Eichenprozessionsspinner
In den Jahren 2003/2004 hatten in Bayern nur wenige nordbayerische Gemeinden Probleme mit dem Befall des Schmetterlings „Eichenprozessionsspinner“. Allerdings wurde von der Forstverwaltung 2003 bereits vermutet, dass im Zuge der Klimaveränderung mit wärmeren und trockeneren Sommern die Populationsdichte für den Eichenprozessionsspinner und gegebenenfalls das Ausbreitungsareal in Bayern zunehmen könnte. Diese Prognose und jährlich wiederkehrende umweltmedizinische Einzelanfragen haben das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Jahr 2005 dazu bewogen, durch eine Umfrage bei allen Landratsämtern die umweltmedizinische Bedeutung dieses Schmetterlings zu erfassen. Damals war vielen Landratsämtern nicht einmal der Name geläufig. In den letzten Jahren haben immer mehr nordbayerische Gemeinden mit diesem Problem zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund wurden im Jahr 2006 die drei fachlich betroffenen Landesämter von den zuständigen Ministerien beauftragt, ein Fachkonzept für Behörden mit den Themen Vorkommen, Ausbreitung, Überwachung, Prognose, Expositionsmöglichkeiten, Bekämpfungsmaßnahmen und Schutz der Bevölkerung und Risikogruppen wie z.B. Waldarbeitern zu erstellen.
- Zoologische Systematik- Familie der Prozessionsspinner
- Biologie und Entwicklung des Eichenprozessionsspinners
- Gesundheitliche Folgen nach Schmetterlingskontakt
- Umweltmedizinische Bedeutung des Eichenprozessionsspinners in Bayern im Jahr 2005
- Vorkommen des Eichenprozessionsspinners
- Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners
- Aufklärung der Öffentlichkeit
- Offene Fragen
- Weiterführende Literatur
- Mehr zu diesem Thema
Zoologische Systematik- Familie der Prozessionsspinner
In der Ordnung Schmetterlinge gibt es die Familie „Prozessionsspinner (Thaumetopoeidae)“. Sie haben ihren deutschen Namen davon, dass sie als Raupen oft in reihenförmigen Kolonien „Prozessionen“- umherwandern.

Es gibt cirka 100 verschiedene Arten. Bekannte Vertreter in Europa sind der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.), Pinienprozessionsspinner (auch Fichtenprozessionsspinner) (Thaumetopoea pityocampa) und der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora). Alle drei Arten sind Forstschädlinge.
In der Tabelle 1 sind wesentliche Informationen, z.B. zum Vorkommen der Prozessionsarten, zusammengefasst. In Deutschland spielt nur der Eichenprozessionsspinner eine Rolle.
Tabelle 1: Übersicht über wesentliche Informationen zu den drei Prozessionsspinnerarten
| Art | Wirtspflanze | Vorkommen | Bayern |
|---|---|---|---|
| Pinienprozessionsspinner | Nadelbäume wie Pinien, Fichte, Föhre | Mittelmeerländer (wie Tunesien, Algerien, Marokko, Spanien, Italien, Griechenland, Portugal) und Schweiz | nein |
| Kiefernprozessionsspinner | Kiefern | südliche europäische Länder (z.B. Südtirol, Türkei), Naher Osten und Nordafrika | nein |
| Eichenprozessionsspinner | Stiel-, Traubeneiche, Amerikanische Roteiche | Zentral- und Südeuropa (Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Niederlande, England) | ja |
Biologie und Entwicklung des Eichenprozessionsspinners

Abbildung 2: Eigelege des Eichenprozessionsspinners (Bild zur Verfügung gestellt von Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft)
Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtschmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. Der adulte Falter hat eine Flügelspannbreite von 25 bis 30 mm. Sie haben hellgraue/graubraune Vorderflügel mit dunklen Querbinden und weißgraue Hinterflügel. Der Falter ist in den „Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Bayern“ abgebildet.
Ein Weibchen legt 100 bis 200, cirka 1 mm große weiße Eier ausschließlich im oberen Kronenbereich von Eichen. Für die Eiablage sucht sich der Schmetterling meist freistehende, ältere Bäume am Waldrand, auf Feldern oder Wiesen aus. Die Gelege werden mit grauen Schuppen in der Farbe der Eiche und Sekret getarnt.
Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen. Auf der breiten Rückenlinie liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langhaarigen Warzen. Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung (Zeitspanne 66 bis 87 Tage). Ältere Raupen (nach der zweiten Häutung) besitzen kurze und lange Härchen, wobei die kurzen Härchen als Brennhaare (Setae) ausgebildet sind. Die Brennhaare, die einen Giftstoff vergleichbar dem Thaumetopoein des Pinienprozessionsspinners enthalten, schützen die Raupen vor Fressfeinden wie z.B. Vögeln, Säugetieren. Von Beginn an leben sie in geselligen Familienverbänden und sammeln sich in jüngeren Stadien an locker zusammen gesponnen Blättern oder Zweigen an. Die typischen Nester werden erst in späteren Raupenstadien gebaut.
Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester am Stamm und in Astgabelungen zurück. Diese sind bis zu 1 m lang. Vom Nest aus begeben sich die Raupen wie in einer Prozession zur Nahrungssuche. Jüngere Raupen gehen eher im Gänsemarsch, ältere Tiere können in mehreren Reihen (20 bis 30 Raupen) nebeneinander her wandern und Bänder von 10 m Länge bilden. Ende Juni/Anfang Juli erfolgt die Verpuppung in Kokons im Gespinstnest. Die Brennhaare werden bei diesem Prozess zwar abgelöst, werden jedoch in die Kokons mit eingesponnen. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben.
Gesundheitliche Folgen nach Schmetterlingskontakt
Die meisten Raupen der schätzungsweise 165.00 weltweit vorkommenden Schmetterlingsarten sind nach Diaz (2005) ungefährlich für den Menschen. Erste Berichte über Reaktionen an der Haut nach Raupenkontakt stammen aus dem Jahr 1948. Gesundheitlichen Auswirkungen nach Raupenhaar-, seltener Puppenkontakt oder nach Kontakt mit dem adulten Schmetterling werden von etwa 200 Schmetterlingsarten in der Literatur unter den Begriffen Raupendermatitis (Erukismus) oder Leptidopterismus berichtet (Lee et al. 1999; Diaz 2005; Redd et al. 2007; Balit et al. 2004; Utikal et al. 2008). Von Utikal et al. 2008 wird Lepidopterismus wie folgt definiert: Krankheitserscheinungen, die beim Kontakt mit Brennhaaren von Insekten der Ordnung Schmetterling (Lepidoptera) auftreten. Vertreter wie Bärenspinner, Schwammspinner (Schöfer 1994), Gummimotte (Chelepteryx collesi) (Balit et al. 2004), Grasbüschelmotte (Lophocampa caryae) (Kuspis et al. 2001), Bienenmotte (Asero et al. 2007), Wachsmotte (Galleria mellonella) (Madero et al. 2007), Zigeunermotte (Lymantria dispar) und Prozessionsspinner (Rufli 2005) können Raupendermatitis verursachen. In einer neuen Arbeit wird zum ersten Mal eine Raupendermatitis als Primärereignis nach dem Kontakt eines Hundes mit einem Nest des Eichenprozessionsspinners beim Spaziergang im Winter und sekundär in der Folge die Raupendermatitisentwicklung bei der Hundebesitzerin beschrieben (Maronna et al. 2008).
Raupendermatitis nach Prozessionsspinnerkontakt – Krankheitszeichen
Wenn der Mensch mit den Brennhaaren der Raupen, den Häutungsresten bzw. den Nestern in Kontakt kommt, entsteht durch mechanische Reizung der Haut (toxisch-irritative Dermatitis) eine Hautentzündung, die sehr häufig beobachtet wird. Hierfür werden die Thaumetopoein-ähnliche Substanz und weitere Kinine aus den Brennhaaren sowie Histamin verantwortlich gemacht (Utikal et al. 2008). Die Hautentzündung ist geprägt durch starken Juckreiz (Pruritus), Hautrötung (Erythem), Quaddeln (Kontakturticae) und Bläschen, vor allem an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien wie z.B. untere Extremitäten, Hals, Gesicht) (Utikal et al. 2008, Maronna et al. 2008). Manchmal bilden sich insektenstichähnliche Knötchen bzw. Papeln. Die Krankheitsdauer liegt bei 2 Tagen bis 2 Wochen.
