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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit


Tularämie (auch Hasenpest oder Nagerpest)

Erreger

Francisella (F.) tularensis sind kleine, coccoide, oft pleomorphe, unbewegliche, gramnegative Stäbchenbakterien. Ihre Zellwand ist sehr lipidhaltig und vermittelt eine hohe Widerstandsfähigkeit (Tenazität) der Erreger in der Umwelt. F. tularensis kann in der Umwelt (Erdboden, Schlamm oder Wasser) Wochen bis Monate überleben.

Die Erreger sind anspruchsvoll, so dass zur Anzucht im Labor mit Zusätzen versehene, Cystein-haltige Spezialnährmedien verwendet werden müssen.

Petrischale mit dem einer bakteriologischen Kultur von Frandiselle tularensis

Abb. 1: Francisella tularensis ssp. holarctica, isoliert aus einem bayerischen Feldhasen

Vorkommen beim Tier

Das Bakterium ist insbesondere auf der Nordhalbkugel weit verbreitet, wobei die besonders gefährliche Unterart Francisella tularensis ssp. tularensis auf Nordamerika beschränkt ist. In Mitteleuropa herrscht die weniger virulente Unterart Francisella tularensis ssp. holarctica vor.

F. tularensis kommt vor allem in wildlebenden Tieren vor und hat ein sehr weites Wirtsspektrum. Besondere Bedeutung als Reservoir hat in Deutschland vor allem der Feldhase. Kaninchen und Nagetiere wie Mäuse, Wühlmäuse, Ratten oder Eichhörnchen können genauso wie Wildwiederkäuer, Fleischfresser und sogar Vögel ebenfalls infiziert sein. Stechinsekten und insbesondere Zecken können bei der Übertragung eine wichtige Rolle spielen.

In Bayern wird das Hasenpestgeschehen vom LGL seit 2007 verfolgt (Anzahl Untersuchungen und Tularämie-Nachweise siehe Tabelle 1), seit 2012 besteht darüber hinaus auch eine Kooperation des LGL mit dem Bayerischen Jagdverband in Form eines sog. Feldhasenmonitorings. Die angegebenen Zahlen sind bezogen auf die Gesamtpopulation der Feldhasen in Bayern nicht als repräsentativ anzusehen, da bei Auftreten von Hasenpest in einem Landkreis häufig vermehrt eingesandt wird. Der Anteil an Feldhasen mit Tularämie dürfte daher, bezogen auf die Gesamtpopulation geringer sein. Die Erkrankung wird bei Feldhasen in Nord- und Südbayern gleichermaßen nachgewiesen. Daten des Friedrich-Loeffler-Instituts zeigen darüber hinaus, dass der Erreger in der Feldhasenpopulation ganz Deutschlands zwischen Nordsee und Bodensee vorkommt.

Tab 1: Untersuchungen auf Tularämie beim Feldhasen in Bayern
Jahr am LGL auf Tularämie
untersuchte Feldhasen
davon positiv
2007 12 3
2008 26 5
2009 10 0
2010 3 1
2011 8 1
2012 40 4
2013 23 4
2014 77 29
2015 61 16
Summe 254 61

(Stand: 1.1.2016)

Vorkommen beim Menschen

Trotz des Vorkommens des Erregers in der deutschen Feldhasenpopulation sind nur wenige humane Erkrankungsfälle bekannt. Gemäß den Daten des Robert-Koch-Instituts wurden seit 2010 nachfolgend aufgeführte Fallzahlen humaner Tularämie-Infektionen gemeldet (siehe Tab. 2).

Tab 2: Gemeldete humane Tularämie-Fälle
Jahr Tularämie-Fälle
in Deutschland
Davon Tularämie-Fälle
in Bayern
2010 31 5
2011 17 1
2012 21 2
2013 20 2
2014 21 4
2015 33 4

(Quelle: SurvStat, RKI, Stand Januar 2016)

Übertragungswege

Die Infektion des Menschen geschieht vor allem bei intensivem Kontakt mit erkrankten Tieren oder deren Ausscheidungen, insbesondere beim Enthäuten und Ausnehmen erlegten Wildes. Die Tularämie des Menschen ist daher in erster Linie eine Berufskrankheit von Jägern, aber auch von Köchen, Metzgern und Tierärzten. Infektionen von Landwirten durch infektiöse Stäube sind genauso beschrieben wie Infektionen nach Bissverletzungen. Eine Infektion über unzureichend erhitzte Nahrungsmittel oder kontaminiertes Wasser ist möglich.

