Corona-Pandemie:
Das LGL und die LAGI informieren zur Impfung gegen COVID-19 und zu aktuellen STIKO-Impfempfehlungen als Schutz vor zusätzlichen Infektionen


Zur Jahreswende 2020/2021 wird in Deutschland voraussichtlich der erste Impfstoff gegen SARS-CoV-2 und der dadurch ausgelösten Erkrankung COVID-19 zugelassen. Schon kurz nach der Zulassung kann dann mit den ersten Impfungen begonnen werden. Weltweit werden zudem noch mehrere weitere Impfstoff-Kandidaten in Phase 3-Studien erprobt, um ausreichende Wirksamkeits- und Sicherheitsdaten zu erhalten, die Voraussetzung für eine Zulassung in Deutschland und der EU sind. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency) hatte Mitte November bereits mit zwei Bewertungsverfahren für COVID-19-Impfstoffe begonnen. Eine Impfempfehlung durch die Ständige Impfkommission (STIKO) wurde erstmals am 17.12.2020 veröffentlicht und wird zukünftig immer wieder den neusten wissenschaftlichen Ergänzungen angepasst werden..

Wie jede Impfung wird es auch bei einer Impfung gegenSARS-CoV-2 nötig sein, Nutzen und Risiken abzuwägen. Diese Abwägung fällt möglicherweise für die einzelnen Impfstoffe unterschiedlich aus. Eine Impfstrategie sollte zudem auch unter ethischen Aspekten bewertet werden. Zu der Frage, welche Gruppen bei einer möglichen Impfung zuerst geimpft werden sollten (Priorisierungsentscheidung), veröffentlichte eine gemeinsame Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der STIKO, des Deutschen Ethikrates und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina am 9.11.2020 zunächst das gemeinsame Positionspapier "Wie soll der Zugang zu einem COVID-19-Impfstoff geregelt werden?". Das Papier basiert auf dem zu diesem Zeitpunkt vorliegenden wissenschaftlichen Kenntnisstand zu COVID-19 sowie möglichen geeigneten Impfstoffen und bildet die Grundlage für die im Dezember 2020 veröffentlichte STIKO-Impfempfehlung.

Nähere Informationen zum Stand der Impfung gegen COVID-19:

Ein umfassender Impfschutz gemäß den aktuellen STIKO-Empfehlungen trägt während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie zur Entlastung des Gesundheitssystems und zu einem guten allgemeinen Gesundheitszustand der Bevölkerung bei.

Ein vollständiger Impfschutz schützt zwar nicht vor COVID-19 selbst, minimiert aber die Gefahr von Doppelinfektionen. Darüber hinaus schützen Impfungen den Einzelnen vor impfpräventablen Erkrankungen und entlasten das Gesundheitssystem. Gerade schwere respiratorische Erkrankungen, ausgelöst von anderen Krankheitserregern, sollten vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie unbedingt vermieden werden.

Auch Grundimmunisierungen im Säuglingsalter mit dem 6-fach-Impfstoff und dem Pneumokokken-Impfstoff sowie die erste Impfung gegen Mumps-Masern-Röteln und ggf. Varizellen MMR(V) sollten unter diesem Aspekt weiterhin mit hoher Priorität durchgeführt werden.

Um eine Infektion mit dem neuen Coronavirus zu verhindern, ist es derzeit wichtig, soziale Kontakte soweit möglich zu vermeiden. Daher gilt:

  • Stimmen Sie den geeigneten Zeitpunkt und die Auswahl von ggf. noch fehlenden Impfungen vorab telefonisch mit dem behandelnden Arzt ab, damit es während des Praxisbesuchs nicht zu einer Übertragung von SARS-CoV-2 kommen kann!
  • Zudem muss bereits bei der Terminvereinbarung organisiert werden, dass Impfstoffe für die geplanten Impfungen verfügbar sind. Aufgrund der aktuell hohen Nachfrage besteht derzeit eine eingeschränkte Lieferbarkeit von bestimmten Pneumokokkenimpfstoffen.

Die ausführliche Darstellung mit wichtigen Hinweisen, die bei der Umsetzung der bestehenden STIKO-Empfehlungen berücksichtigt werden sollten, finden Sie in der FAQ-Liste des RKI zu COVD-19 und Impfen unter dem Punkt „Sollten andere Impfungen während der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie durchgeführt werden?“

Aktuell ist ein vollständiger Impfschutz insbesondere für Risikopersonen wie Senioren und Personen mit bestimmten Vorerkrankungen wichtig

Da gerade ältere Personen über 60 Jahren bzw. Personen mit schweren Vorerkrankungen in der aktuellen Coronavirus-Pandemie das Risiko für einen schweren Verlauf haben, steht der für diese Personengruppe empfohlene Impfschutz im Fokus. Ebenso wie das RKI empfiehlt die LAGI, den Impfpass auf einen vollständigen Impfschutz zu prüfen und fehlende Impfungen nachzuholen.

Folgende Impfempfehlungen gelten für Senioren und Risikopersonen:

Pneumokokken-Impfung

(Eingeschränkte Lieferbarkeit von Pneumovax® 23)

Die Impfung gegen Pneumokokken (Lungenentzündung) schützt vor durch Pneumokokken ausgelösten Lungenentzündungen, die das Immunsystem und die Lunge belasten und schwächen und so auch weitere Infektionen, wie beispielsweise mit dem neuen Coronavirus SARS-CoV-2), begünstigen. Zudem kann eine Pneumokokken-Erkrankung eine Versorgung der Patienten in einem Krankenhaus oder auf einer Intensivstation erforderlich machen.