In einer Arbeit wird über zwei epidemiologisch zusammenhängende Fälle von toxisch-irritativer Dermatitis nach Kontakt mit Kiefernprozessionsspinnerraupen in Portugal berichtet.


Copyright bei W. Spiegel; Abbildung 3 und 4: Hautreaktionen nach Kontakt mit Eichenprozessionsspinner
Weitere Krankheitsbilder nach Kontakt mit Prozessionsspinnern
Folgende zusätzlichen Symptome werden nach Prozessionsspinnerexposition vor allem an der Haut und am Auge beschrieben:
- Allergische Reaktionen der Haut
Neben den erwähnten toxisch-irritativen Reaktionen wurde bei Erwachsenen und Kindern mit Erkrankungen nach Kontakt mit dem Pinienprozessionsspinner in Mittelmeerländern ein allergenes Potential nachgewiesen. So wurden IgE-Antikörper gegen Thaumetopoein (28 kDA-Protein) und andere ähnlich allergene Proteine (unter 20 kDa und über 30 kDA) im Immunoblot und Sensibilisierungen im Pricktest festgestellt (Lamy et al. 1083, Lamey et al. 1986; Werno und Lamy 1993; Rebollo et al. 2002; Vega et al. 1999, 2000a,b, 2004; Fuentes Aparicio et al. 2006). Die Patienten hatten häufig eine Nesselsucht vorwiegend im Nackenbereich und an den Armen (Vega et al.2000), auch Schwellungen (Ödeme) vor allem der Augenlider wurden beobachtet (Vega et al. 2000; Inal et al. 2006) und die Krankheitssymptome setzen bereits nach 15 bis 60 Minuten ein. (Vega et al. 2000).
Beim Eichenprozessionsspinner gibt es lediglich epidemiologische Untersuchungen zur Häufigkeit von beobachteten Erkrankungssymptomen nach Exposition gegen diese Raupen (Maier et a. 2003; Hesler et al. 1999; Gottschling et al. 2007). Allergologische Untersuchungen zum sensibilisierenden Potential fehlen. - Augenbindehautentzündung/Hornhautentzündung und Ophthalmia nodosa
Gelangen die Raupenhaare ins Auge kommt es dort zu einer akuten Bindehautentzündung (Konjunktivitis) mit Rötung, Lichtscheuheit und starker Schwellung der Augenlider (Vega et al. 2000; Inal et al. 2006). Wenn sich die Brennhaare durch die Hornhaut bohren, ist Hornhautentzündung (Keratitis) die Folge. Für den Pinienprozessionsspinner wird zudem in seltenen Fällen das Krankheitsbild „Ophthalmia nodosa“ beschrieben. Es handelt sich um schwere Entzündungen des Augeninneren, bei der granulomatöse Ansammlungen auf der Horn- oder Regenbogenhaut infolge des Eindringens der Brennhaare auftreten (Martin et al. 1986; Conrath et al. 2000). - Entzündungen im Rachenbereich und den oberen Luftwegen
Das Einatmen der Brennhaare kann zu Entzündungen im Rachenbereich (Laryngitis/Pharyngitis) und in den Bronchien (Bronchitis) führen (Maier et al. 2003; Faulde und Dötsch 2005). In einigen Fällen wurde über allergisches Asthma bei Patienten mit hyperreaktivem Bronchialsystem berichtet, das über Provokation mit Pinienprozessionsspinnerantigenen bestätigt wurde (Fuentes et al. 2006; Utikal et al. 2008). - Zusätzliche Symptome
Gastrointestinale Beschwerden, Schwindel, Schüttelfrost, Fieber und anaphylaktische Reaktionen werden in Einzelfällen in der Literatur beschrieben (Faulde und Dötsch 2005; Utikal et al. 2008; Maronna et al. 2008).
