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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Baden in bayerischen Badegewässern

Die Wasserqualität bayerischer Badeseen ist generell gut. Das zeigen die kontinuierlich durchgeführten Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Insgesamt sind in Bayern derzeit (Stand: Mai 2016) 376 Badestellen an Naturseen, Baggerseen und Weiher offiziell als EU-Badegewässerstellen ausgewiesen. Während der Badesaison von Mai bis Mitte September entnehmen die Gesundheitsämter einmal im Monat eine Gewässerprobe, die das LGL analysiert. Neben einer guten Wasserqualität weisen viele der Seen weitere Pluspunkte auf, wie beispielsweise freie Zufahrtsmöglichkeiten, ausreichend sanitäre Einrichtungen und Parkplätze, Überwachung der Strände durch Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Stationen.

Management als Voraussetzung für ungetrübtes Badevergnügen

Baden und Wassersport zählen zu den beliebtesten Freizeitvergnügen. Ein durchschnittlicher Schwimmer schluckt beim Baden im Schnitt 50 ml, ein Nichtschwimmer 30 ml Wasser [1]. Kinder beim Herumtoben und nicht ganz so gute Surfer schlucken oft ein Vielfaches dieser Mengen. Damit Baden wirklich ein Vergnügen bleibt, genügt es nicht, die hygienische Wasserqualität engmaschig zu überwachen, vielmehr ist das Management einer Badestelle in den Vordergrund gerückt. Dazu wird eine Badestelle mit all ihren Einflussfaktoren genau charakterisiert. Durch die Kenntnis dieser Faktoren können Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Vielfältigste Krankheitserreger

Obwohl die Badegewässerqualität in Bayern überwiegend gut ist, können durch Menschen und Tiere die unterschiedlichsten Krankheitserreger, zum Beispiel Viren, Bakterien, Einzeller und Würmer, direkt mit Fäkalien oder indirekt über Abwässer oder Abschwemmungen in die Badeseen gelangen [2].

So wurden zum Beispiel Enteroviren wie Coxsackie- und Polioviren, das Hepatitis A-Virus als Erreger der epidemischen Gelbsucht oder das Norovirus bei Untersuchungen in Badegewässern gefunden. Bei den pathogenen Bakterien spielen Salmonellen, thermophile Campylobacter, Shigellen, Yersinien, Vibrionen, Aeromonaden und Leptospiren eine Rolle. Auch krankheitserregende Einzeller wie Giardien und Cryptosporidien können vorhanden sein [3].

Krankheitsfolgen für den Menschen - schwierige Ursachenforschung

Die Folgen für den Menschen, wenn er mit diesen Krankheitserregern in Berührung kommt, können vielfältig sein. Sie reichen von Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Fieber, Hautausschlägen (z.B. verursacht durch Zerkarien ), Atemwegsinfektionen bis hin zu teils lebensgefährlichen Organschäden.

Eine lückenlose Aufklärung darüber, welche Verschmutzungen zu welchen Erkrankungen geführt haben, ist bei Badewasser-Infektionen nur selten möglich, da entsprechende Erreger meist nur für kurze Zeit im Wasser enthalten sind. Befragungsaktionen im Rahmen einer epidemiologischen Erfassung sind wesentlich aussagefähiger: So hatte an einer Abwasser-belasteten Meeresküste rund ein Viertel der Feriengäste Beschwerden auf Grund intensiven Wasserkontaktes [4]. In einem anderen Fall konnte bei einem Ausbruch von Shigellenruhr als einzige Gemeinsamkeit das Baden in einem See ermittelt werden [5].

In der Regel ist die Untersuchung auf Krankheitserreger sehr aufwendig. Sie ist daher nur in epidemiologischen Sonderfällen möglich und sinnvoll.

Hauptquellen: Menschen und Wasservögel

Nicht nur der Mensch bringt direkt oder indirekt fäkale Mikroorganismen in Badegewässer ein. Nicht selten tragen auch Wasservögel zur Gewässerverschmutzung bei. So beträgt z.B. die durchschnittliche tägliche Fäkalienmenge beim Menschen rund 150 g, wobei in einem Gramm Stuhl rund 13 x 106 Escherichia coli (Fäkalcoliforme) bzw. 3 x 106 Enterokokken (Fäkalstreptokokken) vorhanden sind. Eine Ente scheidet dagegen täglich rund 336 g Kot mit 33 x 106E. coli bzw. 54 x 106 Enterokokken pro Gramm aus [6]. Die Fracht an derartigen Fäkalbakterien, die durch eine einzige Ente ins Gewässer gelangen kann, entspricht also der von mehreren Menschen. Unnatürlich große Ansammlungen von Wasservögeln können gerade bei kleineren Badeseen dazu führen, dass die Selbstreinigung versagt.