Derzeit ist der Pneumokokken-Impfstoff Pneumovax® 23 leider bis auf Weiteres nur eingeschränkt lieferbar. Grund hierfür ist die sprunghaft gestiegene Nachfrage nach Pneumokokken-Impfstoffen im Zusammenhang mit COVID-19. Daher empfiehlt die STIKO zum aktuellen Zeitpunkt die Anwendung von Pneumovax® 23 bevorzugt für Personen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, für Senioren ab dem Alter von 70 Jahren sowie für Personen mit chronischen Erkrankungen des Herzens oder der Atmungsorgane (z.B. Asthma oder COPD). Aktuelle Informationen zu Lieferengpässen von Impfstoffen finden Sie auf dem Internetauftritt des Paul-Ehrlich-Institutes (PEI).

Nähere Informationen zu den aktuellen Pneumokokken-Impfempfehlungen:

Grippe-Impfung

Die Impfung gegen Grippe (Influenza) schützt vor schwer verlaufenden Grippe-Infektionen wie z.B. einer Lungenentzündung, welche eine Versorgung der Patienten in einem Krankenhaus oder auf einer Intensivstation erforderlich machen. Die jährliche Impfung ist die wichtigste Präventionsmaßnahme gegen Influenza überhaupt und kann somit auch das Risiko für eine möglicherweise besonders schwer verlaufende Doppelinfektion mit dem Coronavirus reduzieren und damit auch die Wahrscheinlichkeit einer stationären Intensivbehandlung senken.

Angesichts der aktuellen Corona-Pandemie setzte sich daher die LAGI verstärkt für eine ausreichende Grippeimpfstoff-Bevorratung in der Saison 2020/21 ein.

Die Kassenärzte haben in Bayern mind. 1,5 Millionen Impfdosen (Menge der Vorsaisons) bestellt. In diesem Jahr waren sie von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) angehalten, bei ihren Bestellungen einen weiteren gewissen Puffer einzuplanen, weil mit einer erhöhten Nachfrage zu rechnen war.

Zudem hat die bayerische Staatsregierung aufgrund eines Ministerratsbeschlusses vom 23.06.2020 ca. 550.000 Impfdosen gegen die saisonale Influenza zur subsidiären Verimpfung durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst bestellt. Damit könnten rund ein Drittel mehr Impfungen erfolgen, als in den vergangenen Jahren durchschnittlich nachgefragt worden sind.

Deutschlandweit hat das für die Zulassung von Impfstoffen zuständige Paul Ehrlich-Institut (PEI) für diese Saison 2020/2021 bereits mehr Grippeimpfstoffdosen freigegeben als in den Vorsaisons. Für die aktuelle Saison 2020/2021 werden wahrscheinlich insgesamt rund 26 Millionen Impfstoffe für ganz Deutschland zur Verfügung stehen, einschließlich der 6 Millionen Dosen Influenza-Impfstoffe, die das Bundesministerium für Gesundheit zusätzlich für die Versorgung in Deutschland beschaffen konnte.

Gemäß RKI hat die jährliche Influenzawelle in Deutschland in den vergangenen Jahren meist nach der Jahreswende begonnen. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig aufgebaut ist. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich im Oktober oder November impfen zu lassen. Auch danach oder selbst zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle ist es zumeist noch sinnvoll, die Impfung durchzuführen.

Darüber hinaus können die aktuellen Hygiene- und Schutzmaßnahmen wie Abstand halten, Kontakte einschränken, Mund-Nasen-Bedenkung tragen und regelmäßiges gründliches Händewaschen auch die Übertragung anderer respiratorischer Erkrankungen, wie der Grippe, erschweren.

Das PEI bittet Verbraucherinnen und Verbraucher, Ärztinnen und Ärzte sowie Apothekerinnen und Apotheker um eine Online-Meldung unter www.pei.de/lieferengpaesse-verbrauchermeldung, wenn sie einen Grippe-Impfstoff nicht beziehen können und einen Engpass vermuten. Auf Basis dieser Meldungen beurteilt das Institut die regionale Versorgungslage, informiert die für die Versorgung Zuständigen und regt Maßnahmen zur Abhilfe an.

Keuchhusten (Pertussis)-Impfung

Alle Erwachsenen sollten zumindest einmalig gegen Keuchhusten (Pertussis) geimpft sein. Bei fehlender Pertussis-Impfung sollte diese bei der nächsten fälligen Impfung gegen Tetanus/Diphtherie als Kombinationsimpfung verabreicht werden, da derzeit kein Einzelimpfstoff verfügbar ist. Zudem sind weitere Pertussis-Impfungen im Abstand von 10 Jahren für bestimmte Personengruppen empfohlen, so z.B. für Senioren mit möglichem Kontakt zu Neugeborenen und Säuglingen (wie z.B. Großeltern), für Frauen im gebärfähigen Alter sowie für Beschäftigte in Gesundheits- und Gemeinschaftseinrichtungen.

Durch die Impfung von Erwachsenen gegen Pertussis werden Keuchhustenerkrankungen bei den geimpften Personen selbst verhindert, welche eine große Belastung der Atmungsorgane darstellen. Zudem bietet sie indirekt Schutz vor Ansteckung auch für andere Personen, insbesondere für vulnerable Säuglinge und Menschen mit Immundefizienz.

Hinweis zum Überblick über STIKO-Empfehlungen und die aktuelle COVID-19 Situation:

Eine gute und stets aktuelle Übersicht über die Impfempfehlungen der STIKO sind auf der neuen App der STIKO verfügbar, welche zudem auch tagesaktuell über die COVID-19 Situation informiert.