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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Krankheitsbilder der Leptospirose

Mensch

Nach einer Inkubationszeit von fünf bis 14 (zwei bis 30) Tagen kommt es bei einem Wirt in der Regel zu einem zweiphasigen fieberhaften bis hochfieberhaften Verlauf. In der ersten Phase, der Leptospirämie, treten hohes Fieber, Schüttelfrost, Myalgien, Arthralgien, Konjunktivitiden, Exantheme, renale Reizsymptome und Meningismus auf. Es schließt sich ein kurzes, fieberfreies Intervall an, dem die zweite Phase, die Organmanifestation, folgt. Es treten nun die organtypischen Symptome wie Ikterus, Meningitis und Nephritis auf. Im Blut finden sich Antikörper, die Leptospiren werden mit dem Urin ausgeschieden. Der Krankheitsverlauf ist unterschiedlich. Es überwiegen die milden Verlaufsformen mit erkältungs- und grippeähnlichen Erscheinungen.

Rind

Weltweit gilt das Rind für Serovar Hardjo als Reservoirwirt. Ein Schwerpunkt in Bayern für Serovar Hardjo ist das Allgäu, wie eine am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) durchgeführte Dissertation gezeigt hat. Außerdem wurde die Serovar Grippotyphosa nachgewiesen. Schwere klinische Erkrankungen sind selten. Relevant sind Mastitiden sowie Placentididen, gefolgt von Aborten, Fruchtbarkeitsstörungen und Geburten lebensschwacher Kälber.

Schwein

Die bei dieser Tierart vorkommenden Leptospiren persistieren nicht nur in den Nierentubuli, sondern auch in den Geschlechtsorganen. Es werden gehäuft Antikörper gegen Serovar Bratislava nachgewiesen. Die beim Schwein am häufigsten auftretende Form, die chronische Leptospirose, geht einher mit Fruchtbarkeitsstörungen, z. B. Aborten, Geburt mumifizierter oder lebensschwacher Früchte und Umrauschen.

Pferd

Bei Pferden wird ein breites Spektrum von Antikörpern gegen Leptospiren gefunden, insbesondere gegen die Serovare Grippotyphosa und Bratislava. Klinisch im Vordergrund stehen Leistungsschwäche und relativ häufig auch die sogenannte Mondblindheit (Equine rezidivierende Uveitis, ERU). Untersuchungen der Chirurgischen Tierklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in Zusammenarbeit mit dem LGL bestätigen mittlerweile den Bezug einer Leptospireninfektion und der rezidivierenden equinen Uveitis. Früher auch u. a. als "periodische Augenentzündung" bezeichnet, führt sie bei Pferden weltweit am häufigsten zur Erblindung. Offensichtlich gelangen Leptospiren im Zuge einer Leptospirenallgemeininfektion während der Leptospirämie ins Auge, wo sie lange Zeit im Glaskörper – vergleichbar der Besiedelung der proximalen Nierentubuli in den Reservoirwirten – persistieren können. Interessant hierbei ist, dass gleichzeitig hohe Antikörpertiter im Glaskörper nachgewiesen werden können.

Hund

Die akute, ikterische Form der Leptospirose des Hundes verläuft mit Fieber, zentralnervösen und urämischen Symptomen. Abgeschlagenheit, Inappetenz, gastrointestinale Beschwerden sowie Krämpfe kennzeichnen den chronischen Verlauf. Bekannt ist die Stuttgarter Hundeseuche, eine Erkrankung mit hoher Mortalität, ausgelöst durch die Serovar Canicola, für das der Hund auch als Reservoirwirt gilt. Durch die in Deutschland meist durchgeführte Schutzimpfung ist diese Serovar weitgehend zurückgedrängt. Von Bedeutung scheint hingegen die Serovar Grippotyphosa.

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