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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Höchstmengenregelungen für Mykotoxine in Lebensmitteln in der Europäischen Union (EU) und in Deutschland

EU-Höchstgehalte für Mykotoxine in Lebensmitteln

Grundsätzlich müssen Gehalte an (den oftmals krebserzeugenden) Mykotoxinen (Schimmelpilzgiften) so niedrig gehalten werden, wie dies für den Hersteller oder Verarbeiter technologisch möglich ist. Zur Sicherstellung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit kann bei krebserzeugenden Stoffen mit genotoxischer Wirkung prinzipiell keine einfache Wirkungsschwellendosis (LOAEL, NOAEL) definiert werden, sondern es muss das Minimierungsgebot ("as low as reasonably achievable"; ALARA-Prinzip bzw. "as low as technologically achievable"; ALATA-Prinzip) angewandt werden.

Dieser Grundsatz ist in Art. 2 Abs. 2 der Verordnung (EG) Nr. 315/1993 festgelegt, wonach die Kontaminanten auf so niedrige Werte zu begrenzen sind, wie sie „durch gute Praxis (…) sinnvoll erreicht werden können“. Nach Art. 2 Abs. 3 derselben Verordnung können zu diesem Zwecke von der EU-Kommission Höchstwerte festgelegt werden.

Die für Mykotoxine EU-weit gültige Verordnung dieser Art ist die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006, welche seit 1. März 2007 die Vorgänger-Verordnung (EG) Nr. 466/2001 ersetzt.

Darin enthalten sind u. a. Höchstgehalte zu Aflatoxinen (Aflatoxin B1 und Summengrenzwert für die Aflatoxine B1, B2, G1 und G2), Ochratoxin A, Patulin sowie zu den Fusarientoxinen Deoxynivalenol, Zearalenon und den Fumonisinen (Summengrenzwert für Fumonisine B1 und B2). Die Höchstgehalte zu den Mykotoxinen finden sich in Abschnitt 2 des Anhangs der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006. Unter 2.7 des Anhangs wurde für T-2- und HT-2-Toxin bisher noch kein Höchstgehalt festgelegt, auch wenn über die Notwendigkeit von dessen Festlegung gem. Erwägungsgrund (38) bis zum 1. Juli 2008 entschieden werden sollte, wobei die neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse über diese Toxine in Lebensmitteln zu berücksichtigen sind. Es ist anzunehmen, dass zum damaligen Zeitpunkt und bis heute noch eine Erhebung zusätzlicher Daten über das Vorkommen von T-2- und HT-2-Toxin sowie weitere Untersuchungen/Forschungen zu den Faktoren, die das Vorkommen von T-2- und HT-2-Toxin in Getreide und Getreideerzeugnissen, insbesondere in Hafer und Hafererzeugnissen, beeinflussen, notwendig sind (vgl. Erwägungsgrund (31)).

Die Höchstgehalte gelten grundsätzlich für den essbaren Anteil der im Anhang genannten Lebensmittel (Art. 1 Abs. 2 ). Allerdings gibt es hiervon gem. bestimmter Fußnoten Ausnahmen, wonach die Höchstgehalte auf die Trockenmasse oder das fertig zubereitete Erzeugnis zu beziehen sind.

Für getrocknete, verdünnte, verarbeitete oder zusammengesetzte Produkte, welche in der Verordnung nicht explizit genannt sind, müssen gem. Art. 2 für die Anwendung der Höchstgehalte spezifische Konzentrations- bzw. Verdünnungsfaktoren berücksichtigt werden.

Art. 3 sieht u. a. ein Vermischungsverbot vor, wonach Lebensmittel, bei denen die im Anhang festgelegten Höchstgehalte eingehalten werden, nicht mit Lebensmitteln vermischt werden dürfen, die diese Höchstgehalte überschreiten.

In der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 wird für die Anwendung der Höchstgehalte auf eine Probennahme nach der Verordnung (EG) Nr. 401/2006 Bezug genommen.

Für Mutterkornalkaloide (Ergotalkaloide), welche im weiteren Sinne auch als Mykotoxine zu zählen sind, sind in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 keine Höchstgehalte festgelegt.

Für Mutterkorn selbst existierte früher ein Höchstanteil nach der Verordnung (EG) Nr. 824/2000 von 0,05 % für Hartweizen, Weizen und Roggen (Brotgetreide). Nachdem durch die Verordnung (EG) Nr. 1784/2003 und Verordnung (EG) Nr. 1068/2005 eine Interventionsregelung von Roggen ausgesetzt wurde, gibt es mittlerweile gem. Verordnung (EG) Nr. 687/2008 nur noch einen Mutterkorn-Höchstanteil von 0,05 % (d. i. 500 mg/kg) für Hartweizen und Weizen.

Daraus lässt sich mit einem durchschnittlichen Gehalt von 0,2 % Mutterkornalkaloiden (d. i. 1 mg/500 mg) in reinem Mutterkorn ein Richtwert von 1.000 µg Mutterkornalkaloide (Summe)/kg Brotgetreide ableiten.

Deutsche Höchstgehalte für Mykotoxine in Lebensmitteln

Die zusätzlich in Deutschland gültigen Höchstgehalte für bestimmte Mykotoxine sind in der Verordnung zur Begrenzung der Kontaminanten in Lebensmitteln (Kontaminanten-Verordnung) zu finden, welche die ehemalige Mykotoxin-Höchstmengen-Verordnung zum 19. März 2010 ablöste.

Nach wie vor sind dort ein Aflatoxin B1- und ein Summen-Aflatoxin-(B1, B2, G1, G2)-Höchstgehalt für Lebensmittel allgemein festgelegt, welche nicht durch die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 erfasst sind. Außerdem bestehen nach Abschnitt 1 der Anlage Höchstgehalte für Ochratoxin A in Trockenobst und in Feigen.

Empfehlungen zur Vermeidung und Reduktion von Mykotoxinen

Für Fusarientoxine existiert außerdem die v. a. für Produzenten hilfreiche Empfehlung der Kommission 2006/583/EG mit einer Vielzahl von Hinweisen zur Vermeidung und Reduktion in Getreide und Getreideerzeugnissen.

Außerdem empfiehlt die EU-Kommission in der Empfehlung 2006/576/EG auch in Bezug auf die Tiergesundheit und den möglichen Eintrag in die Nahrungsmittelkette beim Menschen Richtwerte für Mykotoxine in zur Verfütterung an Tiere bestimmte Erzeugnisse.

Verordnungen und Empfehlungen

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