Vitamin E

Vitamin E ist ein Sammelbegriff für eine Gruppe von fettlöslichen Substanzen mit antioxidativen Wirkungen. Die für den Menschen bedeutendste in der Natur vorkommende Verbindung mit Vitamin E-Aktivität ist das alpha-Tocopherol".
Die Vitamin E-Zufuhr kann über „naturbelassene“ Lebensmittel, über mit Vitamin E-angereicherte Lebensmittel sowie durch Nahrungsergänzungsmittel erfolgen.
Gesunde Menschen sollten ihren Tagesbedarf in erster Linie über den Verzehr naturbelassener nicht-angereicherter Lebensmittel decken. Die Aufnahme von Vitamin E im Magen-Darm-Trakt ist an die Fettzufuhr gekoppelt und beträgt je nach zugeführter Dosis zwischen ca. 10 bis 50%.
Vitamin E-haltige bzw. alpha-Tocopheryl-Acetat-haltige kosmetische Produkte werden zur Pflege und zum Schutz der Haut angeboten.

Naturbelassene Vitamin-E-reiche Lebensmittel

Pflanzliche Öle wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl, rotes Palmöl und Olivenöl enthalten besonders hohe Gehalte an Vitamin E. So wurden beispielsweise bei Palmölen Werte von bis zu 19 g alpha-Tocopherol /100 g Öl festgestellt. Sonnenblumen- und Olivenöl haben niedrigere Gehalte an alpha-Tocopherol (unter 50 mg/100 g Öl). Nüsse und Mandeln sind reich an alpha-Tocopherol, werden aber von den meisten Menschen nicht täglich verzehrt. Essbare Pinienkerne enthalten etwa 1,2 g alpha- Tocopherol/ 100 g Pinienkerne. Peka- und Cashewnüsse weisen um das 10 bis 30fach niedrigere Werte auf.

Naturbelassene Vitamin E-arme Lebensmittel

Die natürlichen Vitamin E-Gehalte in Fruchtsäften sind in der Regel niedrig. Mit Ausnahme von Spargel und Spinat haben frische Gemüse wie Kartoffeln, Erbsen, Gurken sehr geringe Vitamin E-Gehalte (weniger als 1 mg/100 g). Obstsorten wie Kirschen, Aprikosen, Pfirsiche tragen ebenfalls nur wenig zur Vitamin E-Versorgung bei.

Versorgung der Bevölkerung und empfohlene Tagesdosis der Aufnahme an Vitamin E

Wie viel ein Mensch an alpha-Tocopherol zuführen muss, um seinen Tagesbedarf zu decken, ist nicht genau bekannt. Dennoch gibt es eine empfohlene Tagesdosis.
Die Fachgesellschaften für Ernährung der drei Länder Deutschland, Österreich und Schweiz (D-A-CH) haben hierzu gemeinsam entsprechende Referenzwerte herausgegeben. Die geschätzte angemessene Tageszufuhr wurde demnach auf 11 bis 15 mg/Tag für Erwachsene festgelegt. Für Kinder gelten altersabhängig niedrigere Werte.

Versorgung der Bevölkerung

Die Nationale Verzehrstudie zeigt, dass etwa 50% der Frauen und Männer den Tagesbedarf an Vitamin E über die Nahrung ohne zusätzliche Vitamin E-Zufuhr decken. Als Hauptquellen gelten Fette, alkoholfreie Getränke sowie Gerichte auf Gemüsebasis (wie z.B. Gemüsesalate, Gemüsegerichte mit Soßen). Ein Erwachsener kann beispielsweise mit dem Verzehr von etwa einem bis anderthalb Esslöffeln Sonnenblumenöl seinen gesamten Tagesbedarf decken. Nimmt er aber etwa einen Esslöffel Palmöl zu sich, kann die Tageszufuhr unter Umständen um ein Vielfaches überschritten sein.
Bei der Mehrheit der 6 bis 11jährigen Kinder werden die empfohlenen Tagesdosen von 8 bis 10 mg/Tag unterschritten.
Obwohl ein Teil der Bevölkerung die empfohlenen Tagesdosen nicht erreicht, sind Vitamin E- Mangelerscheinungen bei gesunden Menschen selten. Dagegen sind sie bei bestimmten Krankheiten als Begleiterscheinung möglich, beispielsweise bei Patienten mit Chronisch-Entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, bei denen eine Mangelernährung vorliegen kann.

Vitamin E-Versorgung durch Zufuhr von Nahrungsergänzungsmitteln

Untersuchungen zur Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Vitamin E zeigen, dass 11 bis 12% der Studienteilnehmer 10 mg/Tag Vitamin E durch Nahrungsergänzung zuführen. So wird bei Seniorinnen (Alter mindestens 65 Jahre) die empfohlene Tagesdosis den D-A-CH –Referenzwerten zufolge schon über die Nahrungsergänzung ausgeschöpft. Dagegen wird bei weiblichen Erwachsenen im Alter zwischen 19 und 64 Jahren die empfohlene Tagesdosis nur schätzungsweise zu etwa 75% erreicht. Bei Männern können die Werte noch niedriger (maximal ca. 60%-Ausschöpfung) liegen.

