Förderprogramm zum Erhalt und zur Verbesserung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum - Stand 2017

Hintergrund

Es ist das Ziel der Bayerischen Staatsregierung, die ärztliche Versorgung auf dem Land zu stärken und damit gleichwertige Lebensverhältnisse in Bayern zu schaffen. Um eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen, wurde die am LGL im Jahr 2012 gegründete Bayerische Gesundheitsagentur (BayGA) beauftragt, die für die Administration dieses bayerischen Förderprogramms notwendigen Strukturen aufzubauen und zu etablieren. Das aktuelle Geschäftsfeld der BayGA umfasst insbesondere die Betreuung und Administration der beiden Fördersäulen „Niederlassungsförderung“ und „Stipendium für Medizinstudierende“.

Niederlassungsförderung

Zukünftig werden aufgrund des demografischen Wandels auch in der Ärzteschaft zunehmend mehr Ärzte aller Facharztgruppen ihre Praxis altersbedingt aufgeben bzw. versuchen, ihre Facharztsitze an die nachfolgende Ärztegeneration zu übergeben. Diese Entwicklung stößt auf einen Trend, welcher die Schere zwischen dem Angebot an Arztpraxen und der Nachfrage weiter öffnen wird. So spielt der Wunsch der jüngeren Ärztegeneration nach alternativen Berufsausübungs- und vor allem auch Arbeitszeitmodellen sowie einem Umfeld mit guter sozioökonomischer Anbindung, auch für die Familie, bei der Auswahl eines Praxisstandortes eine zunehmend bedeutende Rolle. Von dem drohenden Haus- und Facharztmangel, der sich aus diesen Entwicklungen ergibt, werden insbesondere ländliche und strukturschwache Regionen in Bayern betroffen sein. Um einer möglichen (fach-)ärztlichen Unterversorgung in diesen Gebieten entgegenzuwirken und Anreize für die Niederlassung oder Filialgründung zu schaffen, unterstützt der Freistaat Bayern Hausärzte, Ärzte der allgemeinen fachärztlichen Versorgung sowie Kinder- und Jugendpsychiater mit einem Zuschuss. Bei einer Förderung durch die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns für die Niederlassung in einem der wenigen Planungsbereiche mit heute festgestellter oder drohender Unterversorgung kann im Rahmen der Niederlassungsförderrichtlinie ein ergänzender Zuschuss in Betracht kommen. Bis zum Jahresende 2017 konnten 323 Hausärzte gefördert werden. Einem möglichen Ärztemangel bei der hausärztlichen Versorgung in den ländlichen Regionen wirkt die Niederlassungsförderung somit spürbar entgegen. Die räumlichen Schwerpunkte der staatlichen Niederlassungsförderung wurden auf die im Versorgungsatlas der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern ausgewiesenen ambulanten regionalen Versorgungssituationen ausgerichtet. Punktuell konnte die Unterversorgung in einzelnen Planungsbereichen wieder aufgehoben werden. Dies kann als „Etappensieg“ gewertet werden.

Nicht außer Acht gelassen werden sollte jedoch, dass im Zeitraum von 2010 bis 2017 der Anteil der über 60-jährigen Hausärzte von 23,0 % auf 34,6 % um über 11 Prozentpunkte gestiegen ist. Den sich daraus ergebenden Herausforderungen ist auch in Zukunft mit den etablierten Programmen entgegenzuwirken.

Die Abbildung zeigt eine Karte von Bayern mit eingezeichneten Landkreisen und kreisfreien Städten. Hierin wird die regionale Verteilung der Niederlassungs- und Filialförderungen von insgesamt 323 Hausärzten mit Stand zum Jahresende 2017 dargestellt. Durch farbliche Abstufungen in vier Klassen wird die regionale Verteilung der Förderungen illustriert. In 63 der 71 Landkreise mit einbezogenen kreisfreien Städten konnte bisher gefördert werden. Weiß markierte Bereiche stellen Landkreise dar, in denen es bisher keine Förderung gab. In den hellblau markierten Bereichen, welche den größten Teil der Karte einnehmen (41 von 71), gab es bis zu fünf Förderungen. Die mittelblau markierten Landkreise markieren sechs bis neun Förderungen (dies sind insgesamt 17 Landkreise). In den vier dunkelblau eingefärbten Flächen wurden zehn und mehr Hausärzte gefördert (hierunter fallen die Landkreise Ansbach, Augsburg, Passau und Roth).

