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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Immundiagnostik / Serologie (Antikörpernachweis)

Was sind Antikörper und Antigen?

Mensch und Tier können durch verschiedene Erreger, z.B. Viren oder Bakterien infiziert werden und daraufhin erkranken. Für eine sinnvolle Therapie ist es wichtig zu wissen, welcher Erreger die Krankheit hervorgerufen hat. Am besten wäre es, wenn man den Erreger direkt nachweisen könnte, allerdings ist dies oft sehr aufwändig oder gar nicht möglich.

Jedoch lässt sich fast jede Infektion mit weniger Aufwand auch indirekt nachweisen. Ein gesunder Organismus bildet nämlich im Verlauf der meisten Infektionen spezielle Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, die ganz gezielt gegen die Infektionserreger gerichtet sind, sich mit ihnen verbinden und sie inaktivieren. Die Erreger können dann im Idealfall für den Organismus nicht mehr schädlich werden.

Schema Antikörper, Antigen

Abbildung 1: Antigen - Antikörper - Reaktion: Der Y- förmige Antikörper hat sich mit dem Antigen verbunden, das seine Bildung im Organismus verursacht hat.

Diese Antikörper sind vor allem im Blut vorhanden. Ihre Eigenschaft, dass sie sich gezielt (man nennt das in der Fachsprache spezifisch) mit dem Erreger, der ihre Bildung im Organismus verursacht hat, verbinden, wird zur Erkennung einer Infektion ausgenutzt. Dazu wird von dem erkrankten Menschen oder Tier eine Blutprobe genommen. Man lässt das Blut zunächst gerinnen, um das Serum zu gewinnen. Das Serum enthält dieselben Bestandteile wie das Blut, nur keine roten bzw. weißen Blutkörperchen und keine beim Gerinnungsvorgang verbrauchten Inhaltsstoffe mehr, in ihm sind also auch die Antikörper vorhanden. Setzt man dann dem Serum etwa in einem Reagenzglas die bereits aufgrund des Krankheitsbildes vermuteten Infektionserreger (in der Regel abgetötet bzw. inaktiviert) hinzu, verbinden sich die Antikörper mit diesen Erregern. Die Erreger werden in diesem Zusammenhang als Antigen bezeichnet (siehe Abbildung 1). Mit verschiedenen Methoden lässt sich die Verbindung von Antikörpern und Antigen daraufhin nachweisen (siehe Abbildung 2).

Schema Antikörper, Antigen

Abbildung 2: Nachweis der Antigen - Antikörper - Reaktion: Durch eine geeignete Methode wird die Verbindung von Antigen und Antikörper nachgewiesen: Hier durch Anlagerung eines fluoreszierenden Farbstoffes (Fluorochrom) oder eines Enzyms, das eine Farbentwicklung bewirkt. Das Fluorochrom oder das Enzym ist hierbei an einen weiteren Antikörper gekoppelt, der sich seinerseits spezifisch mit dem nachzuweisenden Antikörper verbindet.

Dies ist der indirekte Nachweis einer Infektion über die Antikörper. Festzuhalten ist, dass der spezifische Antikörper und das zu ihm "passende" Antigen Reaktionspartner sind und dass in dem geschilderten Beispiel das Antigen als bekannter Reaktionspartner eingesetzt wurde, um den unbekannten Reaktionspartner - das ist der gesuchte Antikörper - zu finden.

Antikörper Nachweis in Milch

Antikörper lassen sich nicht nur im Blut bzw. Blutserum nachweisen, sondern auch in der Milch. Dies ist besonders praktisch bei Tieren, von denen für die menschliche Ernährung ohnehin Milch gewonnen wird, wie z.B. beim Rind. Bei dieser Tierart und auch anderen Nutztierarten ist der Untersuchungsgrund nicht immer eine Erkrankung. Vielmehr möchte man in vielen Fällen lediglich die Gewissheit haben, dass die untersuchten Tiere frei von bestimmten Infektionen sind, insbesondere von solchen, die auch auf den Menschen übertragen werden können, den sogenannten Zoonosen.

Immundiagnostik / Serologische Untersuchungen

Sowohl die Untersuchung von Blutserum als auch von Milch auf Antikörper bezeichnet man als serologische Untersuchung, obwohl sich streng genommen der Begriff Serologie von dem Wort Serum (Blutserum) herleitet. Unter Serologie versteht man jedoch ganz allgemein die Lehre von den Antigen- Antikörper- Reaktionen, egal, in welchem Untersuchungsmaterial die Antikörper vorliegen. Der Begriff „Serologie“ ist mittlerweile veraltet und wurde durch den Begriff „Immundiagnostik“ ersetzt. Der Begriff Serologie beziehungsweise serologische Untersuchung ist aber nach wie vor gebräuchlich und wird zum Beispiel noch in Untersuchungsanträgen verwendet..

Bei einer serologischen Untersuchung (Immundiagnostik) handelt es sich zumeist um den Nachweis von Antikörpern mit Hilfe eines bekannten Antigens. Aber auch die umgekehrte Fragestellung ist möglich: der Antikörper wird als bekannter Reaktionspartner eingesetzt, um gezielt ein bestimmtes Antigen z.B. in Blut- oder Organproben aufzuspüren.

Folgende serologische Untersuchungen / Immundiagnostik von tierischen Blut- und Milchproben auf Seuchen und andere Infektionskrankheiten wird im LGL durchgeführt:

Serologie / Immundiagnostik bakterieller Erkrankungen

  • Borreliose, auch Erregerisolation
  • Brucellose (*) einschließlich der gesetzlich vorgeschriebenen Untersuchungen von Sammelmilchproben
  • Chlamydiose (Rind und kleine Wiederkäuer)
  • Leptospirose(*), auch Erregerisolation
  • Paratuberkulose
  • Q-Fieber
  • Rotz (Malleus)

* auch Humanproben

Serologie / Immundiagnostik parasitärer Erkrankungen

  • Beschälseuche (Dourine)
  • Neosporose des Rindes
  • Toxoplasmose (Rind und kleine Wiederkäuer)

Serologie / Immundiagnostik viraler Erkrankungen

siehe unter Virusdiagnostik/Viruskrankheiten.

Routinemäßig werden in der Serologie / Immundiagnostik folgende Untersuchungsmethoden angewendet:

  • AGIDT (Agargelimmundiffusionstest nach Ouchterlony)
  • ELISA (Enzyme Linked Immunosorbent Assay)
  • IIFT (Indirekter Immunofluoreszenztest)
  • KBR (Komplementbindungsreaktion)
  • MAR (Mikroagglutinationstest)
  • RBT (Rose-Bengal-Test)
  • SAT (Serum-Agglutinationstest)
  • SNT (Serumneutralisationstest, zum Teil in Verbindung mit Peroxidase- oder Fluoreszenzfärbung)

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