Füttern als Ursache

Schuld an derartig hohen Populationsdichten ist oft das unvernünftige Füttern. Nicht selten werden große Mengen alter Semmeln und Brotreste am Ufer ausgelegt. Neben den Wasservögeln werden hierdurch zusätzlich auch Ratten angelockt. Diese verbreiten zum Beispiel den Erreger der Leptospirose. Fütterungsverbote sollten daher unbedingt eingehalten werden.

"Indikatorbakterien" als Maßstab

Da die meisten Erreger fäkal-oral, das heißt über die Aufnahme von Fäkalien-verseuchtem Wasser über den Mund übertragen werden, ist es üblich, den Belastungszustand eines Gewässers mit Warmblüterfäkalien über sogenannte "Indikatorbakterien" zu bestimmen. Gemäß EU-Badegewässerrichtlinie werden Wasserproben auf die Indikatorbakterien "Escherichia coli“ und "Intestinale Enterokokken“ untersucht.

Normalerweise stirbt E. coli in der Umwelt mehr oder weniger rasch ab. Festgestellte Belastungen zeigen somit eine relativ frische Verunreinigung mit Warmblüterfäkalien an. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse [7] haben sich Enterokokken als aussagekräftigere Indikatorbakterien als Gesamtcoliforme (Untersuchungsparameter der alten EU-Richtlinie) für das mögliche Vorhandensein von Krankheitserregern erwiesen. Enterokokken kommen vor allem in tierischen Fäkalien in hoher Konzentration vor und können auch länger in der Umwelt überleben. Dadurch ist ihr Nachweis ein Indiz für eine auch länger zurückliegende Kontamination mit Warmblüterfäkalien.

EU-Recht als Maßstab für Badegewässerqualität

Für die Badegewässerqualität maßgebliche Gütekriterien wurden bis zur Badesaison 2008 durch die EU-Richtlinie 76/160/EWG vorgegeben. Zur Überwachung waren regelmäßige mikrobiologische, aber auch chemische und physikalische Untersuchungen vorgeschrieben.
Seit Saisonbeginn 2008 werden Badegewässer nach der neuen EU-Badegewässerrichtlinie [8] auf die mikrobiologischen Parameter Escherichia coli und Intestinale Enterokokken untersucht.

Für die Qualitätseinstufung eines Badeplatzes steht nicht mehr die Einzelmessung im Vordergrund. Vielmehr bezieht sich die Beurteilung auf einen Zeitabschnitt von vier Jahren, wobei über eine 95-Perzentil-Bewertung oder eine 90-Perzentil-Bewertung der vorliegenden Messwerte - in der Regel jährlich vier, bei Ausdehnung der Badesaison von Mai bis September, wie in Bayern üblich, sechs Untersuchungen - der Badeplatz als "ausgezeichnet“, "gut“, "ausreichend“ oder "mangelhaft“ eingestuft wird. Die Bewertung der Badegewässerqualität erfolgt immer nach dem Ende jeder Badesaison auf der Grundlage der Messwerte der betreffenden Badesaison und der drei vorangegangenen Badesaisons.

Hygienische Qualität der gemeldeten EU-Badestellen in Bayern

Für Bayern sind hierbei zur Einstufung des Badegewässers die Vorgaben für Oberirdische Gewässer gemäß Anlage 1 der BayBadeGewV verbindlich:

Tabelle 1: Vorgaben für Oberirdische Gewässer
A B C D E
Parameter Ausgezeichnete
Qualität
Gute
Qualität
Ausreichende
Qualität
Referenzanalyse-
methoden***
1 Intestinale
Enterokokken
(KBE/100 ml)
200 * 400 * 330**
(660*)1)
ISO 7899-1 oder
ISO 7899-2
2 Escherichia coli
(KBE/100 ml)
500 * 1000 * 900**
(1800*)1)
ISO 9308-3

* Auf der Grundlage einer 95-Perzentil-Bewertung, siehe Anlage 2.
** Auf der Grundlage einer 90-Perzentil-Bewertung, siehe Anlage 2.
*** Diese Normen liegen als DIN EN ISO-Normen mit gleicher Nummerierung in deutscher Sprache vor.
1) Die Angabe auf der Grundlage einer 95-Perzentil-Bewertung ermöglicht den Vergleich mit den Werten unter Spalte B und C.

