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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Borreliose und FSME: Erkrankungen durch Zeckenstiche

Sie kommen pünktlich mit dem Frühjahr und bleiben aktiv bis in den Herbst hinein: Zecken. Die kleinen Blutsauger leben im Gras, auf Sträuchern und im Unterholz und warten dort auf Spaziergänger, Sportler, Jäger und andere Naturfreunde. Beim Vorbeigehen heften sie sich an deren Kleidung und suchen nach einer unbedeckten Körperstelle. Zeckenstiche sind alles andere als ungefährlich, da sie Krankheitserreger beherbergen, die sie beim Blutsaugen übertragen.

Die häufigsten durch Zecken übertragbaren Infektionen in Europa sind Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose.

FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis; auch Europäisches Zeckenbissfieber)

Diese zeckenübertragene Virusinfektion ruft jedes Jahr etwa 300 Erkrankungen in Deutschland (davon etwa 130 Fälle pro Jahr in Bayern) hervor. Das Virus kann zu einer Hirnhautentzündung führen, eine Therapie existiert nicht.

Für FSME-Erkrankungen können aufgrund der seit dem Jahr 2001 bestehenden Meldepflicht genauere Aussagen zu Häufigkeit und Verteilung in Deutschland getroffen werden.

Für FSME-Erkrankungen können aufgrund der seit dem Jahr 2001 bestehenden Meldepflicht genauere Aussagen zu Häufigkeit und Verteilung in Deutschland getroffen werden. Die gemeldeten Fallzahlen zeigen zyklische Schwankungen in mehrjährigen Abständen . Nach hoher Aktivität in den Jahren 2005 und 2006 und moderaten FSME-Jahren zwischen 2007 und 2010 (durchschnittliche Fallzahl pro Jahr: Deutschland ca. 280, Bayern ca. 120), stiegen die Fallzahlen 2011 erneut deutlich an (Deutschland: 423, Bayern: 177). Im Jahr 2012 wurde mit 195 Fällen im gesamten Bundesgebiet (davon 90 in Bayern) die niedrigste Fallzahl seit Einführung der Meldepflicht verzeichnet .

Die FSME tritt vorwiegend in bestimmten Endemiegebieten auf. Diese liegen in Süddeutschland (Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen) sowie in Teilen von Österreich und der Schweiz, in Skandinavien und Osteuropa. In Höhenlagen über 1.000 Meter kommen meist keine Zecken vor.

Risikogebiete für FSME in Bayern

In FSME-Risikogebieten wird für Besucher und Bewohner wegen des erhöhten Erkrankungsrisikos die Impfung empfohlen, sofern sie sich beruflich oder in der Freizeit in der Natur aufhalten. In Bayern wurden aufgrund der gemeldeten Fälle im Jahr 2008 drei neue Risikogebiete ausgewiesen. Insgesamt sind nun 78 von 96 Kreisen in Bayern zum Risikogebiet erklärt worden.

Krankheitsbild

Nicht jeder Stich einer infizierten Zecke führt zu einer Infektion. Nach erfolgter Infektion treten bei rund 30 % der Infizierten Krankheitserscheinungen auf. Die Krankheit verläuft in zwei Phasen: Zunächst kommt es zu grippeähnlichen Symptomen mit mäßigem Fieber (in der Regel nicht über 38 °C), Kopfschmerzen, Erbrechen, Schwindelgefühl. Nach einem fieberfreien Intervall von etwa einer Woche bis 20 Tagen entsteht bei ca. 10 % der Patienten eine Meningoenzephalitis (Hirnhautentzündung) mit Fieber, Erbrechen, meningealen Reizerscheinungen, vereinzeltem Auftreten von Stupor oder Koma. Bei älteren Patienten kann sich zusätzlich eine Myelitis entwickeln. In diesen Fällen besteht die Gefahr von bleibenden neurologischen Ausfällen, in der Regel in Form von Paresen, Anfallsleiden oder lange andauernden Kopfschmerzen. Diese Symptome können oft erst Monate nach der Erkrankung auftreten. Häufig kommt es jedoch selbst nach schweren Verläufen zur völligen Heilung. Schwere Krankheitsverläufe werden fast nur bei Erwachsenen beobachtet. Bei 1–2 % der Erkrankten führt die Erkrankung zum Tode.

Behandlung der FSME

Die FSME kann nicht ursächlich behandelt werden. Lediglich die Symptome können gelindert werden, z. B. durch Fieber- und Schmerzmittel. Spätschäden lassen sich dadurch nicht verhindern.

FSME-Impfung

Die Verhütung von FSME-Infektionen ist besonders wichtig, weil es keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gibt. Empfohlene Abwehrmaßnahmen wie Tragen langer Kleidung und Benutzen von Insektenabwehrmitteln mindern zwar das Risiko, bieten aber keinen sicheren Schutz. Die einzige zuverlässige Schutzmaßnahme ist aktive Impfung. Die FSME-Impfung wird von der Ständigen Impfkommission für Personen empfohlen, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit in gefährdeten Gebieten aufhalten.

