Neuartiges Coronavirus SARS-CoV-2 (COVID-19)

Hintergrund

Am 31.12.2019 berichtete die städtische Gesundheitskommission von Wuhan (WMHC) erstmals über einen Ausbruch von Pneumonien in der chinesischen Metropole Wuhan (11 Millionen Einwohner), Provinz Hubei in China. Der Ausgangspunkt des Ausbruchsmit einem neuartigen Coronavirus scheint ein am 01.01.2020 geschlossener Fischmarkt in Wuhan zu sein, wo außer Fischen auch andere Tiere wie Geflügel, Fledermäuse und Wildtiere verkauft wurden.

Erreger

Als Auslöser dieser neuen, von der WHO mittlerweile als COVID-19 (coronavirus disease 2019) benannten Erkrankung wurde am 07.01.2020 das neuartige Coronavirus 2019-nCoV identifiziert. Das Virus gehört wie MERS-CoV und SARS-CoV zu den β-Coronaviren. Aufgrund seiner engen genetischen Verwandtschaft mit dem SARS-Erreger wird 2019-nCoV mittlerweile offiziell als SARS-CoV-2 bezeichnet. β-Coronaviren verursachen zoonotische Infektionen, d. h. die Viren überschreiten eine Speziesbarriere, werden also von Tieren auf Menschen übertragen und können beim Menschen auch schwer verlaufende Infektionen, meist der Atemwege, auslösen. In Einzelfällen, insbesondere bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen, kann es zu Todesfällen kommen. Der überwiegende Teil aller PCR-19-Todesfälle wird bisher aus China berichtet. In Zusammenhang mit der ursprünglichen Häufung von Pneumonien bei Aufenthalt bzw. Tätigkeit auf dem Fischmarkt in Wuhan werden Mensch-Tier-Kontakte als mögliche Quelle für das SARS-CoV-2 angenommen, wobei die genaue Quelle noch ungeklärt ist.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 wurde vom Ausschuss für Biologische Arbeitsstoffe (ABAS) vorläufig in Risikogruppe 3 eingruppiert.

Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 ist von Mensch-zu-Mensch übertragbar. Der Großteil der erkrankten Fälle wird nach wie vor aus der Stadt Wuhan und der Provinz Hubei berichtet, dennoch hat sich das Virus mittlerweile auf ganz China ausgebreitet. Darüber hinaus sind PCR-19- Fälle auch außerhalb Chinas in mehreren Ländern einschließlich Deutschland aufgetreten.

Aktuelle Risikogebiete veröffentlicht das RKI, aktuelle Fallzahlen die WHO.

Erste Fälle in Deutschland (und Bayern)

Mittlerweile ist auch Deutschland betroffen. Bei 14 Patienten in Bayern wurde eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV (SARS-CoV-2) bestätigt. Neun Patienten sind Arbeitskollegen, die bei einer Firma im Landkreis Starnberg beschäftigt sind, fünf Fälle sind nahe, im selben Haushalt lebende Familienangehörige dieser Patienten. Die Infektion erfolgte durch eine chinesische Kollegin aus Shanghai im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung. Die chinesische Kollegin hatte sich ihrerseits vor ihrer Reise nach Bayern mutmaßlich bei ihren Eltern angesteckt, die aus der Stadt Wuhan stammen. Auch diese Infektkette ist also auf die Stadt Wuhan zurückzuführen. Patienten, die positiv auf das Virus getestet werden, werden in einem Krankenhaus medizinisch überwacht und bleiben bis zum Abklingen der klinischen Symptome und ihrer Kontagiosität isoliert. Die engen Kontaktpersonen werden ausführlich aufgeklärt und über mögliche Symptome, Hygienemaßnahmen und Übertragungswege informiert. Sie bleiben vorsichtshalber für 14 Tage in häuslicher Isolierung und werden auf eine Infektion mit 2019-nCoV (SARS-CoV-2) getestet.

