Rußrindenkrankheit

Die Rußrindenkrankheit bei Ahornbäumen wird durch eine Infektion durch Sporen des Pilzes Cryptostroma corticale verursacht. Beim Menschen können die Sporen allergische Reaktionen auslösen.

Die Sporenlager des Pilzes, ein schwarzer rußähnlicher Belag, werden freigelegt, wenn an toten Bäumen die Stammrinde abblättert. Pro Quadratzentimeter können 100 bis 170 Millionen winziger Sporen (Konidien) abgelöst und auch in die Luft freigesetzt werden. Die große Menge Sporen färbt oftmals die Vegetation am Stammfuß durch Winddrift und Regenwasserablauf typischerweise schwarz.

Der Baumpilz Cryptostroma corticale wurde in Bayern erstmals im Sommer 2018 an mehreren Waldstandorten auf der fränkischen Platte nachgewiesen. Inzwischen sind nicht mehr ausschließlich Waldgebiete in Franken betroffen, sondern bereits Bäume im Raum Nürnberg und anderen Städten befallen. Das zeigt, dass eine weitflächige Verbreitung über die luftgetragenen Sporen möglich ist bzw. der Pilz bereits als latenter Endophyt in vielen Beständen vorkommt. Dadurch kann sich die Rußrindenkrankheit weiter ausdehnen und zur Bedrohung der Baumart Ahorn in Bayern werden. Der Pilz konnte bisher vor allem am Bergahorn nachgewiesen werden, inzwischen sind aber auch Fälle an Feld –und Spitzahorn bekannt.

Das Bild zeigt einen vor Ahorn-Rußrindenkrankheit befallenen Baumstamm.

Befall mit Ahorn-Rußrindenkrankheit (Foto: Nicole Burgdorf/LWF)


Wann herrscht eine akute Gesundheitsgefahr in befallenen Beständen?

Eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen kann beim Aufenthalt in einem von der Rußrindenkrankheit befallenen Baumbestand gegeben sein, wenn unter der Stammrinde großflächige Sporenlager (reproduktive Bestandteile) des Pilzes freigelegt sind oder durch Eingriffe bei der Waldarbeit freigelegt werden, größere Konidienmengen aerosolisieren und mit vermehrtem Sporenflug zu rechnen ist. Die Konidien können als Bioaerosol in der Nähe befallener Baumgruppen, insbesondere in Lee-Windrichtungen, in gesundheitsrelevanten Mengen auftreten und eingeatmet werden. Gefährdet sind entsprechend exponierte Personen, Beschäftigte die beruflich intensiv und häufig den Sporen ausgesetzt sind sowie Personen mit einer allergischen Grunderkrankung oder einer vorbelasteten Lunge (Machan in science.orf.at).

Grundsätzlich müssen bei der gesundheitlichen Relevanz zwei verschiedene Wirkmechanismen unterschieden werden:

  1. Der Kontakt mit dem Schimmelpilz-Allergen kann eine Bildung von spezifischen IgE-Antikörpern provozieren (Sensibilisierung). Bei erneutem Einwirken des Antigens führt die Bindung des Antigens an den Antikörper zu einer Histamin-Freisetzung aus Mastzellen (allergische Reaktion).
  2. Neben der IgE-vermittelten Allergie kann die Exposition gegenüber dieser Schimmelpilzart auch zu der Allergieform der exogen allergischen Alveolitis (EAA) vom Typ der Holzarbeiter-Lunge,siehe https://www.asu-arbeitsmedizin.com/gentner.dll/0038-0052-ASU-1501_NjI2MDMx.PDF) führen. Bei der EAA können zwei verschiedene Formen unterschieden werden. Bei einer massiven Zufuhr des Allergens, gegen das der Betroffene sensibilisiert ist, kann es zu einer akuten Form der EAA kommen. Dann können innerhalb von 4-12 Stunden Atemnot im Ruhezustand, Reizhusten und ein Krankheitsgefühl mit Kopf-und Gliederschmerzen sowie hohem Fieber und Schüttelfrost auftreten. Diese Beschwerden klingen nach wenigen Tagen ohne Therapie ab. Bei der chronischen Form der EAA kommt es dagegen ständig zum Kontakt mit kleinen Allergenmengen. Hier kann es zu einem bindegewebsartigen Umbau des Lungenzwischengewebes kommen mit einer schleichenden Entwicklung von unspezifischen Beschwerden wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit, einem langsamen Leistungsabfall mit Krankheitsgefühl, Gewichtsabnahme.

