Projekt zur Unterstützung der Umsetzung der Zweiundvierzigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (42. BImSchV) in Bayern

Ziel des durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz finanzierten Projekts ist es, die Umsetzung der Verordnung über Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider (42.  BImSchV) in Bayern zu unterstützen. Im Projekt sollen dabei verschiedene Informationsmaterialien entwickelt und den betroffenen Zielgruppen (Betreiber, Behörden) zur Verfügung gestellt werden. Ferner sollen noch offene wissenschaftliche Fragen im Bereich der Legionellen bearbeitet werden. Damit soll der anfänglich erhöhte Implementierungsaufwand aufgefangen werden.

Legionellen sind natürlich vorkommende Wasserbakterien, die aus der Umwelt in technische Wassersysteme wie z. B. Verdunstungskühlanlagen, Kühltürme und Nassabscheider gelangen. Grundsätzlich muss mit einer umweltbedingten Infektionsgefährdung immer dort gerechnet werden, wo entsprechend belastete Wassermengen in der Luft als Aerosole verteilt werden.

Das Einatmen dieser Legionellen-haltigen Bioaerosole kann beim Menschen zu einer Influenza-ähnlichen Erkrankung, dem sogenannten Pontiac-Fieber mit einem milderen Krankheitsverlauf, oder zu schweren Lungenentzündungen mit möglicher Todesfolge, der sogenannten Legionärskrankheit, führen. Walser et al. (2014) identifizierten 19 dokumentierte Legionellen-Ausbrüche in einem Zeitraum von 11 Jahren (2001 - 2012), die im Zusammenhang mit Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen oder Nassabscheidern als mögliche Quellen standen. Auch die Ausbrüche in Warstein (Eikmann et al., 2013) und Ulm (Exner et al., 2011; von Baum et al., 2010) werden mit Verdünstungskühlanlagen in Verbindung gebracht.

Um die Gefahr solcher Legionellen-Ausbrüche zu minimieren, hat die Bundesregierung die 42. BImSchV erlassen, die am 19. August 2017 in Kraft getreten ist. Ein Hauptfokus der Verordnung liegt in der mikrobiologischen Untersuchung von Verdunstungskühlanlagen, Kühltürmen und Nassabscheidern.

Um die Legionellenzahl im Prozesswasser konstant gering zu halten, müssen routinemäßig mikrobiologische Untersuchungen solcher Anlagen zur Feststellung eines hygienisch-mikrobiologischen Normalbetriebs durchgeführt werden.

Bei einer Überschreitung der festgelegten Prüf- und Maßnahmenwerte sind die Anlagenbetreiber verpflichtet, sofortige Maßnahmen zu ergreifen.

Um die Umsetzung und kontinuierliche Anwendung der 42. BImSchV in Bayern zu unterstützen, werden unter anderem folgende Ziele verfolgt:

  • Bereitstellung einer Website, die den betroffenen Betreibern und Behörden Informationen über die Umsetzung der Vorgaben der 42. BImSchV und der zugehörigen Richtlinien zur Verfügung stellt, z. B. allgemeinverständliche Informationen über Legionellen im Nutzwasser, aktuelle Untersuchungen, Aktualisierungen der Richtlinien und Veranstaltungen zur Umsetzung in Bayern.
  • Bereitstellung von Informationsmaterialien zu bestimmten Themen und für verschiedene Zielgruppen wie z. B. Erstellung einer Broschüre.
  • Unterstützung bei der fachlichen Beantwortung von Fragen, die bei der Umsetzung der 42. BImSchV aufgeworfen werden.
  • Erfassung und Bewertung potenzieller Infektionsquellen durch schnelle und detaillierte kulturunabhängige (molekulare und immunologische) Tests.
  • Organisation von Veranstaltungen zum Thema Legionellen und der 42. BImSchV, insbesondere für Betreiber und Behörden. Die Anmeldung zu den Veranstaltungen ist kostenlos, die Teilnehmerzahl ist jedoch begrenzt. Bitte melden Sie sich daher zeitnah an, indem Sie uns eine E-Mail an info-42.BImSchV@lgl.bayern.de mit Ihrem Namen und Ihrer Institution schicken.

Die erste Veranstaltung „Umsetzung der 42.BImSchV in Bayern“ findet am 24. September 2020 in München statt. Angesichts der aktuellen Lage ist sowohl eine Präsenzteilnahme als auch eine Online-Teilnahme möglich. Die Präsensveranstaltung ist bereits ausgebucht. Gerne nehmen wir noch Anmeldungen zum Online-Veranstaltung an. Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem untenstehenden Flyer.

Hinweis: Das LGL verarbeitet zur Planung, Durchführung und Nachbereitung der Veranstaltungen personenbezogene Daten (z.B. Name, E-Mail Adresse, Institution). Weitere Informationen zum Datenschutz und zu Ihren Rechten finden Sie unter https://www.lgl.bayern.de/datenschutz/index.htm

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Referenzen:

  • Walser, S.M.; Gerstner, D.G.; Brenner, B.; Holler, C.; Liebl, B.; Herr, C.E. (2014): Assessing the environmental health relevance of cooling towers - a systematic review of legionellosis outbreaks.
  • International Journal of Hygiene and Environmental Health (217) 145.
  • Eikmann, T.; Tesseraux, I.; Herr, C. (2013): Hilft der Legionellen-Ausbruch in Warstein endlich, die notwendigen (umwelthygienischen) Konsequenzen zu ziehen? Umweltmedizin, Hygiene, Arbeitsmedizin (18) 301.
  • von Baum, H.; Harter, G.; Essig, A.; Lück, C.; Gonser, T.; Embacher, A.; Brockmann, S. (2010): Outbreak of Legionnaires disease in the cities of Ulm and Neu-Ulm in Germany. Euro Surveil (15) 472.

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