Der Mensch ist für den Erreger sehr empfänglich. Für eine Infektion über Mund, Nase, Lidbindehaut oder kleine Haut- und Schleimhautverletzungen sind nur wenige Keime (10 - 50 Bakterien) notwendig.

Krankheitsbild beim Tier

Bei Tieren sind milde Formen mit lokaler Lymphknotenschwellung genauso möglich wie schwerwiegende, septikämische Verlaufsformen. Insbesondere bei Hasen, Kaninchen und Nagetieren sind seuchenhafte Verläufe mit hoher Sterblichkeit bekannt. Betroffene Tiere magern ab, zeigen struppiges Fell, schwankenden Gang und werden apathisch. Aufgrund von Entkräftung können sie ihre natürliche Scheu verlieren.

Krankheitsbild beim Menschen

Die Inkubationszeit wird mit 3 bis 10 Tagen angegeben, die Erkrankungsdauer mit 2 bis 3 Wochen, gefolgt von einer längeren Rekonvaleszenz.

Die Krankheit beginnt mit unspezifischen, grippeartigen Symptomen wie Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Mattigkeit. An der Eintrittsstelle entwickelt sich eine geschwürig zerfallende Papel. Die regionären Lymphknoten schwellen stark an und vereitern. Innere Organe können beteiligt sein (z. B. Lungenentzündung). Als besonders schweres Krankheitsbild ist die typhöse Form bekannt, die als Septikämie verläuft.

Nachfolgend aufgeführte Formen werden bei menschlichen Erkrankungen unterschieden (siehe Tab. 3)

Tab. 3: Formen der menschlichen Tularämie-Erkrankung
Betroffene Organsysteme
Ulceroglanduläre Form Geschwürig veränderte Hautläsion, Schwellung und Vereiterung der regionalen Lymphknoten
Glanduläre Form Schwellung und Vereiterung der regionalen Lymphknoten ohne Hautläsion
Oculoglanduläre Form Schwere Lidbindehautentzündung mit Beteiligung der Kopf-Lymphknoten
Oropharyngeale Form Entzündung von Mund, Rachen und Mandeln mit Beteiligung der Halslymphknoten
Pleuropulmonale Form Rippenfell- und Lungenentzündung
Gastrointestinale Form Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, blutige Durchfälle
Typhöse, septikämische Form Hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen, Hirnhautentzündung, Multiorganversagen

Eine erfolgreiche Behandlung ist besonders bei rechtzeitiger Diagnose mit Antibiotika gut möglich.

Diagnose

Tote Feldhasen können pathologisch-anatomisch, histologisch und bakteriologisch untersucht werden. Die Diagnose beim Menschen wird meist als klinische Verdachtsdiagnose mit dem Vorbericht „Kontakt zu Wildtieren“ gestellt. Eine Absicherung erfolgt am besten durch kulturellen Erregernachweis aus klinischem Probenmaterial in Speziallaboratorien. Die Kultur sollte durch den Genomnachweis mittels PCR direkt aus dem Probenmaterial ergänzt werden, da der Erreger nicht in jedem Fall anzüchtbar ist. In der Humanmedizin ist auch die serologische Diagnostik (Antikörpernachweis aus dem Blut) ein etabliertes Nachweisverfahren.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Vermeidung von ungeschütztem Kontakt zu Wildtieren
  • Vermeidung von ungeschütztem Kontakt zu Kadavern von Wildtieren
  • Einhalten der Arbeitshygiene beim Umgang mit Wildtieren und deren Produkten
  • Wildgerichte nur gut durchgegart verzehren

Gesetzliche Regelungen

Der Erregernachweis aus akuten menschlichen Erkrankungsfällen ist gemäß § 7 Abs. 1 des Infektionsschutzgesetzes meldepflichtig.

Die Tularämie bei Hasen und Kaninchen ist gemäß der Verordnung über meldepflichtige Tierkrankheiten dem zuständigen Veterinäramt zu melden.

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