Erhebungen zur Struktur- und Prozessqualität in Einrichtungen für ambulantes Operieren

In 35 Einrichtungen für ambulantes Operieren fanden systematische Erhebungen zur Struktur- und Prozessqualität entsprechend einer für diese Belange ausgearbeiteten Checkliste statt.
Dabei konzentrierten sich die Erhebungen auf Einrichtungen in urbanen Regionen wie dem Großraum München und Nürnberg mit der bekanntermaßen größten Praxisdichte und disziplinären Vielfalt. Repräsentativ wurden damit auch Regionen des Süd- und Nordbayerischen Raumes erfasst.
In die Erfassung einbezogen waren gleichermaßen Praxisbetriebe, Praxiskliniken (gemäß Definition Bayer.LÄK) und sog. Kleinstkliniken mit Zulassung nach § 30 GewO, in denen die Durchführung ambulanter operativer Eingriffe nach § 115 SGB V erfolgt.

Erkenntnisse zu strukturellen Gegebenheiten

Die in Kooperation mit den jeweils zuständigen Gesundheitsbehörden und unter OP-Betriebsbedingungen durchgeführten Bestandsaufnahmen belegen für konzessionierte Einrichtungen (Zulassung nach § 30 GewO) mit der Möglichkeit der stationären Aufnahme von Patienten (i.d.R. 1-2 Betten-Klinik) eine Strukturqualität, die nahe am Standard öffentlich geförderter Klinik orientiert ist. Das heißt, die OP-Einheit verfügt über die erforderlichen Funktionsräume und akzeptable Flächenvorgaben sowie in Abhängigkeit von den infektionshygienischen Anforderungen an die operativen Eingriffe, z. B. orthopädisch-chirurgisch, über hochwertige Belüftungssysteme mit Verdrängungscharakteristik zur raumlufttechnischen Behandlung der OP-Räume.

Dies ist als direkte Folge der Nachhaltigkeit der hygienischen Intervention der Gesundheitsbehörden bei Planung und Bau von Konzessionsobjekten zu sehen, die sich neben den Empfehlungen der RKI-Richtlinie zum ambulanten Operieren auf präziser gefasste Anforderungskriterien zu baulich-funktionellen Standards in einer aus Vertretern von Regierung, Gesundheitsämter und LGL erarbeiteten Leitlinie beziehen können. Damit besteht für die stetig wachsende Zahl von Einrichtungen für ambulantes Operieren ein Planungsregulativ, das die Anforderungskriterien der RKI-Empfehlung ( Anlage zu Ziffer 5.1 u. 4.3.3) enger fasst und Handlungsspielräume bei deren Auslegung aus hygienischer Sicht weitgehend einschränkt.

Eine eindeutig positive Entwicklung ist auch im Sog struktureller Optimierung bei konzessionierten Objekten auf dem Sektor Praxis oder Praxisklinik für ambulantes Operieren festzustellen. Obwohl in diesem Segment der Drang nach Einsparungspotentialen besonders ausgeprägt ist, was sich gelegentlich in einer unangemessenen Zurückhaltung bei Investitionen in der strukturellen und hygiene-technischen Ausrichtung der Praxis manifestiert, so lässt sich doch infolge behördlicher Steuerung, auch ohne das Druckmittel der zur Disposition stehenden Konzessionierung, meist eine adäquate Raum- und Funktionsgestaltung verzeichnen.
Nur in Einzelfällen sind eklatante Defizite erkennbar, was zumeist auf Einrichtungen beschränkt ist, deren Inbetriebnahme zu einem Zeitpunkt erfolgte, als die Überwachungskompetenzen der Gesundheitsbehörden im niedergelassenen Bereich noch nicht so stringent wie jetzt durch das IfSG geregelt waren.

Positiver Effekt eines qualifizierten Hygienemanagements

Erhebungen zur Prozessqualität, die sowohl die innerbetrieblichen Verfahrensweisen gemäß Hygiene- und Desinfektionsplänen als auch die Wahrnehmung der personellen Hygienemaßnahmen umfassten, belegen eine große Disparität des Hygienemanagements in den genannten Einrichtungen. Zusammenhänge zwischen günstigen strukturellen Bedingungen und hygienegerechten Betriebsabläufen und Personalverhalten sind deutlich erkennbar.
Die vertragliche Vereinbarung über regelhafte externe Hygieneberatung und Kontrolle durch qualifiziertes Fachpersonal( KH-Hygieniker, Hygienefachkraft), wie sie zunehmend von Klinikbetreibern eingegangen wird, wirkt sich maßgeblich auf die notwendige Umsetzung normativer Regeln (DIN-Normen) und evidenzbasierter Empfehlungen (RKI-RL) aus. Beispielhaft sind Fälle zu nennen, die bereits einen hohen Standard in der Aufbereitung von Medizinprodukten mit Verfahrensvalidierung und dem erforderlichen Kenntnisstand des Personals aufbieten können.

Andererseits befinden sich mitunter ambulante OP-Praxen in technisch-funktioneller Hinsicht, und deren Betreiber in ihrem Verständnis zur Sicherstellung eines einwandfreien hygienischen Betriebes am Rande dessen, was aus derzeitigem Erkenntnisstand vertretbar ist.
Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang mangelnde Kontrollen der Sterilisationssicherheit, obsolete Medizinprodukte, fehlerhafter Einsatz von Desinfektionsmitteln bei Instrumenten- und Flächenbehandlung trotz festgelegter Verfahrensanweisungen in Desinfektionsplänen, keine hygienegerechte Vorhaltung von Medizinprodukten und Gebrauchsgüter, die in den OP-Betrieb einfließen sowie lückenhafter bis unzureichender Kenntnisstand beim Personal über hygienische Verfahrensweisen.

Harmonisierung der hygienischen Ausgangssituation

Die standardisierte Erfassung der Struktur- und Prozessqualität, in deren Zuge auch hygienisch-mikrobiologische Kontrollen der perioperativen Rahmenbedingungen erfolgten, ermöglichte eine detaillierte Bestandsaufnahme und Schwachstellenanalyse. Sie dient als Grundlage zur Durchsetzung der für die Einhaltung der Infektionshygiene notwendigen Standards und Qualitätsmerkmale und soll dazu beitragen, dass ambulantes Operieren in allen Einrichtungen zunehmend unter gleichwertigen hygienischen Ausgangsbedingungen stattfindet.

Mehr zu diesem Thema

Allgemeine Informationen zum Thema