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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Listeriose

Erreger und Vorkommen

Eine Listeriose wird durch Bakterien der Gattung Listeria ausgelöst, wobei unter den sieben bekannten Listerienarten Listeria (L.) monocytogenes für Erkrankungen beim Menschen die größte Bedeutung hat.
Listerien sind weltweit verbreitet und kommen ubiquitär in der Umwelt (in der Erde, auf Pflanzen, in Abwässern sowie im landwirtschaftlichen Bereich) vor. Listerien können auch im Kot von Tieren und sogar im Stuhl gesunder Menschen nachgewiesen werden.
Eine Übertragung auf den Menschen findet hauptsächlich über den Verzehr von kontaminierten, nicht erhitzten bzw. im Verarbeitungsprozess re-kontaminierten tierischen Lebensmitteln statt (z. B. Rohfleischerzeugnisse wie Hackepeter und Tartar, kurzgereifte Rohwurst wie u.a. frische Mettwurst, roher Fisch, kaltgeräucherte und marinierte Fischerzeugnisse, Rohmilchweichkäse). Auch in Lebensmitteln pflanzlichen Ursprungs wie beispielsweise vorgeschnittenen, unter Schutzgas verpackten Blattsalaten und vorgeschnittenem Obst können Listerien enthalten sein.

Krankheitsbild

Bei immunkompetenten Menschen kommt es nur selten zu einer Infektion und noch seltener zu einer Erkrankung, die häufig nur als leichte, uncharakteristische fieberhafte Reaktion verläuft.
Eine symptomatische Listeriose betrifft meist abwehr¬ge¬schwächte Personen, z.B. ältere Menschen, Patienten mit chronischen Erkrankungen (z.B. Tumoren, AIDS), Transplantierte, Schwangere und Neugeborene (nach Infektion über die Plazenta der infizierten Mutter oder während der Geburt).

Am häufigsten sind grippeähnlichen Symptome wie Fieber und Muskelschmerzen, sowie u.U. auch Erbrechen und Durchfall. In schwerwiegenderen Fällen kann es zu einer Sepsis, einer eitrigen Meningitis oder einer Enzephalitis kommen.
Obwohl die Infektion bei Schwangeren in der Regel unauffällig (grippeähnliches Bild oder symptomfrei) verläuft, stellt sie ein besonderes Risiko für diese dar, da die Gefahr einer Übertragung auf das ungeborene Kind besteht. In diesem Fall kann es zur Totgeburt, Frühgeburt oder einer schweren Neugeborenenlisteriose kommen.

Die Inkubationszeit variiert bei den verschiedenen Krankheitsformen:

  • gastrointestinale Symptomatik: wenige Stunden bis 6 Tage,
  • Sepsis: 1-12 Tage (Median 2 Tage),
  • Meningitis: 1-14 Tage (Median 9 Tage),
  • Schwangerschaftsassoziierte Listeriosen: 17-67 Tage (Median 27,5 Tage).

Wie kann man sich vor einer Infektion durch Listerien schützen?

Da eine Kontamination von Lebensmitteln mit Listerien auf verschiedenen Stufen der Gewinnung und Verarbeitung erfolgen kann, ist auch bei einer Vielzahl von Lebensmitteln mit diesen Keimen zu rechnen. Folgende Regeln sollten deshalb im Umgang mit Lebensmitteln beachtet werden:

  • Fleisch- und Fischgerichte vollständig durchgaren
  • Rohmilch abkochen
  • Hackfleisch nicht roh essen
  • Schwangere sollten zusätzlich vorsorglich auf den Genuss roher Fleisch- und Milcherzeugnisse verzichten und generell bei Käse die Rinde entfernen
  • Bei leicht verderblichen Lebensmitteln auf das Mindesthaltbarkeits- bzw. Verbrauchsdatum achten und besonders Produkte in Vakuumverpackungen möglichst lange vor diesem Datum verbrauchen
  • Zur Vermeidung einer nachträglichen Kontamination allgemein die Regeln der Küchenhygiene einhalten
  • Weil sich Listerien auch bei Kühlschranktemperaturen vermehren können, Aufbewahrungszeiten im Kühlschrank möglichst kurz halten und frisch gekochte Speisen vor dem Kühlen gut abdecken, um nachträgliche Kontaminationen zu vermeiden.

Eine Impfprophylaxe gegen Listeriose ist nicht verfügbar.

Meldepflicht

Der direkte Erregernachweis von L. monocytogenes aus Blut, Liquor oder anderen, normalerweise sterilen Substraten sowie aus Abstrichen von Neugeborenen, soweit er auf eine akute Infektion hinweist, ist gemäß Infektionsschutzgesetz namentlich meldepflichtig (§7 IfSG).

Fallzahlen in Bayern

In Bayern zeigte die Zahl der Listerioseerkrankungen in den letzten Jahren ähnlich wie im gesamten Bundesgebiet Schwankungen.

Tabelle1: Nach IfSG gemeldete Listeriose-Fälle in Bayern (Datenstand 2.5.2016, Datenquelle LGL, SurvNet@RKI).
Meldejahr Listeriose Fälle
2005 52
2006 60
2007 46
2008 33
2009 62
2010 43
2011 39
2012 68
2013 58
2014 88
2015 91
Gesamt 640

71 % der Erkrankten waren über 60 Jahren alt, 31 Fälle (5 %) waren Kinder im 1. Lebensjahr. Mit einem Anteil von 56 % sind Männer etwas häufiger betroffen als Frauen.

Untersuchungen zu Häufungen von Listeriose-Fällen

Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft wird eine Listerieninfektion meist über den Verzehr von kontaminierten Lebensmitteln erworben. Die Identifizierung der Infektionsquelle ist aufgrund des niedrigen Manifestationsindexes einer Listerien-Infektion, d.h. des geringen Anteils trotz Infektion symptomatisch Erkrankter, methodisch sehr schwierig. Bei Einzelfällen bleibt daher die Infektionsquelle in der Regel unbekannt. Auch bei Häufungen und Ausbrüchen gelingt die epidemiologische Ermittlung einer Infektionsquelle nur selten, da die Befragung von erkrankten Personen aus verschiedenen Gründen (unzureichende Verzehranamnese aufgrund langer Inkubationszeiten, des Alters der Erkrankten, Krankheitsschwere, etc. ) häufig keine eindeutigen Ergebnisse erbringt. Deshalb lassen sich Zusammenhänge zwischen einer Erkrankung und einem verursachenden Lebensmittel oft nur schwer herstellen.

 

Literatur

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