Umweltmedizinische Bedeutung des Eichenprozessionsspinners in Bayern im Jahr 2005
Aus einer aktuellen Umfrage an 76 bayerischen Landratsämtern (73 Rückantworten) ergibt sich folgendes Bild:
Nur in den Regierungsbezirken Mittel-, Ober- und Unterfranken hatten die Gesundheitsämter in den Jahren 2004 und 2005 häufiger und in Schwaben vereinzelt Anfragen wegen gesundheitlicher Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner (s. Abbildung 5 und 6). Insgesamt betrug die Zahl der Anfragen in Bayern durchschnittlich 600/Jahr.


Zudem wurden vom LGL klinisch tätige Haut- und Augenärzte in allen Regierungsbezirken und in ausgewählten Regionen von Unter-, Mittel- und Oberfranken auch die niedergelassenen Haut- und Augenärzte befragt (s. Abbildung 7a und b). Insgesamt wurden ca. 200 Hautärzte und ca. 300 Augenärzte angeschrieben. Davon haben 43 % der angeschriebenen Augenärzte und 29 % der Hautärzte geantwortet. Die Befragung der Ärzte ergab ebenfalls die Beschränkung der Problematik vornehmlich auf die Regierungsbezirke Mittel-, Unter- und Oberfranken. In Mittelfranken suchten in den Jahren 2004 und 2005 ca. 470 Patienten die Sprechstunde von 18 niedergelassenen Hautärzten oder der Ambulanz dreier dermatologischen Kliniken auf, um sich wegen Hautreaktionen nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner behandeln zu lassen.


Zu berücksichtigen ist, dass es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, sondern nur bestimmte Fragen geklärt werden sollten wie z.B.:
- Eingrenzung von "Problemregionen" in Bayern,
- Häufigkeiten von Patientenkontakten im Jahr 2004 und 2005 und
- Schweregrade von Krankheitsbildern.
Wie Abbildung 8 a, 8 b und 9 zeigen, gingen Personen in den Landkreisen Erlangen, Fürth, Bad Windsheim, Nürnberg, Bamberg, Forchheim, Würzburg, Aschaffenburg und Miltenberg sehr viel häufiger wegen Symptomen an der Haut zum Arzt. Insgesamt wurden 187 Patientenkontakte bei den Hautärzten bzw. 8 bei den Augenärzten im Jahr 2004 berichtet. Als häufige Diagnosen werden toxisch-irritative Dermatitis und Urticaria angegeben. Von den Hautärzten wird das Auftreten von Laryngitis/Pharyngitis, Bronchitis und Ödem als selten eingeschätzt. Zwei niedergelassene Ärzte "melden" eine Allergie vom Soforttyp, ohne eine entsprechende immunologische Testung vorgenommen zu haben, wahrscheinlich infolge einer Streureaktion an der Haut. Allergische Schockzustände werden verneint.
Von einer Münchner Klinik wird ein Fall einer Patientin berichtet, die regelmäßigen Kontakt mit dem Pinienprozessionsspinner in Griechenland hatte. Sie wurde mit einem selbst erzeugten Pricktest aus "Pinienprozessionsspinnerraupenantigenen" getestet. Da keine Kontrollpersonen getestet wurden, konnte die Diagnose "Allergie vom Soforttyp" nicht gesichert werden.
Bei den Augenärzten wird bei den 14 Patientenkonsultationen in den Jahren 2004 und 2005 als Diagnose Konjunktivitis/Keratitis berichtet. Das in der Literatur beschriebene schwere Krankheitsbild "Ophthalmia nodosa" wurde in der Umfrage nicht angegeben.



Vorkommen des Eichenprozessionsspinners
Deutschlandweit sind in der Karte des Julius Kühn-Instituts aus dem Jahr 2007 Bereiche mit Eichenprozessionsspinnerbefall dargestellt.
In Bayern werden im Wald die Befälle erfasst und sind über die Internetseite der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft einsehbar.
Nach der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF (2007) war eine erhebliche Tendenz zur Ausweitung des Befallgebietes festzustellen. In Bayern sind derzeit bekannte Verbreitungsgebiete die warm-trockenen Regionen Unterfrankens, Teile Mittelfrankens sowie das westliche Oberfranken. Auch aus dem westlichen Schwaben liegen Befallsmeldungen vor.