In Zusammenhang mit dem Coronavirus-Ausbruch bei der Firma im Landkreis Starnberg wurde außerdem in Spanien eine Kontaktperson eines infizierten Mitarbeiters positiv auf das neuartige Coronavirus getestetZwei weitere positive Fälle in Deutschland wurden im Rahmen der Rückholaktion der Bundesregierung bei Rückkehrern aus Wuhan ermittelt.

Symptome

Die Inkubationszeitvon COVID-19 wird gegenwärtig mit bis zu 14 Tagen angegeben. Die klinischen Symptome einer Infektion mit SARS-CoV-2 umfassen nach derzeitigem Stand schnupfenartige Symptome wie Fieber, Husten, Rachenentzündung, eine laufende Nase, Atembeschwerden und Kurzatmigkeit. Schwerere Erkrankungen verlaufen als Pneumonie und können zu akutem Lungenversagen (acute respiratory distress syndrome, ARDS) führen. In Einzelfällen, insbesondere bei älteren Patienten mit Vorerkrankungen, kann es zu Todesfällen kommen. Tödliche Verläufe haben sich bisher überwiegend in China ereignet.

Eine spezifische Therapie oder ein Impfstoff existieren nicht. Die Therapie erfolgt somit abhängig von der Schwere der Erkrankung symptomatisch.

Nachweis

Eine Labordiagnostik ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt nur für Personen sinnvoll, die die Falldefinitionen des RKI für einen begründeten Verdachtsfall erfüllen. Die Diagnostik ist am LGL etabliert und erfolgt nur auf Veranlassung des Gesundheitsamts.

Das humanvirologische Labor des LGL war eines der ersten Public Health Mikrobiologie-Laboratorien in Deutschland, das die PCR-Untersuchung auf das neuartige Coronavirus 2019-nCoV SARS-CoV-2) nach dem Protokoll des Konsiliarlabors für Coronaviren an der Charité Berlin etabliert hat. Seit Bekanntwerden des ersten deutschen COVID-2019 Falles hat das LGL bereits mehr als 700 Proben von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen auf dieses Virus untersucht und dabei 7 der bislang 14 bayerischen Fälle erstdiagnostiziert.

Begründete Verdachtsfälle, die labordiagnostisch abgeklärt werden müssen, sind:

  1. Personen mit akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere oder unspezifischen Allgemeinsymptomen
    UND Kontakt mit einem bestätigten Fall mit SARS-CoV-2 bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn
  2. Personen mit akuten respiratorischen Symptomen jeder Schwere
    UND Aufenthalt in einem Risikogebiet bis max. 14 Tage vor Erkrankungsbeginn

Als Probenmaterial aus den tiefen Atemwegen eignen sich:

  • Bronchoalveoläre Lavage
  • Sputum (nach Anweisung produziert bzw. induziert)
  • Trachealsekret

Als Probenmaterial aus den oberen Atemwegen eignen sich:

  • Nasopharynx-Abstrich, -Spülung oder -Aspirat
  • Oropharynx-Abstrich

Idealerweise werden Proben aus den oberen und tiefen Atemwegen gewonnen.
Werden Oro- und Nasopharynx abgestrichen, sollten die Tupfer in einem Medium-Röhrchen vereinigt werden, um die Nachweiswahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Bei Abstrichen ist zu beachten, dass für den Virusnachweis geeignete Tupfer verwendet werden ("Virustupfer" mit flüssigem Transportmedium verwenden - keine Bakterientupfer mit agarhaltigen Transportmedien).

Alle Proben sollten das Labor schnellstmöglich nach Entnahme erreichen. Erfolgt dies voraussichtlich innerhalb von 72 Stunden, kann die Probe bei 4°C gelagert und wenn möglich gekühlt versendet werden.

Ein negatives PCR-Ergebnis schließt die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht vollständig aus. Falsch-negative Ergebnisse können z. B. aufgrund schlechter Probenqualität, unsachgemäßem Transport oder ungünstigem Zeitpunkt (bezogen auf den Krankheitsverlauf) der Probenentnahme nicht ausgeschlossen werden. Wenn ein Patient mit begründetem Verdacht auf SARS-CoV-2-Infektion in der initialen PCR negativ getestet wird, sollte mit dem Labor eine erneute Probenentnahme und -untersuchung abgesprochen werden. Die alleinige Testung von Probenmaterial aus dem Oro- und Nasopharynx ist zum Ausschluss einer Infektion nicht geeignet. Je nach Phase der Erkrankung kann ggf. nur Material aus dem unteren Respirationstrakt oder Stuhl in der PCR positiv sein.