Vitamin E bzw. alpha-Tocopheryl-Acetat aus Hautpflege- und/oder Hautschutzprodukten

Synthetisches Vitamin E ist relativ instabil und nicht so gut verwertbar wie das natürliche Vitamin E. Deshalb wird Kosmetika häufig alpha-Tocopheryl-Acetat zugegeben. Die Gehalte an alpha-Tocopheryl-Acetat liegen in etwa zwischen 0,1 bis 5 mg/100 g Produkt.
Nach Aufnahme in die Haut entsteht aus alpha-Tocopheryl-Acetat mit Hilfe von Enzymen Vitamin E. Zusätzlich zur den antioxidativen Wirkungen soll das Auftragen von alpha-Tocopherol-Acetat auf die Haut eine Glättung bewirken, vor Hautalterung schützen und die Wasserbindefähigkeit verbessern.
Ob und wieviel von dem auf die Haut aufgetragenen alpha-Tocopheryl-Acetat in die tieferen Hautschichten gelangt, hängt vom Wasseranteil des Produktes ab. Aus wässrigen Zubereitungen sind etwa 50% Vitamin E in der Lederhaut verfügbar.

Ist Vitamin E für den Menschen schädlich oder fördert es die Gesundheit?

Wechselwirkung zwischen Vitamin E und Vitamin K

Eine wichtige gesundheitsschädliche Wirkung des Vitamin E resultiert aus der Wechselwirkung von Vitamin E mit Vitamin K im Stoffwechsel des Menschen. Die Interaktionen der beiden Vitamine sind noch nicht genau bekannt und deshalb Gegenstand der Forschung. Das Eingreifen von Vitamin E in den Stoffwechsel von Vitamin K kann zu Gerinnungsstörungen und damit verbundenen Blutungen führen. Derartige Effekte wurden bei Verabreichung hoher Dosen (im Gramm-Bereich) im Tierversuch beobachtet. In einer Untersuchung an gesunden Senioren, die 4 Monate 0, 40 bis etwa 540 mg Vitamin-E täglich eingenommen hatten, wurden dagegen keinerlei gesundheitlichen Beeinträchtigungen festgestellt. In dieser Studie wurde auch der Parameter „Gerinnung“ mit untersucht.

Vitamin E als Radikalfänger (Antioxidans)

Auf Grund der antioxidativen Eigenschaften von Vitamin E erhoffte man sich bei vielen Krankheiten Verbesserungen. Die Hoffnungen erfüllten sich jedoch nur bei einer Augenerkrankung, der altersabhängigen Netzhauterkrankung (Makuladegeration)
In der „Age-Related Eye Disease Study" (AREDS) wurde unter täglicher Nahrungsergänzung mit Vitamin C in Höhe von 500 mg, Vitamin E in Höhe von 400 Internationaler Einheiten (ca. 250-400 mg), Beta-Karotin in Höhe von 15 mg und Zink in Höhe von 80 mg festgestellt, dass das Fortschreiten der Krankheit unter Umständen verlangsamt werden kann. Im Studienzeitraum von durchschnittlich 6,5 Jahren war das Risiko der Verschlechterung der altersabhängigen Makuladegeneration signifikant erniedrigt. Aus diesem Grund wird heute bei Patienten mit dieser Erkrankung auch in der entsprechenden Medizinischen Leitlinie Nr. 21 „Altersabhängige Makuladegeration (AMD)“ eine zusätzliche Zufuhr von Vitamin E und Vitamin C als ergänzende Behandlung empfohlen.

Überdosierung von Vitamin E

Hinweise auf eine negative Wirkung durch hohe Aufnahmen von Vitaminen ergaben sich bei Betrachtung der Gesamtsterblichkeit an vielen verschiedenen Krebserkrankungen. Zu dieser Problematik wurden viele Untersuchungen durchgeführt, in denen die untersuchten Personen entweder eine hohe Vitamin E-Zufuhr über die Nahrung erhielten oder Vitamin E als Nahrungsergänzung zugeführt wurde. Häufig war Vitamin E nur ein Bestandteil einer Antioxidantienmischung aus Vitamin E, Vitamin C, Vitamin A und/oder Selen. Bei vielen verschiedenen Krebserkrankungen gab es Hinweise darauf , dass die Gesamtsterblichkeit erhöht sein könnte. Allerdings konnten neuere Analysen aus dem Jahr 2015 diesen Effekt nicht bestätigen.

Bei vielen untersuchten Erkrankungen gab es negative oder widersprüchliche Ergebnisse bei hoher Vitamin E-Zufuhr. Zu diesen Erkrankungen zählen beispielsweise

  • Diabetes mellitus Typ 2
  • chronische altersabhängige Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie z.B. Herzinfarkt
  • Erkrankungen des Gehirns wie z.B. Alzheimer-Erkrankung
  • Erkrankungen der Leber wie z.B. Leberzirrhose
    (Bei dieser Erkrankung erbrachten Studien kein einheitliches Ergebnis. Offen bleibt, ob die Vitamin E-Zufuhr das Krankheitsgeschehen positiv beeinflusst.)
  • Krebserkrankungen wie Lungen-, Magen- oder Leberkrebs.
    (Bei Leberkrebs erbrachte beispielsweise die Gabe von vitaminhaltigen Nahrungsergänzungmitteln keinen Hinweis auf einen positiven Einfluss auf die Sterblichkeit.)

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