Zudem erfassen einzelne bayerische Behörden zum Teil in regionalen Karten die Stärke des Befalls im Forstbereich, aber auch zum Teil im öffentlichen Grün.
Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners
Die Beurteilung der Notwendigkeit und Wahl der Bekämpfungsmaßnahmen fällt nicht in die Zuständigkeit der Gesundheitsbehörden. Deshalb werden hierzu nur Basisinformationen angeführt. Für alle bayerischen Behörden wird dieses Thema ausführlich in den Informationen zum Eichenprozessionsspinner dargestellt. Grundsätzlich kommen bei der Bekämpfung von Raupennestern und Raupen folgende Maßnahmen in Frage:
- Mechanische Abwehrverfahren,
- Chemische Abwehrmaßnahmen und
- Fällung von befallenen Bäumen.
Chemische Abwehrmaßnahmen:
In Deutschland ist das Pflanzenschutzmittel Dipel ES als Insektizid auf mikrobiologischer Basis für diverse Anwendungen z.B. im Forst, Ackerbau, Wein-, Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenbau zugelassen. Im Pflanzenschutzmittel Dipel ES ist ein bestimmter Stamm des Bacillus thuringiensis kurstaki enthalten. In Brandenburg wurde der Eichenprozessionsspinner im Jahr 2004 auf einer Waldfläche von ca. 70 ha und im Jahr 2008 von ca. 270 ha mit Dipel ES bekämpft (persönliche Mitteilung Landesanstalt Eberswalde 2008). In Baden-Württemberg wurden im Forst in den Jahren 1996 bis 2006 auf Waldflächen mit Größen zwischen 12 und 656 ha mit gleichzeitigen Massenvermehrungen von Eichenprozessionsspinner, Forstspanner, Eichenwickler und Schwammspinner die Forstschädlinge mit Dipel ES mit dem Hubschrauber bekämpft.
In Deutschland ist Diflubenzuron als wasserdispergierbares Granulat mit 80% Wirkstoffanteil formuliert (800 g/kg Diflubenzuron) (s. Sicherheitsdatenblatt Dimilin 80WG). Der Wirkstoff ist als Pflanzenschutzmittel im Forst, Gemüsebau (Champignonzucht) und Zierpflanzenanbau zugelassen. Im Forst findet es gegen verschiedenste Schadorganismen wie bestimmte Schmetterlingsraupen und Blattwespen auf Nadel- und Laubholz Anwendung (Schönfeld et al. 2006). In Eichenwäldern werden mit Diflubenzuron Schwamm- und Eichenprozessionsspinner mittels Luftfahrzeugen (Hubschraubern) je nach geographischer Lage Ende April bis Mitte Mai bei trockener Witterung bekämpft (Schönfeld et al. 2006).
Nach Schönfeld et al. (2006) wurden im Jahr 2005 insgesamt 3.500 ha Wald mit Dimilin 80WG behandelt. Die Konzentration betrug 15g Dimilin/ha. Im Jahr 2007 kam in Brandenburg auf einer Waldfläche von 170 ha Dimilin zum Einsatz (Bekämpfung per Helikopter), da in nicht überwachten Beständen eine massive Populationszunahme beobachtet wurde (pers. Mitteilung Landesanstalt Eberswalde 2008). Bei Anwendung dieses Pflanzenschutzmittels gelten strenge Auflagen der pflanzenschutzrechtlichen Zulassung wie z.B. „Das Wiederbetreten der behandelten Flächen/Kulturen ist am Tage der Applikation nur mit persönlicher Schutzausrüstung möglich, die für das Aufbringen des Mittels vorgegeben ist. Nachfolgearbeiten auf/in behandelten Flächen/Kulturen dürfen grundsätzlich erst nach 24 Stunden nach Ausbringung des Mittels durchgeführt werden“.
Aufklärung der Öffentlichkeit
Mit der zunehmenden Verbreitung des Schädlings stieg in den letzten Jahren auch das öffentliche Interesse an. Deshalb entstanden zahlreiche Merkblätter (Anlage 2), unterrichten Behörden die Bürgerinnen und Bürger mittels Pressemitteilungen, Internetangebote (Anlage 1) und bei Messen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie z.B. der Bayerischen Klimawoche.
