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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Zerkarien

Treten nach dem Baden juckende Hautausschläge auf, handelt es sich häufig um Entenbilharziose oder Zerkarien-Dermatitis [1].

Erreger und Übertragung

Die Entenbilharziose, im Volksmund auch "Weiherhibbel" genannt, wird durch Zerkarien von Trichobilharzia species verursacht. Der normale Entwicklungszyklus findet zwischen Enten als Endwirt und Schlammschnecken als Zwischenwirt statt. Die Eier der geschlechtsreifen Saugwürmer im Entendarm gelangen mit dem Kot ins Wasser und infizieren die Schnecken über ein Wimpernlarvenstadium. In der Schnecke entwickeln sich Zehntausende von Gabelschwanzlarven (Zerkarien), die wiederum ins Wasser abgegeben werden und Enten infizieren. Auch in die Haut des Menschen als Fehlwirt bohren sich die Zerkarien ein und sterben dort ab. Besonders unangenehm ist es, wenn es zu einem temperatur- und witterungsabhängigen synchronen Zerkarienausstoss kommt. Dies kann der Fall sein, wenn auf einige kühlere Tage mit bedecktem Himmel ein Schönwettertag folgt. Schwimmer und vor allem spielende Kinder in Flachzonenbereichen können dann von vielen Gabelschwanzlarven befallen werden.

Erkrankung

Erstinfektionen verlaufen in der Regel ohne klinische Symptome ab, es kann jedoch gelegentlich auch schon nach wenigen Minuten nach dem erstmaligen Kontakt ein leichtes Hautjucken auftreten, das von kleinen roten Flecken begleitet ist. Bei sensibilisierten Personen kommt es zu einem stark juckenden makulopapulösen Exanthem. Die Symptome klingen nach 10 bis 20 Tagen ab.

Therapie

Die Zerkarien-Dermatitis wird ausschließlich symptomatisch behandelt und besteht vor allem in der Verabreichung von juckreiz- und entzündungshemmenden Salben, Gelen oder Lotionen

Prophylaxe

Die mitunter empfohlenen Verhaltensregeln für Badegäste können nicht vor Zerkarienbefall schützen, sie können diesen bestenfalls vermindern. Die Wirksamkeit der Tipps ist wissenschaftlich nicht belegt.

  • längere Aufenthalte im Flachwasserbereich vermeiden (gerade Kinder sind gefährdet)!
  • bevorzugt in tieferen oder leicht strömenden Bereichen schwimmen
  • nach dem Schwimmen die Badesachen wechseln
  • Körper mit einem Handtuch gut abreiben (Zerkarien trocknen schnell aus)

Eine kurzfristige Lösung des Problems durch Eingriffe in die betroffenen Gewässer ist derzeit nicht in Sicht. Untersuchungen zeigten allerdings, dass Wirkstoffe existieren, die ein Eindringen der Zerkarien in die menschliche Haut verhindern. Eine wirksame Lotion, Quallen + Sonnenschutz LSF 15 (für Kinder LSF 30), ist kommerziell erhältlich.
Bei massivem Auftreten von Zerkarien-Larven ist in einem kurzzeitigen Badeverbot die beste Abhilfemaßnahme zu sehen. Längerfristig sind Fütterungsverbote für Wasservögel sowie Maßnahmen zur Verminderung von Nährstoffeinträgen hilfreich.

[1] Kimmig, P. und M. Meier: Parasitologische Untersuchungen, Diagnose und Klinik der Zerkariendermati-tis - Hygienische Bedeutung für Badegewässer gemäßigter Zonen. Zbl. Bakt. Hyg., I. Abt. Orig. B 181, 390-408, 1985

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