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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Baden in bayerischen Badegewässern

Die Wasserqualität bayerischer Badeseen ist generell gut. Das zeigen die kontinuierlich durchgeführten Untersuchungen des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL). Insgesamt sind in Bayern derzeit (Stand: Mai 2011) 386 Badestellen an Naturseen, Baggerseen und Weiher offiziell als EU-Badegewässerstellen ausgewiesen. Während der Badesaison von Mai bis Mitte September entnehmen die Gesundheitsämter einmal im Monat eine Gewässerprobe, die das LGL analysiert. Neben einer guten Wasserqualität weisen viele der Seen weitere Pluspunkte auf wie beispielsweise freie Zufahrtsmöglichkeiten, ausreichend sanitäre Einrichtungen und Parkplätze, Überwachung der Strände durch Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Stationen.

Management als Voraussetzung für ungetrübtes Badevergnügen

Badestrand mit Gästen

Baden und Wassersport zählen zu den beliebtesten Freizeitvergnügen. Ein durchschnittlicher Schwimmer schluckt beim Baden im Schnitt 50 ml, ein Nichtschwimmer 30 ml Wasser [1]. Kinder beim Herumtoben und nicht ganz so gute Surfer schlucken oft ein Vielfaches dieser Mengen. Damit Baden wirklich ein Vergnügen bleibt, genügt es nicht mehr, die hygienische Wasserqualität engmaschig zu überwachen, vielmehr rückt das Management einer Badestelle in den Vordergrund. Dazu wird eine Badestelle mit all ihren Einflussfaktoren genau charakterisiert. Durch die Kenntnis dieser Faktoren können entweder Gegenmaßnahmen ergriffen werden oder die Badenden bei kurzzeitigen Verschmutzungen, zum Beispiel nach starken Regenfällen, gewarnt werden. Nur so kann der Badegast zeitnah geschützt werden.

Vielfältigste Krankheitserreger

Obwohl die Badegewässerqualität in Bayern überwiegend gut ist, können durch Menschen und Tiere die unterschiedlichsten Krankheitserreger, zum Beispiel Viren, Bakterien, Einzeller und Würmer, direkt mit Fäkalien oder indirekt über Abwässer oder Abschwemmungen in die Badeseen gelangen [2].

So wurden zum Beispiel Enteroviren wie Coxsackie- und Polioviren, das Hepatitis A-Virus als Erreger der epidemischen Gelbsucht oder das Norovirus bei Untersuchungen in Badegewässern gefunden. Bei den pathogenen Bakterien spielen Salmonellen, thermophile Campylobacter, Shigellen, Yersinien, Vibrionen, Aeromonaden und Leptospiren eine Rolle. Auch krankheitserregende Einzeller wie Giardien und Cryptosporidien können vorhanden sein [3].

Krankheitsfolgen für den Menschen - schwierige Ursachenforschung

Die Folgen für den Menschen, wenn er mit diesen Krankheitserregern in Berührung kommt, können vielfältig sein. Sie reichen von Durchfall, Erbrechen, Übelkeit, Fieber, Hautausschlägen, Atemwegsinfektionen bis hin zu teils lebensgefährlichen Organschäden. Eine Hautkrankheit in diesem Zusammenhang ist die Zerkarien-Dermatitis.

Eine lückenlose Aufklärung darüber, welche Verschmutzungen zu welchen Erkrankungen geführt haben, ist bei Badewasser-Infektionen nur selten möglich, da entsprechende Erreger meist nur für kurze Zeit im Wasser enthalten sind. Befragungsaktionen im Rahmen einer epidemiologischen Erfassung sind wesentlich aussagefähiger: So hatte an einer abwasser-belasteten Meeresküste rund ein Viertel der Feriengäste Beschwerden auf Grund intensiven Wasserkontaktes [4]. In einem anderen Fall konnte bei einem Ausbruch von Shigellenruhr als einzige Gemeinsamkeit das Baden in einem See ermittelt werden [5].

In der Regel ist die Untersuchung auf die Krankheitserreger sehr aufwendig. Sie ist daher nur in epidemiologischen Sonderfällen möglich.

