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Radioaktivität in Lebensmitteln
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- Herkunft der natürlichen und künstlichen Radioaktivität in unseren Lebensmitteln
- Umfang der Radioaktivitätsüberwachung
- Die Radioaktivität heute
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Rückblick
Zum Schutz der bayerischen Bevölkerung wurden wegen der Kernwaffenversuche der Atommächte bereits in den 50er Jahren Messungen der Umweltradioaktivität durchgeführt. Bei der Gründung der Europäischen Atomgemeinschaft EURATOM im Jahre 1957 verpflichtete sich die Bundesrepublik Deutschland zur Einrichtung der notwendigen Überwachung und zur regelmäßigen Berichterstattung über die Ergebnisse.
Der Bund ist seither für die Koordinierung und die Überwachung der Umweltbereiche Luft, Niederschläge, Bundeswasserstraßen und Meere; die Länder für alle anderen Umweltbereiche, wie Boden, Bewuchs, Wasser - insbesondere Trinkwasser - und Lebensmittel zuständig.
Aufgrund des Reaktorunfalls von Tschernobyl im Jahr 1986 wurde noch im gleichen Jahr das Strahlenschutzvorsorgegesetz (StrVG) erlassen und anschließend sofort das darin geforderte integrierte Mess- und Informationssystem (IMIS) zur Beschleunigung des Informationsflusses für die Bevölkerung aufgebaut.
Herkunft der natürlichen und künstlichen Radioaktivität in unseren Lebensmitteln
Die natürliche Radioaktivität ist schon immer vorhanden und bildet den Hauptanteil der in unserer Nahrung insgesamt vorhandenen Radioaktivität. Sie wird verursacht von radioaktiven Nukliden aus der Entstehungszeit irdischer Materie. Dazu gehören z. B. Kalium 40, die Uranisotope 235 und 238 und deren Zerfallsprodukte (z.B.: Radon 222, Radium 226 oder Thorium 232). Andere Radionuklide werden ständig in den obersten Schichten der Atmosphäre durch die kosmische Strahlung neu gebildet, wie zum Beispiel Tritium oder Kohlenstoff 14. Hier besteht ein gewisses Gleichgewicht zwischen deren radioaktivem Zerfall und ihrer Neubildung.
Die heute in unserer Umwelt vorhandene künstliche Radioaktivität rührt von den Kernwaffenversuchen und dem Reaktorunfall in Tschernobyl her. Besondere Auswirkungen auf den mitteleuropäischen Raum hatten die russischen Kernwaffenversuchsserien der Jahre 1961 und 1962. Die freigesetzten Radionuklide gelangten über die Atmosphäre zu uns und wurden durch Niederschläge ("Wash-out") oder als Staub ("Fall-out") auf Bewuchs und Boden abgelagert. Nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl waren die wichtigsten dosisrelevanten Radionuklide zunächst die radioaktiven Iodisotope mit etwa 40 % der damals insgesamt über Bayern abgelagerten Gesamtaktivität, deren Strahlung aufgrund der kurzen Halbwertszeiten aber schnell abnahm, und später dann die Cäsiumnuklide 137 und 134 (Halbwertszeiten 28 beziehungsweise zwei Jahre). Die Höhe der künstlichen Radioaktivität ist in den letzten Jahren durch den "radioaktiven Zerfall“ der Nuklide weitgehend zurückgegangen.
Umfang der Radioaktivitätsüberwachung
Die meisten Überprüfungen erfolgen aufgrund des bundesweiten Routinemessprogramms nach dem Strahlenschutzvorsorgesetz. Dabei werden routinemäßig alle Ernährungspfade, über die strahlende Nuklide vom Menschen aufgenommen werden können, überwacht. In Bayern wird dieses Programm durch Messungen von Wild und Pilzen erweitert. Weitere Proben stammen aus der Überwachung importierter Lebensmittel aus EU-Drittländern aufgrund der Verordnung (EWG) Nr. 737/90.
Als Orientierungswerte für die Beurteilung all dieser Proben dienen die in der Verordnung (EWG) Nr. 737/90 vom 22. März 1990 (kodifiziert durch die VO EG Nr. 733/2008) festgelegten Grenzwerte an Radiocäsium von 370 Bq/L bzw. Bq/kg für Milch und Kleinkindernahrung sowie 600 Bq/L bzw. Bq/kg für alle anderen Lebensmittel.
Die Radioaktivität in Lebensmitteln heute
Bayerische Lebensmittel weisen heute mit wenigen Ausnahmen wieder die niedrigen Radiocäsiumgehalte auf wie vor der Katastrophe von Tschernobyl. Milch, Milcherzeugnisse sowie landwirtschaftlich erzeugte Lebensmittel tierischer und pflanzlicher Herkunft aus Bayern enthalten weniger als 1 Bq/L beziehungsweise Bq/kg Radiocäsium.
Der Gehalt an natürlicher Radioaktivität, der überwiegend von Kalium 40 herrührt, beträgt seit eh und je circa 40-60 Bq/L in Milch, in Gemüse zwischen 30 und 150 Bq/kg und in Fleisch etwa 50 bis 150 Bq/kg.
Die folgende Tabelle zeigt eine Gegenüberstellung der Radioaktivitätsgehalte in unseren Lebensmitteln.
Tabelle: Natürliche und künstliche Radioaktivität in Lebensmitteln
| Lebensmittel | Natürliche Radioaktivität (als Kalium 40 Bq/L bzw. kg) | Künstliche Radioaktivität (als Cs 137 Bq/L bzw. kg) |
|---|---|---|
| Milch | 40-60 | n. n.1) – 1 |
| Fleisch Schwein | 30-140 | n. n.1) – 6 |
| Fleisch Rind | 50-150 | n. n.1) – 10 |
| Fleisch Kalb | 50-140 | n. n.1) – 7 |
| Fleisch Geflügel | 40-130 | n. n.1) – 1 |
| Gemüse | 30-150 | n. n.1) – 1 |
| Obst | 30-150 | n. n.1) – 1 |
| Haselnüsse | 186-272 | n. n.1) – 4 |
| Honig | 30-200 | n. n.1) – 100 |
1) n.n.= nicht nachweisbar, bei einer Nachweisgrenze < 1 Bq/kg Fleisch
Es gibt nur noch wenige Lebensmittel aus Bayern, die heute immer noch mit Radiocäsium belastet sein können: Wildpilze, Wildbret sowie in deutlich geringerem Umfang einzelne Wildbeeren- und Waldhonigproben.


