Behördenbezeichnung mit Staatswappen: Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Zimtpräparate als Antidiabetikum

Seit längerem werden Zimtpräparate als Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel auf den Markt gebracht. Sie sollen laut ihrer Auslobung vorbeugend oder unterstützend zur Senkung des Blutzuckerspiegels bzw. der Behandlung von Diabetes mellitus eingesetzt werden. Typische Dosierungsempfehlungen liegen im Bereich von einem bis mehreren Gramm Zimt täglich (in Form von Zimtpulver bzw. als Zimtextrakt).

Zimt

Zimt ist die innere Rinde des Zimtbaums, der in Südostasien in mehreren Arten natürlich vorkommt und auch kultiviert wird. Wirtschaftliche Bedeutung haben vor allem Chinesischer Zimt oder Cassia-Zimt (Cinnamomum aromaticum NEES) und der Echte oder Ceylon-Zimt (C. verum J.S.PRESL oder C. ceylanicum NEES).
Ceylon-Zimt stammt vorwiegend aus Sri Lanka und ist teurer, cumarinärmer und im Geschmack etwas süßlich-milder als die Cassia-Arten (Chinesischer Zimt, Padang-Zimt), die ein etwas herberes Zimtaroma und einen wesentlich höheren natürlichen Cumaringehalt aufweisen.

Zimt zählt zu den ältesten bekannten und mit am häufigsten verwendeten Gewürzen. Aber auch als Arzneimittel wird Zimt verwendet, meist in Form der Ceylon-Zimtrinde oder des daraus destillierten ätherischen Zimtöls, die beide auch Aufnahme in das Europäische Arzneibuch gefunden haben. Monographierte Anwendungen als Arzneimittel finden sich für Appetitlosigkeit, Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl und Blähungen in einer Tagesdosis von 2 bis 4 g der Droge. Es werden antibakterielle, fungistatische, krampflösende und entzündungshemmende Effekte genannt.
Eine mögliche antidiabetische Wirkung wurde erst in den 1990er Jahren wissenschaftlich beschrieben und wird seither kontrovers diskutiert.

Gesundheitliche Bewertung

Wie alle pflanzlichen Produkte enthält Zimt eine Vielzahl verschiedener Substanzen, die je nach Sorte und Herkunft in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten sind. Einige von diesen Inhaltsstoffen können möglicherweise zu toxischen Effekten führen, insbesondere bei einer langfristigen Einnahme, wie sie bei Diabetes-Patienten zu erwarten ist. Als ein Beispiel sei das ätherische Zimtöl mit der Hauptkomponente Zimtaldehyd genannt, das zwar hauptsächlich für das Zimtaroma, aber auch häufig für durch Zimtzubereitungen ausgelöste allergische Hautreaktionen verantwortlich ist.

Bedenken bestehen jedoch vor allem wegen der Cumarine, die in allen Zimtarten enthalten sind. Cumarine sind leberschädlich und krebserregend; daher sollte Zimt auch als Lebensmittel nur in begrenzten Mengen aufgenommen werden. Der TDI-Wert für Zimt, also die tolerierbare Dosis, die ohne gesundheitliche Beeinträchtigung lebenslang täglich aufgenommen werden kann, liegt bei 0,1 mg Zimt pro kg Körpergewicht. Bei einem Erwachsenen mit einem Körpergewicht von 60 kg ist der TDI-Wert mit 2 g Cassia-Zimt täglich ausgeschöpft. Die Tagesdosen der erhältlichen Nahrungsergänzungsmittel liegen teilweise jedoch bei der doppelten Menge.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) warnt nach wie vor vor der unkritischen Einnahme von Zimtpräparaten.

Zimtpräparate bei Diabetes mellitus

Da die Zimtpräparate zur Behandlung des Diabetes mellitus nicht als Arzneimittel in Verkehr gebracht werden, liegen für diese Produkte kaum aussagekräftige klinische oder toxikologische Studien vor. In Tierversuchen wurden zwar teilweise blutzuckersenkende Wirkungen nachgewiesen, die wenigen Humanstudien an Diabetikern zeigen jedoch widersprüchliche Ergebnisse. Zudem wurden die Studien mit unterschiedlichen Zimtextrakten durchgeführt, so dass die Ergebnisse noch keine generelle Aussage zur Wirkung von Zimt(extrakten) erlauben. Zudem liegen keine Daten zu den möglichen Risiken einer Langzeittherapie des Diabetes mellitus vor.

Der Erfolg der Diabetes-Therapie ist von einer möglichst optimalen Einstellung des Blutzuckerspiegels abhängig. Diese ist schon mit modernen, zugelassenen Arzneimitteln nicht einfach. Die Gefahr von Zimtpräparaten in Form von Nahrungsergänzungsmitteln besteht darin, dass Diabetiker versuchen, ihre Erkrankung mit solchen „natürlichen“ Mitteln selbst zu behandeln oder dass sie ihre gut eingestellte Medikation durch Einnahme hoch dosierter Zimtpräparate stören. Die Blutzuckereinstellung durch die (zusätzliche) Einnahme von nicht standardisierten Naturprodukten zu erschweren, ist ein Risiko, das Diabetes-Patienten nicht eingehen sollten: Das Auftreten von Folgeerkrankungen wie Nerven- und Gefäßschäden, Herzinfarkt und Schlaganfall, Nieren- und Augenschäden wird begünstigt.

Aus diesen Gründen wird die Einnahme von Zimtpräparaten bei Diabetes auch von den Fachgesellschaften (Deutsche Diabetes Gesellschaft, DDG; Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft, DPhG) derzeit nicht empfohlen.

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