Noroviren – Erreger mit epidemischem Potenzial
Epidemiologie
Labordiagnostisch nachgewiesene Norovirusinfektionen sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig. Bei der Bewertung der Daten sollte berücksichtigt werden, dass die Anzahl der gemeldeten Fälle von der Durchführung labordiagnostischer Untersuchungen abhängig ist. Bei Durchfallerkrankungen wird oft keine Stuhluntersuchung durchgeführt. Die Meldedaten stellen somit nur „die Spitze des Eisberges“ dar. Seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2001 stieg die Zahl der Meldungen von Norovireninfektionen in Bayern kontinuierlich an. Wurden 2001 noch 405 Noroviruserkrankungen gemeldet, kletterte die Zahl der Meldungen ein Jahr später bereits auf 2.334. Nach leichtem Rückgang 2003 stieg sie dann weiter an. 2006 erreichte die Anzahl der Meldungen mit 7.135 Fällen einen vorläufigen Höchststand, der 2007 mit über 20.000 Meldungen nochmals weit übertroffen wurde (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Gemeldete Noroviruserkrankungen in Bayern von 2001 bis 2007
Die meisten Erkrankungen werden in den Herbst- und Wintermonaten gemeldet, in den Sommermonaten geht die Aktivität dagegen deutlich zurück. Am häufigsten wurde die Krankheit bei Kindern bis fünf Jahren und bei Personen über 70 Jahren registriert. Während in den jüngeren Altersgruppen eher das männliche Geschlecht betroffen war, überwog bei den Erwachsenen und vor allem bei den über 70-Jährigen das weibliche Geschlecht. Dies lässt sich dadurch erklären, dass Frauen in den häufig betroffenen Altenheimen stark überrepräsentiert sind.
Ein Großteil der Noroviruserkrankungen tritt im Rahmen von Ausbrüchen auf. Betroffen sind häufig Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Altenheime, Schulen und Kindertagesstätten sowie Krankenhäuser.
Im Jahr 2007 registrierte das LGL mehr als 1.100 durch Noroviren verursachte Ausbruchsgeschehen in allen Regionen Bayerns. Dabei können von einem Ausbruch oft mehr als 100 Personen betroffen sein. Die Erkrankung ist zwar kurz und heilt nach wenigen Tagen von selbst aus, doch kann der Flüssigkeitsverlust für kleine Kinder, chronisch Kranke und vor allem ältere Leute eine akute ärztliche Versorgung nötig werden lassen. Bei „Risikopatienten“ können auch Todesfälle auftreten. Im Jahr 2007 sind in Bayern acht meist ältere Personen an einer Norovirusinfektion verstorben.