Hauptquellen: Menschen und Wasservögel

Nicht nur der Mensch bringt direkt oder indirekt Fäkalkeime in Badegewässer ein. Nicht selten tragen auch Wasservögel zur Gewässerverschmutzung bei. So beträgt z.B. die durchschnittliche tägliche Fäkalienmenge beim Menschen rund 150 g, wobei in einem Gramm Stuhl rund 13 x 106 Escherichia coli (Fäkalcoliforme) bzw. 3 x 106 Enterokokken (Fäkalstreptokokken) vorhanden sind. Eine Ente scheidet dagegen täglich rund 336 g Kot mit 33 x 106E. colibzw. 54 x 106 Enterokokken pro Gramm aus [6]. Die Fracht an derartigen Fäkalbakterien, die durch eine einzige Ente ins Gewässer gelangen kann, entspricht also der von mehreren Menschen. Unnatürlich große Ansammlungen von Wasservögeln können gerade bei kleineren Badeseen dazu führen, dass die Selbstreinigung versagt.

Füttern als Ursache

Schuld an derartig hohen Populationsdichten ist oft das unvernünftige Füttern. Nicht selten werden große Mengen alter Semmeln und Brotreste am Ufer ausgelegt. Neben den Wasservögeln werden hierdurch zusätzlich auch Ratten angelockt. Diese verbreiten zum Beispiel den Erreger der Leptospirose. Fütterungsverbote sollten daher unbedingt eingehalten werden.

"Indikatorkeime" als Maßstab

Da die meisten Erreger fäkal-oral, das heißt über die Aufnahme von fäkalien-verseuchtem Wasser über den Mund übertragen werden, ist es üblich, den Belastungszustand eines Gewässers mit Warmblüterfäkalien über sogenannte "Indikatorkeime" zu bestimmen. In der Richtlinie von 2006 (gültig ab 2008) wurden die bisherigen "Indikatorkeime“, "Fäkalcoliforme“ und "Gesamtcoliforme“ durch die Parameter "Escherichia coli“ und "Intestinale Enterokokken“ ersetzt.

Normalerweise stirbt E. coli in der Umwelt mehr oder weniger rasch ab. Festgestellte Belastungen zeigen somit eine relativ frische Verunreinigung mit Warmblüterfäkalien an. Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse [7] haben sich Enterokokken als aussagekräftigere Indikatorkeime als Gesamtcoliforme für das mögliche Vorhandensein von Krankheitserregern erwiesen. Enterokokken kommen vor allem in tierischen Fäkalien in hoher Konzentration vor und können auch länger in der Umwelt überleben. Dadurch ist ihr Nachweis ein Indiz für eine auch länger zurückliegende Kontamination mit Warmblüterfäkalien.

EU-Recht als Maßstab für Badewasserqualität

Für die Badegewässerqualität maßgebliche Gütekriterien wurden bis zur Badesaison 2008 durch die EU-Richtlinie 76/160/EWG vorgegeben Zur Überwachung waren regelmäßige mikrobiologische, aber auch chemische und physikalische Untersuchungen vorgeschrieben.

Ab Saisonbeginn 2008 werden Badegewässer nach der neuen EU-Badewasserrichtlinie [8] auf die mikrobiologischen Parameter Escherichia coli und Intestinale Enterokokken untersucht.

Für die Qualitätseinstufung eines Badeplatzes wird auch nicht mehr die Einzelmessung im Vordergrund stehen. Vielmehr wird sich die Beurteilung auf einen Zeitabschnitt von vier Jahren beziehen, wobei dann über eine 95-Perzentil-Bewertung oder eine 90-Perzentil-Bewertung der vorliegenden Messwerte - in der Regel jährlich vier, bei Ausdehnung der Badesaison von Mai bis September, wie in Bayern üblich, sechs Untersuchungen - der Badeplatz als "ausgezeichnet“, "gut“, "ausreichend“ oder "mangelhaft“ eingestuft wird. Diese erste Zuordnung nach der neuen Richtlinie wird somit erst nach Ablauf der Badesaison 2011 stattfinden.

