Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Eichenprozessionsspinner

In den Jahren 2003/2004 hatten in Bayern nur wenige nordbayerische Gemeinden Probleme mit dem Befall des Schmetterlings „Eichenprozessionsspinner“. Allerdings wurde von der Forstverwaltung 2003 bereits vermutet, dass im Zuge der Klimaveränderung mit wärmeren und trockeneren Sommern die Populationsdichte für den Eichenprozessionsspinner und gegebenenfalls das Ausbreitungsareal in Bayern zunehmen könnte. Diese Prognose und jährlich wiederkehrende umweltmedizinische Einzelanfragen haben das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit im Jahr 2005 dazu bewogen, durch eine Umfrage bei allen Landratsämtern die umweltmedizinische Bedeutung dieses Schmetterlings zu erfassen. Damals war vielen Landratsämtern nicht einmal der Name geläufig. In den letzten Jahren haben immer mehr nordbayerische Gemeinden mit diesem Problem zu kämpfen. Vor diesem Hintergrund wurden im Jahr 2006 die drei fachlich betroffenen Landesämter von den zuständigen Ministerien beauftragt, ein Fachkonzept für Behörden mit den Themen Vorkommen, Ausbreitung, Überwachnung, Prognose, Expositionsmöglichkeiten, Bekämpfungsmaßnahmen und Schutz der Bevölkerung und Risikogruppen wie z.B. Waldarbeitern zu erstellen.



Zoologische Systematik- Familie der Prozessionsspinner

In der Ordnung Schmetterlinge gibt es die Familie „Prozessionsspinner (Thaumetopoeidae)“. Sie haben ihren deutschen Namen davon, dass sie als Raupen oft in reihenförmigen Kolonien „Prozessionen“- umherwandern.

Eichenprozessionsspinner an einem Baum
Abbildung 1: Prozession des Eichenprozessionsspinners (Bild zur Verfügung gestellt von Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft)

Es gibt cirka 100 verschiedene Arten. Bekannte Vertreter in Europa sind der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.), Pinienprozessionsspinner (auch Fichtenprozessionsspinner) (Thaumetopoea pityocampa) und der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetophoea pinivora). Alle drei Arten sind Forstschädlinge.
In der Tabelle 1 sind wesentliche Informationen, z.B. zum Vorkommen der Prozessionsarten, zusammengefasst. In Deutschland spielt nur der Eichenprozessionsspinner eine Rolle.

Tabelle 1: Übersicht über wesentliche Informationen zu den drei Prozessionsspinnerarten

Art Wirtspflanze Vorkommen Bayern
Pinienprozessionsspinner Nadelbäume wie Pinien, Fichte, Föhre Mittelmeerländer (wie Tunesien, Algerien, Marokko, Spanien, Italien, Griechenland, Portugal) und Schweiz nein
Kiefernprozessionsspinner Kiefern südliche europäische Länder (z.B. Südtirol, Türkei), Naher Osten und Nordafrika nein
Eichenprozessionsspinner Stiel-, Traubeneiche, Amerikanische Roteiche Zentral- und Südeuropa (Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Niederlande, England) ja

Biologie und Entwicklung des Eichenprozessionsspinners

Eichenprozessionsspinner Eigelege am Baumast

Abbildung 2: Eigelege des Eichenprozessionsspinners (Bild zur Verfügung gestellt von Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft)

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtschmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. Der adulte Falter hat eine Flügelspannbreite von 25 bis 30 mm. Sie haben hellgraue/graubraune Vorderflügel mit dunklen Querbinden und weißgraue Hinterflügel. Der Falter ist in den „Informationen zum Eichenprozessionsspinner in Bayern“ abgebildet.
Ein Weibchen legt 100 bis 200, cirka 1 mm große weiße Eier ausschließlich im oberen Kronenbereich von Eichen. Für die Eiablage sucht sich der Schmetterling meist freistehende, ältere Bäume am Waldrand, auf Feldern oder Wiesen aus. Die Gelege werden mit grauen Schuppen in der Farbe der Eiche und Sekret getarnt.

Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen. Auf der breiten Rückenlinie liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langhaarigen Warzen. Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung (Zeitspanne 66 bis 87 Tage). Ältere Raupen (nach der zweiten Häutung) besitzen kurze und lange Härchen, wobei die kurzen Härchen als Brennhaare (Setae) ausgebildet sind. Die Brennhaare, die einen Giftstoff vergleichbar dem Thaumetopoein des Pinienprozessionsspinners enthalten, schützen die Raupen vor Fressfeinden wie z.B. Vögeln, Säugetieren. Von Beginn an leben sie in geselligen Familienverbänden und sammeln sich in jüngeren Stadien an locker zusammen gesponnen Blättern oder Zweigen an. Die typischen Nester werden erst in späteren Raupenstadien gebaut.

Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte Gespinstnester am Stamm und in Astgabelungen zurück. Diese sind bis zu 1 m lang. Vom Nest aus begeben sich die Raupen wie in einer Prozession zur Nahrungssuche. Jüngere Raupen gehen eher im Gänsemarsch, ältere Tiere können in mehreren Reihen (20 bis 30 Raupen) nebeneinander her wandern und Bänder von 10 m Länge bilden. Ende Juni/Anfang Juli erfolgt die Verpuppung in Kokons im Gespinstnest. Die Brennhaare werden bei diesem Prozess zwar abgelöst, werden jedoch in die Kokons mit eingesponnen. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben.

Gesundheitliche Folgen nach Schmetterlingskontakt

Die meisten Raupen der schätzungsweise 165.00 weltweit vorkommenden Schmetterlingsarten sind nach Diaz (2005) ungefährlich für den Menschen. Erste Berichte über Reaktionen an der Haut nach Raupenkontakt stammen aus dem Jahr 1948. Gesundheitlichen Auswirkungen nach Raupenhaar-, seltener Puppenkontakt oder nach Kontakt mit dem adulten Schmetterling werden von etwa 200 Schmetterlingsarten in der Literatur unter den Begriffen Raupendermatitis (Erukismus) oder Leptidopterismus berichtet (Lee et al. 1999; Diaz 2005; Redd et al. 2007; Balit et al. 2004; Utial et al 2008). Von Utikal et al. 2008 wird Lepitopterismus wie folgt definiert: Krankheitserscheinungen, die beim Kontakt mit Brennhaaren von Insekten der Ordnung Schmetterling (Lepidoptera) auftreten. Vertreter wie Bärenspinner, Schwammspinner (Schöfer 1994), Gummimotte (Chelepteryx collesi) (Balit et al. 2004), Grasbüschelmotte (Lophocampa caryae) (Kuspis et al. 2001), Bienenmotte (Asero et al. 2007), Wachsmotte (Galleria mellonella) (Madero et al. 2007), Zigeunermotte (Lymantria dispar) und Prozessionsspinner (Rufli 2005) können Raupendermatitis verursachen. In einer neuen Arbeit wird zum ersten Mal eine Raupendermatitis als Primärereignis nach dem Kontakt eines Hundes mit einem Nest des Eichenprozessionsspinners beim Spaziergang im Winter und sekundär in der Folge die Raupendermatitisentwicklung bei der Hundebesitzerin beschrieben (Maronna et al. 2008).

Raupendermatitis nach Prozessionsspinnerkontakt – Krankheitszeichen

Wenn der Mensch mit den Brennhaaren der Raupen, den Häutungsresten bzw. den Nestern in Kontakt kommt, entsteht durch mechanische Reizung der Haut (toxisch-irritative Dermatitis) eine Hautentzündung, die sehr häufig beobachtet wird. Hierfür werden die Thaumetopoein-ähnliche Substanz und weitere Kinine aus den Brennhaaren sowie Histamin verantwortlich gemacht (Utikal et al. 2008). Die Hautentzündung ist geprägt durch starken Juckreiz (Pruritus), Hautrötung (Erythem), Quaddeln (Kontakturticae) und Bläschen, vor allem an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien wie z.B. untere Extremitäten, Hals, Gesicht) (Urtical 2008, Maronna et al. 2008). Manchmal bilden sich insektenstichähnliche Knötchen bzw. Papeln. Die Krankheitsdauer liegt bei 2 Tagen bis 2 Wochen.
In einer Arbeit wird über zwei epidemiologisch zusammenhängende Fälle von toxisch-irritativer Dermatitis nach Kontakt mit Kiefernprozessionsspinnerraupen in Portugal berichtet.