Nach Ablauf der Badesaison 2015 war eine Berechnung mit Qualitätseinstufung bei 372 von 377 Badestellen möglich, wobei 357 (96,0%) Badestellen als ausgezeichnet, 13 (3,5%) als gut und 2 (0,5%) als ausreichend eingestuft wurden.

Tabelle 2: Einstufung von EU-Badestellen in Bayern mit Ablauf der Saison 2015
Anzahl „ausgezeichnet“ „gut“ „ausreichend“ „mangelhaft“
372 (100 %) 357 ( 96,0 %) 13 (3,5 %) 2 (0,5 %) 0 (0 %)

Fünf Badeplätze wurden nicht eingestuft, da hier noch nicht genügend Messwerte für eine Einstufung vorlagen. Eine Berechnung erfolgt erst bei Vorhandensein von mindestens 16 Messwerten. Doch zeigten die bisherigen Untersuchungen auch hier, dass unbedenklich gebadet werden kann.
Ziel der Überwachung des Badeplatzes durch das Gesundheitsamt ist es, vor Ereignissen zu schützen, die die Badegewässerqualität und die Gesundheit der Badenden beinträchtigen können. Hierüber muss die Öffentlichkeit unmittelbar informiert werden. Neben den seitens der Behörde zu ergreifenden Abhilfemaßnahmen kann auch ein zeitweises Badeverbot zum Schutz vor gesundheitlicher Gefährdung erlassen werden .

Ein Badeverbot wird ausgesprochen, wenn

  • nach dem Ergebnis der Ortsbesichtigung mit einer fäkalen Verunreinigung des Badegewässers zu rechnen ist, soweit davon eine Gefahr für die Gesundheit der Badenden ausgeht,
  • bei der Badegewässerüberwachung für den Parameter Escherichia coli ein Einzelwert von mehr als 1.800 KBE/100 ml und/oder für den Parameter Intestinale Enterokokken ein Einzelwert von mehr als 700 KBE/100 ml festgestellt wird und eine unverzüglich veranlasste Kontrolluntersuchung eine Überschreitung der oben angegebenen Werte bestätigt oder
  • Blaualgen in einer Konzentration vorhanden sind, die geeignet ist, die Gesundheit der Badenden zu gefährden.

Das Badeverbot wird örtlich und durch deutlich sichtbare Schilder oder Zeichen an der Badestelle bekannt gemacht. Bei Auffälligkeiten mit nicht oder noch nicht eindeutiger Gesundheitsgefährdung kann auch eine Badewarnung ausgesprochen werden.

Situation in bayerischen Flüssen

Ebenso wie die Seen locken auch die Flüsse - trotz der meist niedrigen Wassertemperaturen - zum Baden. Dies verwundert nicht, zumal sich biologische und chemische Gewässerqualität unserer Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert haben. Die Kommunen und der Freistaat haben erhebliche Mittel für die Renaturierung aufgewendet und auf diese Weise dazu beigetragen, dass die bayerischen Flüsse über weite Strecken wieder zu naturnahen Lebensräumen für viele Pflanzen- und Tierarten geworden sind.

Die Besonderheiten der Flüsse führen allerdings oftmals, insbesondere witterungsbedingt zu einer schwankenden hygienischen Qualität des Wassers.

Flüsse sind vor allem infolge der Vorfluternutzung und aufgrund von Abschwemmungen aus der Landwirtschaft häufig verunreinigt, so dass hier das Baden auf eigene Gefahr stattfindet. Überwiegen Einträge aus Kläranlagen, so können sich dort durchgeführte Hygienisierungsmaßnahmen wie beispielsweise eine UV-Desinfektion positiv auf die Flusswasserqualität auswirken.