Es wird empfohlen, Serumproben abzunehmen und zu asservieren, bis ein serologischer Nachweis zur Verfügung steht.

Erklärung einer Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite

Die WHO hat am 30.01.2020 das Ausbruchsgeschehen mit dem neuen Coronavirus 2019-SARS-CoV-2) zu einer sogenannten Gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite (GNIT) erklärt. Dies versetzt die WHO in die Lage, Empfehlungen zur Seuchenbekämpfung auszusprechen. Für Deutschland hat dies keine direkten Auswirkungen.

Reisen nach China und in die Provinz Hubei

Das Auswärtige Amt warnt gegenwärtig vor Reisen in die Provinz Hubei und rät dazu, nicht notwendige Reisen in das übrige Staatsgebiet der Volksrepublik China mit Ausnahme der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao bis auf weiteres zu verschieben (nähere Informationen finden Sie hier).

Risikobewertung für Bayern

Das Risiko für die Bevölkerung in Bayern, sich mit dem neuartigen Coronavirus zu infizieren, wird von der Task Force Infektiologie des LGL und vom Robert Koch-Institut (RKI) nach wie vor als gering erachtet. Ein Import einzelner Fälle nach Deutschland oder einzelne Übertragungen innerhalb Deutschlands sind aber prinzipiell möglich.

Meldepflicht nach Infektionsschutzgesetz (IfSG)

Mit einer seit 01.02.2020 geltenden Verordnung (CorViMV) werden Verdacht bzw. Erkrankung oder Tod in Bezug auf eine Infektion mit 2019-nCoV (SARS-CoV-2) meldepflichtig nach § 6 Abs. 1 Satz 1 Nummer 1 des IfSG. Die Erkrankung ist auch dann zu melden, wenn der Verdacht bereits gemeldet wurde. Ebenso ist zu melden, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt hat.
Der direkte oder indirekte Nachweis von 2019-nCoV (SARS-CoV-2) ist nach § 7 Absatz 1 Satz 1 IfSG meldepflichtig.

Prävention durch die Behörden

Die bayerischen Gesundheitsbehörden beobachten die Entwicklung sehr genau. Sie stehen dabei in engem Kontakt mit dem Bund und den anderen Bundesländern. Koordiniert wird die Beobachtung der Lage in Deutschland durch das Robert Koch-Institut (RKI).

Vorsorglich wurden alle bayerischen Gesundheitsämter über das aktuelle Geschehen informiert und gebeten, auch die Ärzteschaft in den Kreisen, Städten und Gemeinden zu informieren.

Sowohl die WHO, die ECDC und das RKI als auch die für internationale Flughäfen zuständigen Landesgesundheitsbehörden in Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und deren örtlich zuständige Gesundheitsbehörden arbeiten sehr eng zusammen. Sie stufen das Risiko für Reisende derzeit als gering ein (vgl. die Risikoeinschätzung des RKI).

Direktflüge nach Wuhan oder aus Wuhan von oder nach Bayern bestehen nicht. Dennoch sind die bayerischen Gesundheitsbehörden und Flughäfen für den unwahrscheinlichen Fall des Auftretens einer solchen Erkrankung im Flugreiseverkehr gut vorbereitet: Es existieren bewährte Alarmpläne, die im Ernstfall Anwendung finden. Genau geregelt ist zum Beispiel der Ablauf der Meldewege im Krankheitsverdachtsfall, die schnelle Betreuung von Patienten an Bord durch Ärzte und die Ermittlung von Kontaktpersonen.

In Bayern existiert eine 24-Stunden-/7-Tage-Rufbereitschaft der „Task Force Infektiologie Flughafen“ des LGL. Diese ist jederzeit einsatzbereit und mit eigenen Räumen am Flughafen München vertreten.


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