Für die Übergangsphase von 2008 bis 2011 wird die Bewertung der Badeplätze wie bisher erfolgen. Für den Parameter Escherichia coli gilt der bisherige zwingende Wert für Fäkalcoliforme Bakterien von 2.000 Keimen/100 ml und der Leitwert von 100 Keimen/100 ml. Bei Grenzwertüberschreitung ist die Badestelle als „mangelhaft“ einzustufen, wobei nach der 95-Prozent-Regel lediglich eine Überschreitung bei 20 Untersuchungen toleriert werden kann. Für die Einhaltung des Leitwerts gilt wie bisher die 80-Prozent-Regel. D. h. ein Badegewässer ist „ausgezeichnet“, wenn nicht mehr als 20 % der Messwerte oberhalb des Leitwertes liegen.

Für den Parameter Intestinale Enterokokken gelten die bisherigen Werte der Richtlinie 76/160/EWG für Fäkalstreptokokken. Da es hierfür keinen Grenzwert gibt, und der Leitwert von 100 Keimen/100 ml in 90 % der Proben eingehalten sein muss, gilt das Badegewässer als „ausgezeichnet“, wenn nicht mehr als 10 % der Messwerte oberhalb des Leitwertes liegen.

Hygienische Qualität der gemeldeten EU-Badestellen in Bayern

Die Ergebnisse sind in der Tabelle aufgelistet:

Tabelle 1: Mikrobiologisch-hygienische Untersuchungsergebnisse bei den an die EU gemeldeten Badestellenvon Badeseen in Bayern in den Jahren 2008 bis 2010
Anzahl
beprobter
Badestellen
Leitwerte
eingehalten
„ausgezeichnet“
Grenzwerte
eingehalten
„gut“
Grenzwerte
überschritten
„mangelhaft“
Zeitweises Badeverbot
wegen Blaualgen
Nicht konform
wegen Ausfall einer Untersuchung
2008 360 279 71 6 4 -
2009 366 294 62 4 2 4
2010 373 288 73 10 2 -

Im Jahr 2008 wiesen 77,5 % der Badestellen eine „ausgezeichnete“, 19,7 % eine „gute“ und 1,7 % eine „mangelhafte“ hygienische Qualität auf. Bei vier Badestellen (1,1 %) musste wegen Blaualgen zeitweise ein Badeverbot erlassen werden.
Im Jahr 2009 waren 80,3 % „ausgezeichnet“, 16,9 % „gut“ und 1,1 % „mangelhaft“. Zusätzlich wurden 2 Badestellen (0,5%) wegen Blaualgen zeitweise geschlossen und 4 Badeplätze (1,1 %) mit ansonsten „ausgezeichneten“ Werten mussten als nicht konform wegen einer fehlenden Untersuchungsserie eingestuft werden.
Im Jahr 2010 waren 77,2 % „ausgezeichnet“, 19,6 % „gut“ und 2,7 % „mangelhaft“. Zusätzlich wurden 2 Badestellen (0,5%) wegen Blaualgen zeitweise geschlossen und bei 2 der 10 mangelhaften Stellen ebenfalls ein Badeverbot ausgesprochen.

Situation in bayerischen Flüssen

Ebenso wie die Seen locken auch die Flüsse - trotz der meist niedrigen Wassertemperaturen - zum Baden. Dies verwundert nicht, zumal sich die biologische und chemische Gewässerqualität unserer Flüsse in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert hat. Die Kommunen und der Freistaat haben erhebliche Mittel für die Renaturierung aufgewendet und auf diese Weise dazu beigetragen, dass die bayerischen Flüsse über weite Strecken wieder zu naturnahen Lebensräumen für viele Pflanzen- und Tierarten geworden sind.

Die Besonderheiten der Flüsse führen allerdings oftmals, insbesondere witterungsbedingt zu einer schwankenden hygienischen Qualität des Wassers.

Flüsse sind vor allem infolge der Vorfluternutzung und aufgrund von Abschwemmungen aus der Landwirtschaft häufig verunreinigt, so dass hier das Baden auf eigene Gefahr stattfindet. So sind etwa 20 % der Flusswasserproben über den Grenzwert hinaus belastet. Überwiegen Einträge aus Kläranlagen, so können sich dort durchgeführte Hygienisierungsmaßnahmen wie beispielsweise eine UV-Desinfektion positiv auf die Fließwasserqualität auswirken.