Hautausschlag auf einem Arm
Hautausschlag im Gesicht eines Mädchens

Copyright bei W. Spiegel; Abbildung 3 und 4: Hautreaktionen nach Kontakt mit Eichenprozessionsspinner

Weitere Krankheitsbilder nach Kontakt mit Prozessionsspinnern

Folgende zusätzlichen Symptome werden nach Prozessionsspinnerexposition vor allem an der Haut und am Auge beschrieben:

Umweltmedizinische Bedeutung des Eichenprozessionsspinners in Bayern im Jahr 2005

Aus einer aktuellen Umfrage an 76 bayerischen Landratsämtern (73 Rückantworten) ergibt sich folgendes Bild:
Nur in den Regierungsbezirken Mittel-, Ober- und Unterfranken hatten die Gesundheitsämter in den Jahren 2004 und 2005 häufiger und in Schwaben vereinzelt Anfragen wegen gesundheitlicher Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner (s. Abbildung 5 und 6). Insgesamt betrug die Zahl der Anfragen in Bayern durchschnittlich 600/Jahr. 

Säulendiagramm: Anfragen zum Eichenprozessionsspinner bei den Landratsämtern in den Regierungsbezirken

Abbildung 5: Übersicht über die Ergebnisse der Befragung der 76 Landratsämter zu jährlichen Anfragen zu Eichenprozessionsspinner

Farbliche Markierung der betroffenen Regierungsbezirke je nach Stärke

Abbildung 6: Regionale Verteilung der Anfragen der Bevölkerung wegen gesundheitlicher Beschwerden nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner

Zudem wurden vom LGL klinisch tätige Haut- und Augenärzte in allen Regierungsbezirken und in ausgewählten Regionen von Unter-, Mittel- und Oberfranken auch die niedergelassenen Haut- und Augenärzte befragt (s. Abbildung 7a und b). Insgesamt wurden ca. 200 Hautärzte und ca. 300 Augenärzte angeschrieben. Davon haben 43 % der angeschriebenen Augenärzte und 29 % der Hautärzte geantwortet. Die Befragung der Ärzte ergab ebenfalls die Beschränkung der Problematik vornehmlich auf die Regierungsbezirke Mittel-, Unter- und Oberfranken. In Mittelfranken suchten in den Jahren 2004 und 2005 ca. 470 Patienten die Sprechstunde von 18 niedergelassenen Hautärzten oder der Ambulanz dreier dermatologischen Kliniken auf, um sich wegen Hautreaktionen nach Kontakt mit dem Eichenprozessionsspinner behandeln zu lassen.

Säulendiagramm: Überblick über die Umfrage bei den bayerischen Augenärzten

Abbildung 7a: Überblick über die Umfrage bei den bayerischen Augenärzten

Säulendiagramm: Überblick über die Umfrage bei den bayerischen Hautärzten

Abbildung 7b: Überblick über die Umfrage bei den bayerischen Hautärzten

Zu berücksichtigen ist, dass es sich um keine repräsentative Umfrage handelt, sondern nur bestimmte Fragen geklärt werden sollten wie z.B.:

Wie Abbildung 8 a, 8 b und 9 zeigen, gingen Personen in den Landkreisen Erlangen, Fürth, Bad Windsheim, Nürnberg, Bamberg, Forchheim, Würzburg, Aschaffenburg und Miltenberg sehr viel häufiger wegen Symptomen an der Haut zum Arzt. Insgesamt wurden 187 Patientenkontakte bei den Hautärzten bzw. 8 bei den Augenärzten im Jahr 2004 berichtet. Als häufige Diagnosen werden toxisch-irritative Dermatitis und Urticaria angegeben. Von den Hautärzten wird das Auftreten von Laryngitis/Pharyngitis, Bronchitits und Ödem als selten eingeschätzt. Zwei niedergelassene Ärzte "melden" eine Allergie vom Soforttyp, ohne eine entsprechende immunologische Testung vorgenommen zu haben, wahrscheinlich infolge einer Streureaktion an der Haut. Allergische Schockzustände werden verneint.

