Samen der Beifuß-Ambrosia (Ambrosia artemisiifolia) in Futtermitteln: Untersuchungsergebnisse 2006 bis 2008

Foto einer Beifuß-Ambrosie

Bereits seit 2006 untersucht das LGL, ob Samen der Beifuß-Ambrosie in Futtermitteln vorkommen, die in Bayern im Handel erhältlich sind. Ausgangspunkt für die Untersuchungen war der Hinweis, dass mit Ambrosia-Samen verunreinigte Futtermittel als Eintragsquelle der Samen in die Umwelt fungieren und dadurch zur Verbreitung der Allergie auslösenden Pflanze beitragen können. Den Schwerpunkt der Untersuchungen des Futtermittellabors am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bilden Streufuttermittel für Vögel, insbesondere zur Winterfütterung von Wildvögeln sowie Sonnenblumensaaten.

Darstellung der Untersuchungsergebnisse

Bis Ende 2008 wurden 75 Futtermittelproben (davon amtliche Futtermittelproben sowie Monitoring-Proben) mikroskopisch auf das Vorkommen von Samen der Beifuß-Ambrosie untersucht. In mehr als einem Drittel der untersuchten Proben (=28 Proben) waren Ambrosia-Samen in Mengen von sechs bis 1082 Samen pro kg Futtermittel (Einzelfuttermittel) bzw. drei bis 332 Samen pro kg Futtermittel (Mischfuttermittel) nachweisbar.


Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über alle Untersuchungsergebnisse der Jahre 2006 bis 2008:

Tabelle 1: Überblick über die Untersuchungsergebnisse verschiedener Futtermittel der Jahre 2006 bis 2008
Untersuchte Futtermitte Anzahl untersuchter Proben Anzahl Proben Ambrosia-Samen nachweisbar Anzahl gefundener Samen pro kg Futtermittel-Min/Max
Einzelfuttermittel 24 9 (= 37,5%) 6 bis 1082
Sonnenblumenkerne, ungeschält 19 8 6 bis 1082
Hirsearten 2 1 199
Hanfsaat 3 0 0
Mischfuttermittel 51 19 (= 37,2%) 2 bis 332
Streufutter für frei lebende Vögel 23 11 2 bis 332
Futtermittel für Tauben 5 1 12
übrige Futtermittel (Großsittiche, Papageien; Kanarien, Nutztiere) 19 7 10 bis 68
Futtermittel für sonstige Heimtiere (Hamster, Mäuse) 3 0 0
Gesamt 75 28 (= 37,3%) 2 bis 1082

Um die vorgefundenen Mengen an Samen einschätzen zu können, sind Orientierungswerte hilfreich. In Anlehnung an Erfahrungen aus der Schweiz wurde im März 2008 vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) in Abstimmung mit den Ländern das „Merkblatt zur Verringerung von Verunreinigungen von bestimmten Futtermitteln mit Samen der Ambrosia artemisiifolia L.“ veröffentlicht. Dieses soll Hersteller und Inverkehrbringer von Futtermitteln für die Problematik sensibilisieren und gibt Hinweise zur Minimierung von Ambrosia-Samen (z.B. Identifikation und Reinigungsmaßnahmen) in Futtermitteln. Daneben wird die Einhaltung einer maximalen Menge von 0,02% Ambrosia-Samen in Futtermitteln – das entspricht etwas 35 Samen pro kg Futtermitte l- als Orientierungswert empfohlen. Wird diese Vorgabe von maximal 0,02% Ambrosia-Samen eingehalten, kann auf dem entsprechenden Produkt ein zusätzlicher Hinweis wie „gereinigt“ oder „geprüft“ angebracht werden.

Legt man den bayerischen Untersuchungsergebnissen den oben genannten Orientierungswert von 0,02% (ca. 35 Samen pro kg Futtermittel) zugrunde, ergibt sich nachfolgend dargestellte Verteilung der Proben bezogen auf die Menge an nachweisbaren Samen.

Balkengrafik: Die Abbildung zeigt die Häufigkeitsverteilung des Vorkommens von Ambrosia-Samen in Einzel- und Mischfuttermitteln in Prozentanteilen, basierend auf den Untersuchungsergebnissen der Jahre 2006 bis 2008. Dabei wird zwischen drei Kategorien unterschieden. Das sind zum einen Proben, in denen keine Ambrosia-Samen nachweisbar waren, zum anderen Proben, die entweder weniger als 35 oder mehr als 35 Ambrosia-Samen aufwiesen. Bei Einzelfuttermitteln waren in 15 Proben, bei Mischfuttermitteln in 32 Proben keine Ambrosia-Samen nachweisbar. In vier Proben Einzelfuttermitteln und 16 Proben Mischfuttermitteln waren dagegen zwischen einem und 35 Ambrosia-Samen feststellbar. Zudem wurden in fünf Einzelfuttermitteln und drei Mischfuttermittel mehr als 35 Ambrosia-Samen nachgewiesen.

Abbildung: Häufigkeitsverteilung der vorgefundenen Ambrosia-Samen in Einzel- und Mischfuttermitten 2006 bis 2008

Von den 28 Proben, in welchen Ambrosia-Samen nachweisbar waren, enthielten acht Proben meist deutlich mehr als 35 Ambrosia-Samen pro kg Futtermittel. Die höchste Anzahl an Samen wurde in einer Einzelfuttermittelprobe (ungeschälte Sonnenblumenkerne) mit 1082 Samen pro kg Futtermittel nachgewiesen. Aber auch in einem Mischfuttermittel (Streufuttermittel für Wildvögel) waren 332 Ambrosia-Samen pro kg Futtermittel vorhanden.

„Ambrosia kontrolliert“ - Hinweis auf Streufuttermittel für Vögel

Zum Jahreswechsel 2008/2009 tauchten erstmals vereinzelt Streufuttermittel zur Winterfütterung von Wildvögeln im bayerischen Handel auf, die den Hinweis „Ambrosia kontrolliert“ bzw.Ambrosia controlled“ auf der Verpackung aufwiesen.

Im Rahmen der amtlichen Futtermittelkontrolle wurden fünf solcher Futtermittel beprobt und untersucht. In drei dieser Proben waren Ambrosia-Samen in Mengen von 34 bzw. 66 Samen pro kg Futtermittel (Streufuttermittel für Vögel bestehend aus verschiedenen Saaten) und 91 Samen pro kg Futtermittel (Streufuttermittel für Vögel, bestehend aus ungeschälten Sonnenblumenkernen) nachweisbar. Damit wiesen zwei der fünf Produkte Mengen von Ambrosia-Samen auf, die teilweise sehr deutlich über dem genannten Orientierungswert von 0,02% lagen.

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