Die Isar - eine Ausnahme

An den Flussabschnitten der Isar vom Sylvensteinspeicher bis nach München und darüber hinaus bis nach Moosburg liegt jedoch eine besondere Situation vor. Die Ufer und das Einzugsgebiet der Isar sind zu einem erheblichen Teil geprägt durch größere Waldflächen. Dadurch ist die Belastung mit Mikroorganismen – darunter auch Krankheitserreger - aus diffusen Quellen wie der Landwirtschaft im Vergleich zu den Einleitungen der Kläranlagen relativ gering.

Durch die seit 2003 stattfindende Behandlung des Abwassers mit UV-Strahlen in Kläranlagen an der Isar wird ein wichtiger Beitrag geleistet, den Eintrag von Krankheitserregern in die Isar und damit das Infektionsrisiko für Badende zu vermindern. Da der Betrieb der UV-Anlagen mit einem beträchtlichen Energieaufwand verbunden ist, findet die Abwasserbehandlung nur während des Sommerhalbjahres von 15. April bis 30. September statt. Die UV-Desinfektion des Abwassers trägt wesentlich zu einer weitgehend stabilen hygienisch guten Wasserqualität zu Schönwetterzeiten bei.

Vor allem bei Starkregen kann es aber weiterhin zu Einträgen von Krankheitserregern in die Isar und dadurch zu einem vorübergehend erhöhten Infektionsrisiko für Badende kommen. Die Isar ist ein Wildfluss, in dem keine konstante Badegewässerqualität garantiert werden kann. Seien Sie sich dessen bewusst und berücksichtigen Sie die Verhaltenshinweise zum Baden in natürlichen Gewässern!

Beachten Sie daher auch die Informationstafeln, die an stark besuchten Stellen der Isar angebracht sind.

Tipps für ungetrübtes Badevergnügen

Alle "offiziellen" Badegewässer werden in Bayern regelmäßig überwacht. Trotzdem sollte man beim Baden in der freien Natur aus hygienischer Sicht einige Regeln berücksichtigen:

Das Baden in Seen und Badeweihern ist in Bayern in der Regel ohne Bedenken möglich. Vorsicht geboten ist an Stellen mit Zuflüssen oder unnatürlich großen Wasservogelansammlungen. Badeverbote sollten im eigenen Interesse unbedingt beachtet werden.

Literatur

[1] Carlson, S.: Zur Hygiene der Freibadegewässer und öffentlichen Schwimmbäder. Budesgesundheitsblatt 9, 169-173, 1966

[2] Schindler, P.: Hygienische Beurteilung der Gewässer. In: S.H. Pfeiff (Hrsg.): ATV-Handbuch: Planung der Kanalisation, 4. Auflage, Punkt 6.1., 145-159, 1994

[3] World Health Organization: Guidelines for safe recreational water environments. Vol. 1: Coastal and fresh waters. Word Health Organization, 2003

[4] Balarajan, R., V.Soni Raleigh, P. Yuen, D. Wheeler, D. Machin and R. Cartwright: Health risks associated with bathing in sea water. BMJ 303, 1444-1445, 1991

[5] Fellmann, G., B. Gericke, I. Carmienke, C. Schröder, H. Kühn und H. Mündorfer: Aus-bruch von Shigella-sonnei-Infektionen nach Baden in einem See. Bundesgesundheitsblatt 35, 336-340, 1992

[6] Geldreich, E.E.: Bacterial populations and indicator concepts in feces, sewage, stormwater and solid wastes. In: Berg, G. (ed.), Indicators of viruses in water and food. Ann Arbor Science, Ann Arbor, Mich. 51-97, 1978

[7] Szewzyk, R. und A. Knobling: Umsetzung der neuen EG Badegewässerrichtlinie in Deutschland. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 50, 354-358, 2007

[8] EG: Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung und zur Aufhebung der Richtlinie 76/160/EWG. Amtsbl. EU vom 4.3.2006 L64/37-51.

[9] Verordnung über die Qualität und die Bewirtschaftung der Badegewässer (Bayerische Badegewässerverordnung - BayBadeGewV) vom 15. Februar 2008, GVBl. S. 54; Geändert durch die Verordnung vom 2. November 2010, GVBl. S. 761.

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