Von einer Münchner Klinik wird ein Fall einer Patientin berichtet, die regelmäßigen Kontakt mit dem Pinienprozessionsspinner in Griechenland hatte. Sie wurde mit einem selbst erzeugten Pricktest aus "Pinienprozessionsspinnerraupenantigenen" getestet. Da keine Kontrollpersonen getestet wurden, konnte die Diagnose "Allergie vom Sofortyp" nicht gesichert werden.
Bei den Augenärzten wird bei den 14 Patientenkonsultationen in den Jahren 2004 und 2005 als Diagnose Konjunktivits/Keratitis berichtet. Das in der Literatur beschriebene schwere Krankheitsbild "Ophthalmia nodosa" wurde in der Umfrage nicht angegeben.

Überblick über Arztkontakte im Jahr 2004 bei Hautärzten in den Landkreisen von Mittelfranken

Abbildung 8 a: Überblick über Arztkontakte im Jahr 2004 bei Hautärzten

Überblick über Arztkontakte im Jahr 2004 bei Augenärzten in den Landkreisen von Mittelfranken

Abbildung 8 b: Überblick über Arztkontakte im Jahr 2004 bei Augenärzten

Säulendiagramm: Arztkontakte in Mittelfranken bei Haut- und Augenärzten im Jahr 2005; am ehesten suchten Menschen ihren niedergelassenen Hautarzt auf, Hautkliniken wurden am zweitmeisten besucht; Erlangen war am meisten betroffen, dann Fürth, Bad Windsheim und Nürnberg

Abbildung 9: Arztkontakte in Mittelfranken bei Haut- und Augenärzten im Jahr 2005 - unterteilt nach klinisch tätigen und niedergelassenen Ärzten

Vorkommen des Eichenprozessionsspinners

Deutschlandweit sind in der Karte des Julius Kühn-Instituts aus dem Jahr 2007 Bereiche mit Eichenprozessionsspinnerbefall dargestellt.
In Bayern werden im Wald die Befälle erfasst und sind über die Internetseite der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft einsehbar.
Nach der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft LWF (2007) war eine erhebliche Tendenz zur Ausweitung des Befallgebietes festzustellen. In Bayern sind derzeit bekannte Verbreitungsgebiete die warm-trockenen Regionen Unterfrankens, Teile Mittelfrankens sowie das westliche Oberfranken. Auch aus dem westlichen Schwaben liegen Befallsmeldungen vor.
Zudem erfassen einzelne bayerische Behörden zum Teil in regionalen Karten die Stärke des Befalls im Forstbereich, aber auch zum Teil im öffentlichen Grün.

Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners

Die Beurteilung der Notwendigkeit und Wahl der Bekämpfungsmaßnahmen fällt nicht in die Zuständigkeit der Gesundheitsbehörden. Deshalb werden hierzu nur Basisinformationen angeführt. Für alle bayerischen Behörden wird dieses Thema ausführlich in den Informationen zum Eichenprozessionsspinner dargestellt. Grundsätzlich kommen bei der Bekämpfung von Raupennestern und Raupen folgende Maßnahmen in Frage:

Chemische Abwehrmaßnahmen:

In Deutschland ist das Pflanzenschutzmittel Dipel ES als Insektizid auf mikrobiologischer Basis für diverse Anwendungen z.B. im Forst, Ackerbau, Wein-, Gemüse-, Obst- und Zierpflanzenbau zugelassen. Im Pflanzenschutzmittel Dipel ES ist ein bestimmter Stamm des Bacillus thuringiensis kurstaki enthalten. In Brandenburg wurde der Eichenprozessionsspinner im Jahr 2004 auf einer Waldfläche von ca. 70 ha und im Jahr 2008 von ca. 270 ha mit Dipel ES bekämpft (persönliche Mitteilung Landesanstalt Eberswalde 2008). In Baden-Württemberg wurden im Forst in den Jahren 1996 bis 2006 auf Waldflächen mit Größen zwischen 12 und 656 ha mit gleichzeitigen Massenvermehrungen von Eichenprozessionsspinner, Forstspanner, Eichenwickler und Schwammspinner die Forstschädlinge mit Dipel ES mit dem Hubschrauber bekämpft.

