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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Organisatorische Umsetzung in der Implementationsphase

Arbeits- und Organisationsformen der Gesundheitsregionenplus – Wie geht man vor?

Einrichtung einer Geschäftsstelle

Die Einrichtung einer Geschäftsstelle als Koordinations- und Anlaufstelle und „Motor“ der Gesundheitsregionplus stellt einen wichtigen Beitrag zu deren nachhaltigen Implementierung dar. Die Anbindung ist abhängig von den Strukturen vor Ort. Eine entscheidende Aufgabe der Geschäftsstelle ist die Informationsvermittlung. Die Qualität der Diskussionen und Prozesse der Entscheidungsfindungen hängen in der Gesundheitsregionplus wesentlich davon ab, wie gut die Teilnehmer über den Sachstand informiert und einbezogen werden.

Hinweis:

Es hat sich bewährt, die Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus an den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) anzubinden, weil der ÖGD als neutraler und fachkompetenter Partner im Gesundheitswesen wahrgenommen wird.

Steuerungsgruppe / Vorbereitender Ausschuss

Es empfiehlt sich, eine kleine Steuerungsgruppe oder einen vorbereitenden Ausschuss für den Aufbau der Gesundheitsregionplus zu bilden. Neben der Geschäftsstellenleitung könnten hier Mitglieder des Gesundheitsamtes/Landratsamtes beteiligt sein, da diese die vorhandenen Strukturen und Akteure der Region sehr gut kennen.

Ansprache der Akteure

Die Auswahl der Akteure, die an der Gesundheitsregionplus teilnehmen, ist eine sensible, aber sehr wichtige Entscheidung. Es sollten alle Vertreterinnen und Vertreter der Einrichtungen zusammenkommen, die vor Ort bei der gesundheitlichen Versorgung eine wesentliche Rolle spielen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, Vorgespräche mit möglichen Akteuren zu führen, um das Vorhaben zu erklären und die Teilnahmebereitschaft abzufragen. In den geführten Erstgesprächen ergeben sich meist Vorschläge für weitere wichtige Teilnehmer.

Hinweis:

  • Um ein handlungsfähiges Arbeitsgremium zu schaffen, sollte das Gesundheitsforum nicht zu groß werden. Insgesamt hat sich eine Obergrenze von 20-30 Mitgliedern im Sinne der Handlungsfähigkeit bewährt.
  • Für den Erfolg ist eine aktive Mitarbeit der Teilnehmer erforderlich.
  • Je nach Regionalbezug und Möglichkeiten kann zwischen ständigen und assoziierten Mitgliedern, die themenbezogen am Gesundheitsforum zeitweilig teilnehmen, unterschieden werden.

Wichtig:

Folgende Aspekte bzgl. der Akteure haben sich bewährt:

  • Förderung der Zusammenarbeit durch festen Mitgliederkreis
  • Variable Teilnehmerzahl je nach Projekt
  • Förderung der Kommunikation durch begrenzte Teilnehmerzahl
  • Entwicklung und Realisierung komplexer Vertretungsregelungen für die jeweiligen Organisationen eines Aufgabenbereichs zur Reduzierung der Teilnehmerzahl
  • Entscheidungsbefugnis der Mitglieder für ihre jeweilige Organisation
  • Informationspflicht der Mitglieder gegenüber ihrer Organisation

Arbeitsgruppen

Für die Bearbeitung komplexer Problemlagen werden Arbeitsgruppen eingesetzt, denen die für den jeweiligen Themenbereich zuständigen Akteure und Experten angehören. In diesen Arbeitsgruppen werden konkrete Probleme diskutiert und Lösungsvorschläge entwickelt, die wiederum in die Gesundheitsregionplus eingebracht werden, d.h. Arbeitsgruppen haben entscheidungsvorbereitende Funktion. In einer Arbeitsgruppe gibt es folgende Aufgaben:

  • Berichterstattung und Vertretung nach außen
  • Vorbereitung von Arbeitsgruppentreffen
  • Moderation von Arbeitsgruppentreffen
  • Planung und Kontrolle
  • Dokumentation (Diskussions- und Ergebnisprotokolle)

Als weitere Arbeitsformen kommen beispielsweise Kooperationsprojekte, Fachveranstaltungen und Gesundheitstage in Betracht.

Geschäftsordnung

Transparenz und eindeutige Verfahrensregeln werden durch eine Geschäftsordnung geschaffen. Folgende Aspekte können in der Geschäftsordnung Berücksichtigung finden:

  • Ziele und Aufgaben der Gesundheitsregionplus
  • Vorsitz und Geschäftsführung
  • Aufgaben und Ausstattung der Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus
  • Bildung, Zusammensetzung und Aufgaben von Arbeitsgruppen
  • Konferenzhäufigkeit und Teilnahme
  • Konferenzleitung, Konferenzablauf, inhaltliche Strukturierung
  • Mitglieder, Mitgliedschaft
  • Einladung zu den Konferenzen
  • Tagesordnung und Protokollführung
  • Bekanntmachung und Öffentlichkeitsarbeit
  • Öffentlichkeit der Beratung und Beteiligung von Bürgern
  • Niederschrift und Veröffentlichung
  • Abstimmungsverfahren und Modalitäten der Beschlussfassung hinsichtlich der Handlungsempfehlungen und der zu bearbeitenden Themen

Eine „Mustergeschäftsordnung“ kann im Bedarfsfall beim LGL angefordert werden.

Wichtig:

Folgende Aspekte sollten hinsichtlich der Organisation der Gesundheitsregionplus Berücksichtigung finden:

  • 2-3 Konferenzen in der Implementierungsphase: 1. Konferenz: Konstituierung, 2. / 3. Konferenz: Bestandsaufnahme und Maßnahmenentwicklung
  • Danach mindestens 1 Konferenz jährlich
  • Moderation der Konferenzen durch Vorsitzenden/ ersatzweise Geschäftsstellenleiter
  • Optimaler Informationsaustausch als zentrale Aufgabe der Geschäftsstelle
  • Schaffung von Öffentlichkeit (eigene Homepage, Pressemitteilungen, Flyer)
  • Der Regionalbezug sollte in der Namensgebung der Gesundheitsregionplus erkennbar sein

Bedarfsermittlung und Themenschwerpunkte

Die Bandbreite möglicher Schwerpunktthemen einer Gesundheitsregionplus ist vielfältig und reicht von allgemeinen Gesundheitsversorgungsthemen bis zu speziellen Zielgruppenproblematiken. Die Auswahl von Schwerpunkten sollte in der Gesundheitsregionplus von allen Mitgliedern gemeinsam und in Abhängigkeit von den jeweiligen regionalen Problemkonstellationen getroffen werden. Mögliche Themen, die von Bedeutung sein können, sind dem Fachkonzept zu entnehmen und entsprechend der Bedarfe der Region zu wählen.

Wichtig:

Folgende Aspekte sollten in diesem Zusammenhang beachtet werden:

  • Die Themenwahl erfolgt nach Bedarf
  • Verantwortliche Instanzen sollten bei der Themenwahl einbezogen werden
  • Nach Festlegung der Themen können weitere, spezifische Bedarfsermittlungen durch die Arbeitsgruppen notwendig sein
  • Bei großem Informationsbedarf bzgl. eines Themas könnte auch ein Gesundheitsbericht erstellt oder initiiert werden

Beispiele:

Die Bedarfsermittlung kann auf verschiedene Art und Weise parallel erfolgen:

  • Befragung der Konferenzteilnehmer mit Delphi Methode (1. Runde: Welche Themen sind prioritär, 2. Runde: Gemeinsames Ranking der Themen) und Diskussion der Ergebnisse im Gesundheitsforum
  • Datenanalysen: bspw. Gesundheitsatlas Bayern des LGL, Daten der KVB
  • Schriftliche Befragung aller Bürgermeister in den Gemeinden zur ärztlichen Versorgungssituation
  • Schriftliche Befragung aller Pflegeeinrichtungen zum Überleitungsmanagement

Handlungszyklus – Wie können die Themen bearbeitet werden?

Eine Gesundheitsregionplus bietet eine Kooperationsstruktur, um größere Verantwortung für die Planung und Gestaltung des Gesundheitswesens vor Ort wahrzunehmen. Der Handlungszyklus einer Gesundheitsregionplus und der einzelnen Arbeitsgruppen kann angelehnt an den Public-Health-Action-Cycle gestaltet werden. Er beginnt mit der Identifizierung von regionalen Gesundheitsproblemen im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung und der Analyse der regionalen Gesundheitsversorgung (1: Problembestimmung). Es folgt die Entwicklung von Gesundheitszielen und die Formulierung von Umsetzungsstrategien (2: Strategieformulierung). Daran schließt sich die Durchführung von Maßnahmen und Projekten an (3: Umsetzung). Wichtig hierbei sind immer die Ergebnisse der Evaluation oder des Monitorings, die wieder in die darauffolgende Problembestimmung einfließen (4: Bewertung).
Die folgende Tabelle zeigt die vier Phasen des Public-Health-Action-Cycle, deren jeweiliger Inhalt und die entsprechende Leitfrage.

Tabelle 1: Public Health Action Cycle/Gesundheitspolitischer Aktionszyklus
Phase Phase Leitfrage
1: Problembestimmung Definition und Bestimmung des zu bearbeitenden Problems Was ist der Problembestand (Gefährdungen und Erkrankungen), der mit Gesundheitspolitik angegangen werden kann und soll?
2: Strategieformulierung Konzipierung und Festlegung einer zur Problembearbeitung geeignet erscheinenden Strategie bzw. Maßnahme Welche Ziele werden formuliert? Mit welchen Akteuren und Instrumenten sollen sie erreicht werden?
3: Umsetzung Durchführung der definierten Aktionen Wie kann die Anwendung der Interventionsinstrumente sichergestellt werden?
4: Bewertung Abschätzung der erzielten Wirkungen Welche gesundheitlichen und anderen Wirkungen von Gesundheitspolitik lassen sich feststellen?

Ergebnisformen – Welche Ergebnisse kann eine Gesundheitsregionplus haben?

Je nach Art des behandelten Problems und der Arbeitszusammenhänge gibt es ein breites Spektrum von Ergebnisformen in der Gesundheitsregionplus bzw. deren Arbeitsgruppen, u. a.:

  • Analyse der Versorgungssituation
  • Wissens- und Informationsvermittlung
  • Entschließungen zu regional prioritären Versorgungsthemen
  • Handlungsempfehlungen, die unter Selbstverpflichtung der Beteiligten umgesetzt werden
  • Stellungnahmen für regionale Bedarfsplanung oder Krankenhausplanung
  • Gesundheitspolitische Strategieformulierung
  • Formulierung von kommunalen Gesundheitszielen
  • Initiierung oder Analyse von Gesundheitsberichten und Versorgungsindikatoren
  • Initiierung von Projekten oder Maßnahmen
  • Evaluationen und Verlaufsbeobachtungen von Projekten oder Maßnahmen
  • Neuorientierung bestehender Gesundheitsfachdienste in der Region
  • Transfer zwischen Land und Kommune
  • Öffentlichkeitsarbeit
  • Kooperationsprojekte oder gemeinsame Maßnahmen

Die Ausformulierung dieser Punkte könnten die Abschnitte „Gesundheitsförderung und Prävention“ sowie „Gesundheitsversorgung“ des zu erstellenden Umsetzungsplans darstellen.

Hinweis:

Elemente einer Handlungsempfehlung:

  • Gesundheitspolitische Zielsetzung
  • Konkrete Einzelziele zur Erreichung der gesundheitspolitischen Zielsetzung
  • Maßnahmen zur Erreichung der Einzelziele
  • Messgrößen zur Evaluation
  • Verpflichtung zur Berichterstattung

Beispiele:

Beispiele aus der Praxis für Projekte/Maßnahmen aus den Regionalen Gesundheitskonferenzen

  • Gemeinsame Resolution aller Akteure zur Weiterleitung an die Entscheidungsträger im Gesundheitswesen
  • Einheitlicher Patientenüberleitungsbogen für die Region
  • Aufbau spezialisiertes ambulantes Palliativversorgungs-Team (SAPV) ggf. mit einem weiteren Landkreis
  • Konzept zum Anwerben von Praktikanten und Famulanten „Allgemeinmedizin“
  • Virtueller Patientenwegweiser auf der Homepage des Landratsamtes/Gesundheitsamts

Möglicherweise empfiehlt sich in den Folgejahren der strukturierte Aufbau einer Versorgungsberichterstattung zu Schwerpunktthemen der Gesundheitsregionplus.

Hinweis:

Falls Sie planen, einen Gesundheitsbericht zu erstellen, können die Handlungshilfen für die Gesundheitsberichterstattung bei der Erstellung Ihres Berichts nützlich sein. Diese sind im Publikationsshop der Bayerischen Staatsregierung (www.bestellen.bayern.de) erhältlich. Zu folgenden Aspekten sind Handlungshilfen erschienen:

  • Gesundheitsberichterstattung für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns
  • Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung – Begriffe, Methoden, Beispiele
  • Datenquellen der Gesundheitsberichterstattung für die Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns
  • Mediale Aspekte der Gesundheitsberichterstattung