Die FSME-Schutzimpfung verhindert Erkrankungen an FSME. Dabei werden abgeschwächte Krankheitserreger in den Muskel gespritzt, die dann im Organismus der beimpften Person eine Antikörperbildung gegen FSME-Viren bewirken. Sicherer Schutz vor Erkrankung ist erst nach drei Impfungen zu erwarten. Nach einer Erstimpfung erfolgt zwei bis zwölf Wochen später eine Zweitimpfung. Die dritte Impfung gibt es neun bis zwölf Monate nach der zweiten. Soll der Impfschutz aufrecht erhalten werden, muss alle drei bis fünf Jahre eine Auffrischung erfolgen. Alternativ für Eilige kann die Impfung bereits 7 und 21 Tage nach der Erstimpfung wiederholt werden. Eine Auffrischung sollte dann nach einem und drei bis fünf Jahren erfolgen.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in der Regel die Kosten für Personen, die in Risikogebieten leben. Bei beruflicher Exposition ist der Arbeitgeber für die Kostenerstattung zuständig. Bei Urlaubsreisen sind die Kassen nicht verpflichtet, die Impfungen zu bezahlen. Privatkassen entscheiden frei über die Kostenübernahme.

Entfernung der Zecke

Auf jeden Fall gilt: Die Zecke so bald wie möglich entfernen!

Früher empfohlene Methoden wie das Betupfen der Zecke mit Öl, Klebstoff, Nagellack oder anderen Flüssigkeiten sollten nicht angewendet werden, da die Zecke dadurch eventuell sogar ihren Mageninhalt "erbricht" und dabei die Erreger überträgt. Am besten entfernt man die Zecke mit einer spitzen, gut schließenden Pinzette, mit der man sie direkt über der Hautoberfläche packt und langsam herauszieht. Auch weitere Instrumente wie z. B. die Zeckenkarte können erfolgreich eingesetzt werden.

Da mit der Dauer des Saugaktes das Infektionsrisiko steigt, sollte nicht lange gewartet werden sondern notfalls gleich an Ort und Stelle, z. B. im Wald, sofern kein Werkzeug vorhanden, die Zecke mit den Fingernägeln herausgezogen werden. Falls dabei noch Teile der Zecke in der Haut zurückbleiben, handelt es sich dabei lediglich um den Stechrüssel der Zecke, der von einem Arzt entfernt werden kann, um Entzündungen zu vermeiden. Neuere Leitlinien aus den USA empfehlen, die Teile in der Haut zu belassen.

Die Lyme-Borreliose (Lyme-Krankheit)

Überall in Deutschland muss man bei einem Zeckenstich auch mit einer Erkrankung an Lyme-Borreliose rechnen. Im Gegensatz zu FSME, einer Viruserkrankung, die nur in bestimmten Regionen auftritt, handelt es sich bei der Lyme-Borreliose um eine bakterielle Infektion (Borrelia burgdorferi, ein bewegliches, spiralförmig geformtes Bakterium), gegen die es keine Impfung gibt, die aber mit Antibiotika gut behandelbar ist.

Übertragung

Der Zeckenstich ist der Hauptübertragungsweg für den Erreger der Lyme-Borreliose. Die Wahrscheinlichkeit der Übertragung steigt mit der Dauer des Saugaktes an, weshalb Zecken grundsätzlich möglichst rasch entfernt werden sollten. Etwa 10–20 % der Zecken tragen das Lyme-Borreliose-Bakterium in sich.

Krankheitsbild

Die Lyme-Borreliose wird in drei Stadien eingeteilt, wobei atypische Verläufe möglich sind. Das Frühstadium geht meistens mit einer ringförmig nach außen wandernden Hautrötung einher, die sich in der Regel innerhalb einiger Tage bis weniger Wochen nach dem Zeckenstich langsam ausbreitet. Unbehandelt kann auch nach Rückbildung dieser Rötung Wochen bis Monate später das Zweitstadium auftreten, in dem vor allem das Nervensystem betroffen ist. Neben schmerzhaften Nerven- und Hirnhautentzündungen kann es dabei zu Lähmungen (vorwiegend der Gesichtsnerven) kommen. Auch Herzmuskelentzündungen sind möglich. Im dritten Stadium, das normalerweise nach Monaten bis Jahren eintreten kann, werden vor allem die Gelenke befallen, insbesondere in Form von entzündlichen Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke. Noch nach Jahren können auch Erkrankungen der Haut und des Nervensystems auftreten. Es wurden auch Krankheitszeichen beobachtet, die denen der Multiplen Sklerose (MS) ähnlich sind. Relativ häufig durchläuft die Zecken-Borreliose nicht die Reihenfolge der geschilderten Stadien. Die Infektionskrankheit kann wahrscheinlich mit jedem Stadium beginnen.

Behandlung

Eine vorsorgliche Gabe von Antibiotika nach jedem Zeckenstich wird nicht empfohlen. Beim Auftreten der Krankheitsbilder sollte aber umgehend ein Arzt aufgesucht werden, damit dieser nach entsprechender Diagnostik und angepasst an das jeweilige Krankheitsstadium eine Behandlung mit Antibiotika einleitet.