Abbildung 1: Regionale Verteilung der Hausarzt-Niederlassungen und -Filialgründungen (n=323, Stand 31. Dezember 2017)

Erfolgreiches Förderprogramm

Die Niederlassungsförderung stieß auch 2017 auf großes Interesse. Bei insgesamt 642 Anträgen seit Veröffentlichung der Förderrichtlinie im Jahr 2012, darunter 133 Neuanträge im Jahr 2017, konnten bisher 399 Zuwendungsbescheide ausgestellt werden. Neben den bereits zu Beginn geförderten Hausärzten konnten nach Erweiterung der Förderrichtlinie auch Fachärzte und Psychotherapeuten bei ihrer Niederlassung in ländlichen Regionen durch das Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung unterstützt werden. Ende 2017 haben nun erstmals neun der im Jahr 2012 verbeschiedenen Ärzte die verpflichtende 60-monatige vertragsärztliche Tätigkeit im Fördergebiet absolviert. Trotz des Ausscheidens aus dem Förderprogramm sind alle weiterhin am geförderten Niederlassungsort ärztlich tätig.

Stipendium für Medizinstudierende

Der Ärztenachwuchs profitiert während seiner Ausbildung ebenfalls von dem Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung. Medizinstudierende, die sich frühzeitig für eine spätere ärztliche Tätigkeit im ländlichen Raum entscheiden und so zukünftig zu einer flächendeckenden, hoch qualifizierten medizinischen Versorgung für alle Menschen in Bayern beitragen, erhalten während ihres klinischen Studienabschnittes eine monatliche finanzielle Unterstützung, in der Regel bis zum Ende des Studiums.

Seit dem Start des Stipendienprogramms Mitte 2012 wurden bis Ende 2017 insgesamt 186 Förderanträge von Studierenden bei der BayGA eingereicht. Die Förderquote liegt aktuell bei 95,5 %. Die Stipendiaten kommen von 13 verschieden Hochschulen in ganz Deutschland, wobei der Großteil (93,9 %) in Bayern lebt, studiert oder arbeitet. 37 ehemalige Stipendiaten tragen bereits jetzt, während ihrer fachärztlichen Weiterbildung, zu einer wohnortnahen medizinischen Versorgung auf hohem Niveau in ländlichen und strukturschwachen Regionen Bayerns bei. Der erste Facharzt aus diesem Förderprogramm wird für Ende 2018 in der Fachrichtung Allgemeinmedizin erwartet. Ergänzt wird die finanzielle Unterstützung der Nachwuchsmediziner durch ein von der BayGA inhaltlich und organisatorisch gestaltetes Stipendiatenseminar. Dieses hat sich inzwischen im Format einer zweitägigen Veranstaltung etabliert. Die Stipendiaten erwerben hierdurch wertvolles Wissen in für die spätere Landarzttätigkeit relevanten Themengebieten. Auch bietet das Stipendiatenseminar eine Plattform zur Vernetzung untereinander sowie mit den Referenten und politischen Akteuren. Unter dem Motto „Ihre Zukunftschancen – Telemedizin & Job-Satisfaction“ fand im Mai 2017 das vierte Stipendiatenseminar in Nürnberg statt. Die etwa 20 teilnehmenden Mediziner bzw. Studierenden lernten verschiedene telemedizinische Applikationen sowie erfolgreich laufende Telemedizinprojekte kennen und konnten die vorgestellten Anwendungen anschließend praktisch testen. Außerdem bekamen die Stipendiaten vertiefte Einblicke in ergänzende Tätigkeitsfelder wie beispielsweise Notfall- und Betriebsmedizin, die sich mit dem Beruf des Landarztes sinnvoll kombinieren lassen.

Die Abbildung zeigt ein Foto mit neun Studenten und Referenten, allesamt Teilnehmer des Stipendiatenseminars 2017. Diese haben sich um einen Tisch versammelt, um darauf liegende telemedizinische Anwendungen eines Tele-Arztkoffers (Mona-Koffer: Mobile Netzwerkmedizinische Assistenz) für Hausbesuche (wie Stethoskop, EKG-Gerät, Blutdruck- und Blutzucker Messgerät, neben einer Telewaage) in Augenschein zu nehmen und mit professioneller Unterstützung – auch online – zu testen.

Abbildung 2: 4. Stipendiatenseminar im Mai 2017

 

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