In Deutschland ist Diflubenzuron als wasserdispergierbares Granulat mit 80% Wirkstoffanteil formuliert (800 g/kg Diflubenzuron) (s. Sicherheitsdatenblatt Dimilin 80WG). Der Wirkstoff ist als Pflanzenschutzmittel im Forst, Gemüsebau (Champignonzucht) und Zierpflanzenanbau zugelassen. Im Forst findet es gegen verschiedenste Schadorganismen wie bestimmte Schmetterlingsraupen und Blattwespen auf Nadel- und Laubholz Anwendung (Schönfeld et al. 2006). In Eichenwäldern werden mit Diflubenzuron Schwamm- und Eichenprozessionsspinner mittels Luftfahrzeugen (Hubschraubern) je nach geographischer Lage Ende April bis Mitte Mai bei trockener Witterung bekämpft (Schönfeld et al. 2006).

Nach Schönfeld et al. (2006) wurden im Jahr 2005 insgesamt 3.500 ha Wald mit Dimilin 80WG behandelt. Die Konzentration betrug 15g Dimilin/ha. Im Jahr 2007 kam in Brandenburg auf einer Waldfläche von 170 ha Dimilin zum Einsatz (Bekämpfung per Helikopter), da in nicht überwachten Beständen eine massive Populationszunahme beobachtet wurde (pers. Mitteilung Landesanstalt Eberswalde 2008). Bei Anwendung dieses Pflanzenschutzmittels gelten strenge Auflagen der pflanzenschutzrechtlichen Zulassung wie z.B. „Das Wiederbetreten der behandelten Flächen/Kulturen ist am Tage der Applikation nur mit persönlicher Schutzausrüstung möglich, die für das Aufbringen des Mittels vorgegeben ist. Nachfolgearbeiten auf/in behandelten Flächen/Kulturen dürfen grundsätzlich erst nach 24 Stunden nach Ausbringung des Mittels durchgeführt werden“.

Aufklärung der Öffentlichkeit

Mit der zunehmenden Verbreitung des Schädlings stieg in den letzten Jahren auch das öffentliche Interesse an. Deshalb entstanden zahlreiche Merkblätter (Anlage 2), unterrichten Behörden die Bürgerinnen und Bürger mittels Pressemitteilungen, Internetangebote (Anlage 1) und bei Messen und öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie z.B. der Bayerischen Klimawoche.

Offene Fragen

Die Expositionen des Menschen gegen den Eichenprozessionsspinner sind bisher nicht ausreichend charakterisiert und eine für unterschiedliche Expositionsszenarien differenzierte Gefährdungsabschätzung Exponierter folglich nicht machbar. Es fehlen bisher Untersuchungen über die Verbreitung von Brennhaaren in Umweltmedien wie Außenluft, Innenraumluft, Oberboden, da keine geeigneten Nachweisverfahren für Setae zur Verfügung stehen. Derzeit wird zwar den Härchen des Eichenprozessionsspinners ein allergie- auslösendes Potential analog den Härchen des Pinienprozessionsspinners unterstellt, wissenschaftliche Untersuchungen an entsprechenden Kollektiven liegen bisher aber nicht vor.

Weiterführende Literatur

Zur Gesamtthematik:

Zur gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Schmetterlinge und Prozessionsspinner

Zur Verbreitung und Bekämpfung des Prozessionsspinners

Mehr zu diesem Thema

Weitere Informationen

Merkblätter über den Eichenprozessionsspinner: