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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Hintergrundinformationen zum Thema Tollwut

Was ist Tollwut?

Die Tollwut ist eine akut verlaufende Infektionskrankheit der Säugetiere und des Menschen. Neurotrope Viren der Gattung Lyssavirus rufen eine Erkrankung des zentralen Nervensystems hervor, die durch Bewusstseinsstörungen, Wesensveränderungen (wie
erhöhte Erregbarkeit, Hydrophobie, Aerophobie, Photophobie) und progressive Lähmungserscheinungen gekennzeichnet ist. Nach dem Auftreten von klinischen Symptomen endet die Erkrankung in der Regel tödlich. Die Übertragung erfolgt meist durch den Biss eines infizierten Tieres. Die Inkubationszeit beträgt zwischen 14 und 60 Tagen.

Der Erreger der Tollwut (RABV) ist weltweit verbreitet. Ein gehäuftes Vorkommen wird aus etwa 100 Ländern der Erde, insbesondere auch aus touristischen Fernreisezielen in Asien, Mittel- und Südamerika, Afrika und Osteuropa berichtet. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich über 50.000 Menschen an den Folgen einer Tollwutinfektion. Dank intensiver Bekämpfungsmaßnahmen wird das Seuchengeschehen in Europa zunehmend beherrschbar. Zum Schutz des Menschen und seiner Haustiere (Reiseprophylaxe) stehen wirksame und gut verträgliche Impfstoffe zur Verfügung.

Fledermaustollwut

Das Hauptreservoir für die klassische Tollwut (Rabies) stellt in Mitteleuropa der Rotfuchs dar. Daneben existiert in Fledermäusen ein unabhängiger Infektionszyklus, der durch die eigenständigen Virusspezies European Bat Lyssavirus 1 und 2 (EBLV-1, EBLV-2) sowie das Bokeloh Bat Lyssavirus (BBLV) verursacht wird. Eine Übertragung auf andere Säugetiere und den Menschen ist möglich, wird aber weltweit sehr selten beobachtet. Eine Schutzimpfung gegen RABV ist auch gegen EBLV-1 und -2 wirksam. Exponierte Personen wie Fledermausschützer, Wildbiologen und Wildtierpfleger sollten deshalb eine Schutzimpfung in Betracht ziehen.

Als tollwutverdächtig gilt eine Fledermaus, die sich anfassen lässt, ein auffälliges oder aggressives Verhalten zeigt oder tot aufgefunden wird. Verdächtige Tiere sollten deshalb nicht ohne Schutz berührt werden.

Aktueller Stand in Bayern

In den meisten westlichen Ländern Europas ist die Tollwut durch umfassende Bekämpfungsmaßnahmen, insbesondere durch die orale Immunisierung der Füchse, getilgt worden. Der letzte in Bayern positiv getestete Fuchs stammt aus dem Jahr 2001. Bayern ist deshalb mit Wirkung vom 28.09.2008 von der Weltorganisation für Tiergesundheit OIE (Office International des Epizooties) als "frei von terrestrischer bzw. klassischer Tollwut (RABV)" eingestuft worden. Als Hauptrisikofaktor für die Wiedereinschleppung der terrestrischen Tollwut gilt derzeit, wie die letzten beiden RABV-Infektionen in Bayern (2010 ein Hund aus Bosnien-Herzegowina, 2013 ein Hund aus Marokko) deutlich zeigen, der Import von als Haustiere gehaltenen Fleischfressern. Für den Reiseverkehr mit Haustieren sind deshalb eigene gesetzliche Vorschriften der Überwachung in Kraft (Verordnung (EG) Nr. 998/2003). Zum Nachweis der anhaltenden Tollwutfreiheit in Bayerns Wildtierpopulation ist ein flächendeckendes Tollwut-Monitoring durch die Bundes-Verordnung zum Schutz gegen die Tollwut vorgeschrieben.

Fledermaus-Lyssaviren, vor allem das EBLV-1 (European Bat Lyssavirus), werden in verschiedenen Anrainerstaaten der Nord- und Ostsee (darunter auch die Niederlande, Dänemark und Deutschland) relativ regelmäßig gefunden. Der Nachweis von BBLV (Bokeloh Bat Lyssavirus) bei einer Fransenfledermaus aus dem Landkreis Kronach im Mai 2015 stellte weltweit den erst vierten, bayernweit den zweiten Fall von Fledermaustollwut durch BBLV dar. Auch EBLV-1 und -2 wurden in Bayern bislang jeweils nur einmal bzw. zweimal nachgewiesen, EBLV-1 erstmalig im Mai 2015. Das Infektionsrisiko durch Kontakt mit den natürlichen Fledermauspopulationen in Bayern wird deshalb weiterhin als gering eingestuft.

Das LGL führt in Kooperation mit dem Landesamt für Umwelt und den Koordinationsstellen für den Fledermausschutz in Bayern seit 2011 ein kontinuierliches Tollwut-Monitoring bei Fledermäusen durch.

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