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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Lebensmittelfarben und Azofarbstoffe – bunt wird es nicht nur in der Ostereierzeit

Rechtliche Grundlagen

Bunt gefärbte Eier

Für Lebensmittelfarbstoffe gilt wie für alle anderen Zusatzstoffe das sogenannte Verbotsprinzip mit Erlaubnisvorbehalt. Das bedeutet, dass nur diejenigen Farbstoffe verwendet werden dürfen, die eine Zulassung haben.

Grundvoraussetzung für die Zulassung ist die gesundheitliche Unbedenklichkeit. Die Verwendung von Lebensmittelfarbstoffen ist in der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung sowie in der EU-Richtlinie 94/36/EG über Farbstoffe, die in Lebensmitteln verwendet werden dürfen, geregelt.

Der Einsatz der Farbstoffe muss auf der Verpackung (in der Zutatenliste) und auch bei offenen Lebensmitteln deklariert sein. Bestimmte Farbstoffe dürfen nur in bestimmten Lebensmitteln eingesetzt werden. Beispielsweise darf Erythrosin nur bei Cocktailkirschen oder kandierten Kirschen eingesetzt werden, während Azofarbstoffe oder Chinolingelb für eine wesentlich breitere Produktpalette zugelassen sind. Alle zugelassenen Farbstoffe unterliegen einer Mengenbegrenzung.

Die Verwendung von Azofarbstoffen, die als Lebensmittelfarbstoffe zugelassen sind, und die Verwendung von Chinolingelb (E 104) wurden im Gesetzgebungsverfahren der Zusatzstoffregelung der EU eingehend diskutiert.

Anlass für eine erneute Diskussion über den Zusatz von bestimmten Farbstoffen zu Lebensmitteln war eine Studie der Universität Southampton, die von der britischen Behörde für Lebensmittelsicherheit FSA in Auftrag gegeben wurde. Diese Studie lieferte Hinweise darauf, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit Azofarbstoffen, Chinolingelb und auch bestimmten Konservierungsstoffen bei Kindern zu hyperaktiven Verhaltensweisen führen könnte. Verschiedene wissenschaftliche Gremien konnten einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von bestimmten Azofarbstoffen und den beobachteten Symptomen aus dieser Studie allerdings nicht zwingend ableiten.

Aus vorbeugendem gesundheitlichem Verbraucherschutz trug das EU-Parlament vor Inkrafttreten der EU-einheitlichen Regelung des Zusatzstoffrechts dieser Studie dahingehend Rechnung, dass ein Warnhinweis auf Lebensmitteln anzubringen ist, die entsprechende Farbstoffe beinhalten. Dieser lautet: "Kann die Aufmerksamkeit und Aktivität bei Kindern beeinträchtigen". Diese Regelung wurde in einem Anhang V zur VO (EG) Nr. 1333/2008 (EU-ZusatzstoffVO) verfügt und gilt ab Juli 2010.

Zahlreiche Süßwarenhersteller verwenden als Konsequenz der EU-weiten Neuregelung diese bestimmten Farbstoffe nicht mehr und versetzen ihre Produkte mit Lebensmittel- und Pflanzenextrakten.

Für Säuglings- und Kleinkindernahrung besteht schon immer ein separates und restriktives Zusatzstoffrecht, wonach keine künstlichen Farbstoffe zugesetzt sein dürfen, auch nicht über eine Zubereitung mit anderen Lebensmittelbestandteilen.

Gefärbte Eier

Gefärbte, hart gekochte Eier finden sich nicht nur zu Ostern im Handel. Die bunten Eier werden ganzjährig als sogenannte "Brotzeit-Eier" oder "Party-Eier" angeboten. Durch die Ei- Poren oder auch durch feine Risse in der Schale können beim Färben Farbstoffe auf das Eiweiß gelangen. Eier dürfen daher nicht mit beliebigen Farbstoffen gefärbt werden. Nur die nach Artikel 2 Absatz 9 der EU-Richtlinie 94/36/EG für das Färben von Eiern zugelassenen Farbstoffe dürfen verwendet werden (umgesetzt in deutsches Recht durch § 3 Absatz 3 ZZuIV).

Die Liste der zugelassenen Farbstoffe umfasst sowohl synthetische Farbstoffe (darunter auch Azofarbstoffe) als auch Farbstoffe, die aus natürlichen Quellen isoliert werden ("natürliche Farbstoffe"). So handelt es sich beispielsweise bei Annatto (E 160b) um Carotinoide, die durch Extraktion aus der äußeren Schicht der Samen des Orleanstrauches (Bixa orellana L.) gewonnen werden. Färbende Lebensmittel wie zum Beispiel Spinat (grün), Blaubeersaft (violett), Preiselbeersaft (rosa) oder Safran (gelb) zählen nicht zu den zulassungspflichtigen Farbstoffen und können ohne Einschränkung verwendet werden.

Bei gefärbten Eiern entfällt die künftige Kennzeichnungspflicht der Azofarbstoffe.

Bio-Eier

Für Bio-Eier gelten Sonderregeln. Als "Bio" oder "Öko" dürfen gefärbte, hart gekochte Eier nur bezeichnet werden, wenn sie den Anforderungen der EU-Verordnungen Nr. 834/2007 und Nr. 889/2008 entsprechen. Dabei muss das Ei im Einklang mit den Vorgaben dieser Verordnungen erzeugt, behandelt und verarbeitet sein. Zusatzstoffe, wie Farbstoffe, dürfen bei "Bio- /Öko-Lebensmitteln" nur dann verwendet werden, sofern sie durch die Verordnung Nr. 889/2008 ausdrücklich zugelassen sind. Für das Färben von "Bio/Öko-Eiern" wurden jedoch keine Farbstoffe zugelassen, weder synthetische Farbstoffe noch Farbstoffe, die aus natürlichen Quellen isoliert werden. Seit 1. Dezember 2007 konnten daher gekochte Eier, deren Schale mit Farbstoffen gefärbt worden war, nicht als "Bio-" oder "Öko-Eier" verkauft werden. "Bio- /Öko-Eier" durften lediglich mit färbenden Lebensmitteln gefärbt werden.

Mit der Verordnung Nr. 1254/2008 vom 15. Dezember 2008 hat die Europäische Union nun die in den Mitgliedstaaten zuständigen Behörden ermächtigt, Ausnahmen für das Färben von "Bio/Öko-Eiern" zuzulassen. Die zuständigen Behörden (in Bayern: Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft) dürfen demnach Farbstoffe für das Färben von "Bio- /Öko-Eiern" zulassen. Vorraussetzung für eine Zulassung ist, dass es sich um natürliche Farbstoffe (einschließlich synthetische Formen von Eisenoxiden und Eisenhydroxiden) handelt und die Zulassung nur für eine begrenzte Zeit im Jahr (Osterzeit) erteilt wird.

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