Die Isar - eine Ausnahme

An den Flussabschnitten der Isar vom Sylvensteinspeicher bis nach München und darüber hinaus bis nach Moosburg liegt jedoch eine besondere Situation vor. Die Ufer und das Einzugsgebiet der Isar sind zu einem erheblichen Teil geprägt durch größere Waldflächen. Dadurch ist die Belastung mit Mikroorganismen – darunter auch Krankheitserreger - aus diffusen Quellen wie der Landwirtschaft im Vergleich zu den Einleitungen der Kläranlagen relativ gering.

Durch die seit 2003 stattfindende Behandlung des Abwassers mit UV-Strahlen in Kläranlagen an der Isar wird ein wichtiger Beitrag geleistet, den Eintrag von Krankheitserregern in die Isar und damit das Infektionsrisiko für Badende zu vermindern. Da der Betrieb der UV-Anlagen mit einem beträchtlichen Energieaufwand verbunden ist, findet die Abwasserbehandlung nur während des Sommerhalbjahres von 15. April bis 30. September statt. Dies trägt wesentlich zu einer stabilen hygienisch erfreulichen Wasserqualität insbesondere zu Schönwetterzeiten bei.

Abbildung ist eine Informationsschrift über das Baden in der Isar

Vor allem bei Starkregen kann es aber weiterhin zu Einträgen von Krankheitserregern in die Isar und dadurch zu einem vorübergehend erhöhten Infektionsrisiko für Badende kommen. Die Isar ist ein Wildfluss, in dem keine konstante Badegewässerqualität garantiert werden kann. Seien Sie sich dessen bewusst und berücksichtigen Sie die Verhaltenshinweise zum Baden in natürlichen Gewässern!

Beachten Sie daher auch die Informationstafeln, die an stark besuchten Stellen der Isar angebracht sind.

Tipps für ungetrübtes Badevergnügen

Alle "offiziellen" Badegewässer werden in Bayern regelmäßig überwacht. Trotzdem sollte man beim Baden in der freien Natur aus hygienischer Sicht einige Regeln berücksichtigen:

Das Baden in Seen und Badeweihern ist in Bayern in der Regel ohne Bedenken möglich. Vorsicht geboten ist an Stellen mit Zuflüssen oder unnatürlich großen Wasservogelansammlungen. Badeverbote sollten im eigenen Interesse unbedingt beachtet werden.

Literatur

[1] Carlson, S.: Zur Hygiene der Freibadegewässer und öffentlichen Schwimmbäder. Budesgesundheitsblatt 9, 169-173, 1966

[2] Schindler, P.: Hygienische Beurteilung der Gewässer. In: S.H. Pfeiff (Hrsg.): ATV-Handbuch: Planung der Kanalisation, 4. Auflage, Punkt 6.1., 145-159, 1994

[3] World Health Organization: Guidelines for safe recreational water environments. Vol. 1: Coastal and fresh waters. Word Health Organization, 2003

[4] Balarajan, R., V. Soni Raleigh, P. Yuen, D. Wheeler, D. Machin and R. Cartwright: Health risks associated with bathing in sea water. BMJ 303, 1444-1445, 1991

[5] Fellmann, G., B. Gericke, I. Carmienke, C. Schröder, H. Kühn und H. Mündorfer: Aus-bruch von Shigella-sonnei-Infektionen nach Baden in einem See. Bundesgesundheitsblatt 35, 336-340, 1992

[6] Geldreich, E.E.: Bacterial populations and indicator concepts in feces, sewage, stormwa-ter and solid wastes. In: Berg, G. (ed.), Indicators of viruses in water and food. Ann Arbor Science, Ann Arbor, Mich. 51-97, 1978

[7] Szewzyk, R. und A. Knobling: Umsetzung der neuen EG Badegewässerrichtlinie in Deutschland. Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 50, 354–358, 2007

[8] EG: Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 15. Februar 2006 über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung und zur Aufhebung der Richtlinie 76/160/EWG. Amtsbl. EU vom 4.3.2006 L64/37-51.

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