung von Perfluorpolymeren, bei der Verchromung, in der Halbleiterherstellung sowie für fotografische Prozesse. Außerdem sind die perfluorierten Sulfonsäuren ein wichtiger Bestandteil von Feuerlöschschäumen.

In die Diskussion geraten sind die PFT in den letzten Jahren vor allem durch ihre zum Teil hohe Persistenz in der Umwelt und in Organismen sowie durch ihre meist noch vorläufigen toxikologischen Risikobewertungen. Aus der Substanzklasse der PFT am umfangreichsten untersucht sind die Perfluoroktansäure (PFOA) und Perfluoroktansulfonsäure (PFOS), die nach bisherigen Erkenntnissen als Leitparameter für das Vorkommen von PFT dienen können. Diese Substanzen besitzen im menschlichen Organismus eine Halbwertszeit von mehreren Jahren und fördern im Tierversuch die Entstehung von Lebertumoren. PFOS wirkt auch auf die Schilddrüse. Die Verwendung und das Inverkehrbringen der früher häufig eingesetzten PFOS wurden inzwischen durch die EU-Richtlinie 2006/122/EG stark eingeschränkt. Ausführliche Informationen zu PFT werden vom bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) zur Verfügung gestellt.

Messprogramme des LGL

Da die perfluorierten Tenside weitgehend resistent gegen biologische Abbaumechanismen, gegen UV-Strahlung und gegen Hitze sind, finden sie sich inzwischen ubiquitär in der Umwelt, wobei vor allem die Wege der Verteilung noch weitgehend ungeklärt sind. Die Eintragspfade von fluorierten Verbindungen in die Nahrungskette untersuchte das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in mehreren vom Staatsministerium geförderten Forschungsprojekten. Im Rahmen der mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) abgestimmten Messprogramme hat sich das LGL zum Ziel gesetzt, die Hintergrundbelastung der bayerischen Bevölkerung durch PFT in Trinkwasser, in Lebensmitteln und in Futtermitteln zu ermitteln. Bei auffälligen Befunden unterstützt das LGL die Ursachenforschung und eingeleitete Minimierungsmaßnahmen mit Schwerpunktmessprogrammen. Ein Beispiel hierfür ist die Region um das südbayerische Chemiedreieck im Landkreis Altötting, wo sich aufgrund der jahrzehntelangen Produktion von Fluorpolymeren eine besondere Situation ergeben hat. Darüber hinaus bearbeitet das LGL die Fragestellung der umweltmedizinischen Bedeutung der PFT.