Menschen wie Spaziergänger oder Pilzsammler, die sich im Bereich befallener Bäume aufhalten, gelten nach dem derzeitigen Wissensstand bzgl. der EAA als gering gefährdet.

Das bisherige Wissen dazu beruht auf klinischen Fallbeispielen von Arbeitern in Papierfabriken und Sägewerken, die an „Wood-Pulp Workers Disease“ erkrankten. Das Krankheitsbild umfasste Fieber, Schüttelfrost und Atemnot. Die Symptome wurden durch den verlängerten Kontakt mit verschimmeltem Holz und das Abschälen der Rinde von Ahornbäumen verursacht (Spoerke & Rumack 1994)

Arbeiter, die Ahornstämme schälten und zersägten, entwickelten eine granulomatöse interstitielle Lungenentzündung mit ausgeprägtem Fieber, Nachtschweiß, Atemnot, und Gewichtsverlust. Laboruntersuchungen ergaben hohe Anteile ausgefällter Antikörper gegen Cryptostroma corticale.

Quelle: Emanuel DA, Wenzel FJ, Lawton BR. Pneumonitis due to Cryptostroma corticale (maple-bark disease). N engl j med 274 (1966) 1413-1418.

In Deutschland ist 1964 ein Fall von asthmaartiger Allergie, verursacht durch den Pilz Cryptostroma corticale bekannt geworden.

Quelle: Hans-Peter Plate, Pflanzenschutzamt Berlin, und Roswitha Schneider, Biologische Bundesanstalt, Institut für Mykologie, Berlin-Dahlem; DK 582.288.43 Cryptostroma: 616-056.3.

Müssen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz ergriffen werden?

Arbeitsschutz

Für Forst- und Waldarbeiter, die durch die Ausübung ihres Berufs diesen Sporen wiederholt und in hohen Konzentrationen ausgesetzt sein können, sind dem Ergebnis der Gefährdungsbeurteilung entsprechende Schutzmaßnahmen erforderlich. Bei Fällungsarbeiten müssen grundsätzlich eine Partikelfilter-Atemmaske und Schutzkleidung getragen werden. Dabei sind auch individuelle Risiken (Bartträger, eingeschränkte Lungenfunktion, ...) und Belastungen (Hitze, erhöhte Staub-/Sporenbelastung) arbeitsmedizinisch zu berücksichtigen und die Tatsache, dass bei längerem Tragen (Kondenswasseransammlung) sowie bei erhöhter Partikelkonzentration in der Luft der Atemwiderstand durch die Beladung der Filter in der Maske ansteigt.

Bevorzugt sollte der Einschlag bei feuchtem Wetter möglichst maschinell durchgeführt werden. Gefällte Bäume sollten in unbewohntem Gebiet möglichst vor Ort im Wald gehackt und abgedeckt transportiert werden. Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln beim Arbeiten mit befallenem Material herausgegebenen https://cdn.svlfg.de/fiona8-blobs/public/svlfgonpremiseproduction/bbb58ebb5c9760d3/3aa2ce9f2c9a/b_01_18-bio-arbeitsstoffe-russrindenkrankheit.

Umwelt

Für empfindliche Personen, die großflächig befallene Gebiete betreten, sollten entsprechende Informationen vorhanden sein. Ein Absperren zum Schutz von solchen Personen, das großräumiger ist, als dies bei Baumfällarbeiten im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht ohnehin vorgeschrieben ist, ist nicht erforderlich (Julius Kühn-Institut, 2018b).