Offene Fragen
Die Expositionen des Menschen gegen den Eichenprozessionsspinner sind bisher nicht ausreichend charakterisiert und eine für unterschiedliche Expositionsszenarien differenzierte Gefährdungsabschätzung Exponierter folglich nicht machbar. Es fehlen bisher Untersuchungen über die Verbreitung von Brennhaaren in Umweltmedien wie Außenluft, Innenraumluft, Oberboden, da keine geeigneten Nachweisverfahren für Setae zur Verfügung stehen. Derzeit wird zwar den Härchen des Eichenprozessionsspinners ein allergie- auslösendes Potential analog den Härchen des Pinienprozessionsspinners unterstellt, wissenschaftliche Untersuchungen an entsprechenden Kollektiven liegen bisher aber nicht vor.
Weiterführende Literatur
Zur Gesamtthematik:
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Bayerisches Landesanstalt für Landwirtschaft und Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit „Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Bayern“
Zur gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Schmetterlinge und Prozessionsspinner
- Arlian, L.G.: Arthropod Allergens and Human Health. Ann Rev Entomol 47(2002), 395-433
- Asero, R., Mistrello, G., Roncarolo, D., Amato, S.: Respiratory and Skin Allergy to Galleria mellonella (Bee Moth). Allergy and Immunology 145 (2008), 340-342
- Balit C.R., Geary, M.J., Russel, R.C., Isbister, G.K.: Clinical effects of exposure to the White-stemmed gum oth (Chelepteryx collesi). Emergency Medicine Australia 16, 74-81 (2004)
- Conrath, J., Hadjadi, E., Balansard, B., Ridings, B.: Caterpillar Setae-Induced Acute Aterior Uveitis: A Case Report. Am J Opthalmol 130 (2000), 841-43
- Diaz, J.: The Evolving Global Epidemiology, Sydromic Classification, Management, and Prevention of Caterpillar Envenoming. Am J Trop Med Hyg 72(3) (2003), 347-57
- Faulde, M., Dötsch, W.: Toxisch-irritative Dermatitis durch Prozessionsspinneraupen nach Portugalaufenthalt. Allergologie 28(7) (2005), 290-295
- Fuentes Aparicio, A., deBarrio Fernandez, M., Rubio Sotes, M. Rodriguez Paredes, A., Martinez Molero, M.I., Zapatero Remon L., Bartolome Zavala B.: Non-occupational allergy caused by the pine processionary caterpillar (Thaumetopoea pityocampa). Allergol Immunopathol (Madr.) 32 (2004), 69-75
- Gottschling, S., Meyer, S., Dill-Mueller, D., Wurm, D., Gortner, L.: Outbreak Report of Airbone Caterpillar Dermatitis in a Kindergarten. Dermatology 215 (2007),:5-9
- Hesler, L.: Acute Dermatitis from Oak Processionary Caterpillars in a U.S. Military Community in Germany. Military Medicine 164(11) (1999), 767-770
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- Inal, A., Altintas, U., Güvenmez, H.K., Yilmaz, M., Kendirli, S.G.: Life-threatening facial edema due to pine caterpillar mimcking an allergic event. Allergol et Immunopathol 34(4) (2006), 171-173
- Lamy, M., Vincendeau, Ph. Ducombs, G., Pastureaud, M.H.: Irritating substance extracted from the Thaumetopoea pityocampa caterpillar; mechanism of action. Experientia 39 (1983), 299
- Lamy, M., Pastureaud, M.H., Novak, F., Ducombs, G., Vincendeau, P., Maleville, J., Texier, L.: Thaumetopein: An Urticating Protein from the Hairs and Integument of the Pine Processionary Caterpilar (Thaumetopoea Pitocympa Schiff., Lepidoptera, Thaumetopoedia). Toxicon 24(4) (1986), 347-56
- Lee, D., Raymond, D., Casselbrant, L.: Oropharyngeal Manifestations of Lepidopterism. Arch Otolaryngol Head Neck Surg 125 (1999), 50-52
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- Schöfer, H.: Schwammspinner-Raupendermatitis. Akt Dermatol 20 (1994), 241-44
- Utikal, J., Booken, N., Peitsch, W.K., Kemmler, N., Goebeler, M., Goerdt, S.: Lepidopterismus. Ein zunehmendes Hautproblem in klimatisch wärmeren Regionen Deutschlands. Hautarzt (2008) DOI 10.1007/s001505-008-1567-2, 1-3
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Zur Verbreitung und Bekämpfung des Prozessionsspinners
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- De Amorim, G.V., Whittcome, B., Shore, B., Levin, D.B.: Identification of Bacillus thuringiensis subsp. kurstaki Strain HD-1-Like Bacteria from Environmental and Human Samples after Aerial Spraying of Victoria, British Columbia, Canada, with Foray 48B. Appl Environmental Microbiology 67(3), 1035-43 (2001)
- Damgaard, P.H.: Diarrhoeal enterotoxin production by strains of Bacillus thuringiensis isolated from commericial Bacillus thuringiensis-based insecticides. FEMS Immunol Med Microbiol 12, 245-250 (1995)
- Damgaard, P.H., Granum, P.E., Bresciani, J., Torregrossa, M.V., Eilenberg, J., Valentino, L.: Characterization of Bacillus thuringiensis isolated from infections in burn wounds. FEMS Immunol Med Microbiol 18 (1997), 47-53
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- Glare, T.R., O'Callaghna: Bacillus thuringiensis. Biology, Ecology and Safety. Wiley, Chichester (2000)
- Landesanstalt für Landwirtschaft und Forsten (LWF): Dem Eichenprozessionsspinner im Internet auf der Spur. LfW aktuell 58 (2007),16-17
- Miller DR., Yendol WE., Ducharme KM., Maczuga S. Reardon RC., McManus MA.: Drift of aerially applied diflubenzuron over an oak forest. Agricultural and Forest Meterology 80 (1996), 165-176.
- Robert Koch-Institut: Lebensmittelbedingte Erkrankungen. Gesundheitsberichtserstattung des Bundes Heft 01/02, 9
- Rosenquist, H., Smidt, L., Andersen, S.R., Jensen, G.B., Wilcks, A.: Occurence and significance of Bacillus cereus and Bacillus thuringiensis in ready-to-eat food. FEMS Microbiol Letters 250, 129-136 (2005)
- Sicherheitsdatenblätter für Dipel ES und Dimilin 80WG unter
- Schönfeld, F., Hacker H., Bußler H., Gruppe A., Schlumprecht H., Goßner M., Müller J.: Einfluss des Häutungshemmers Diflubenzuron auf die Fauna von Waldslebensgemeinschaften. Forstlicher Forschungsberichte 201/2006, München, ISSN 0174-1810: 1-185
- Teschke K., Chow Y., Barlett, K., Ross, A., van Netten C.: Spatial and Temporal Distribution of Airborne Bacillus thuringiensis var. kurstaki during an Aerial Spray Programm for Gypsy Moth Eradication. Environ Health Perspec 109(1), 47-53 (2001)
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- US Environmental Protection Agency (EPA): EPA R.E.D. Facts Diflubenzuron. EPA-738-F-97-008. August 1997
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Mehr zu diesem Thema
Weitere Informationen
- Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft: Verbreitung im bayerischen Wald, Pressemitteilungen, Merkblatt und PowerPoint-Folien
- Julius Kühn-Institut: Kartierung des Vorkommens des Eichenprozessionsspinners in Deutschland, Faltblatt, Presseerklärungen (PDF, 245 KB)
- Informationen der BG Bau (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft) zum Eichenprozessionsspinner
- Informationen des DGK (Deutsches Grünes Kreuz für Gesundheit) zum Eichenprozessionsspinner
Merkblätter über den Eichenprozessionsspinner:
- Merkblatt des Landkreises Ansbach (PDF, 370 KB)
- Merkblatt des Landratsamtes Miltenberg (PDF, 32KB)
- Informationen des Landkreises Konau-Ries
- Informationen der freiwilligen Feuerwehr Leinfelden-Echterdingen
- Informationen des Pflanzenschutzamts Berlin (PDF, 216 KB)
- Informationen des Julius Kühn-Instituts
- Informationen des Pflanzenschutzdienstes des Landes Brandenburg (PDF, 2,6 MB)
- Informationen des Landesbetriebs Saar Forst


