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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Krankenhausinfektionen (Nosokomiale Infektionen)

Im Krankenhaus erworbene Infektionen (nosokomiale Infektionen) spielen eine wichtige Rolle, seit Patienten in Einrichtungen des Gesundheitswesens behandelt werden. Sie sind also an sich keine neue Erscheinung. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich die moderne Medizin aber erheblich weiterentwickelt und es werden immer mehr invasive therapeutische und diagnostische Verfahren angewendet. Die Kehrseite dieser positiven Entwicklung ist eine Erhöhung des Infektionsrisikos. Außerdem werden die Patienten älter oder sie leben längere Zeit mit deutlich reduzierten Abwehrmechanismen. Auch dadurch wird das Auftreten von nosokomialen Infektionen begünstigt. Im Allgemeinen handelt es sich aber um ein multifaktoriell bedingtes Geschehen, welches auch im konkreten Krankheitsfall nicht einfach einer einzelnen Ursache zuzuordnen ist.

Welche Krankenhausinfektionen werden unterschieden?

Bei den Krankenhausinfektionen unterscheidet man zwischen exogenen und endogenen Infektionen:

  • Exogene Infektionen sind das direkte Ergebnis einer Erregeraufnahme aus der Umwelt des Patienten, sei es durch Kontakt mit anderen Personen, mit kontaminierten Gegenständen oder erregerhaltigen Umweltmedien.
  • Endogene Infektionen lassen sich in primäre und sekundäre Infektionen unterteilen. Bei den primären endogenen Infektionen stammt der Krankheitserreger aus der Flora des Patienten selbst. Solche Infektionen treten vor allem dann auf, wenn die Abwehrkraft des Patienten erheblich reduziert ist. Bei den sekundären endogenen Infektionen werden Erreger aus der Umgebung des Patienten Teil der patienteneigenen Flora und lösen erst später im Laufe der Behandlung eine Infektion aus.

Wie entsteht eine nosokomialen Infektion?

Aufgrund der unterschiedlichen Entstehungsmechanismen einer nosokomialen Infektion können unterschiedliche Faktoren das Auftreten von Krankenhausinfektionen begünstigen: Patientenfaktoren, die Krankenhausumgebung, die Medizintechnik und personelle Faktoren. Die Bemühungen des klinisch tätigen Personals und der Krankenhaushygieniker ist darauf gerichtet, diese Faktoren, soweit sie überhaupt beeinflussbar sind, so zu verändern, dass das Auftreten einer Infektion vermieden oder aber, wie im Falle der endogenen Infektion, zumindest verzögert wird. In der Regel führt dabei erst eine Bündelung verschiedener Maßnahmen zu Erfolgen.

Wie häufig treten Krankenhausinfektionen auf?

Krankenhausinfektionen treten in Europa durchschnittlich in einer Häufigkeit von 3 -10 % auf. Von hundert Patienten, die in einem Krankenhaus behandelt werden, erkranken also - in unterschiedlicher Schwere- 3 bis 10 Patienten. Die Häufigkeit kann dabei von Krankenhaus zu Krankenhaus, aber auch von Fachrichtung zu Fachrichtung erheblich schwanken. Die höchsten Infektionsraten sind naturgemäß auf Intensivstationen zu beobachten, wo die Patienten aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung und der intensiven und häufig auch invasiven Behandlung einem hohen Risiko ausgesetzt sind. Man muss damit rechnen, dass jährlich mehr als 60.000 Krankenhausinfektionen auf Intensivstationen auftreten. Insgesamt kann aufgrund von Hochrechnungen von etwa 500.000 bis 800.000 Fällen nosokomialer Infektionen ausgegangen werden. Der Anteil der vermeidbaren Krankenhausinfektionen wird dabei auf ca. 20 bis 30 % geschätzt.

Wie können Krankenhausinfektionen vermieden werden?

Die Vermeidung von Krankenhausinfektionen erfolgt auf vielen Ebenen. Die Beschäftigung von gut geschultem Hygienepersonal, die Erfassung von Krankenhausinfektionen, die Einhaltung von Hygienerichtlinien, die Kontrolle des Antibiotikaeinsatzes und die Schaffung eines guten baulich-funktionellen Umfeldes, welches die Arbeit und Disziplin des Personals erleichtert, sind hier zu nennen.

Die wichtigste Einzelmaßnahme stellt allerdings die Händedesinfektion dar. Die Hände des Personals gelten als wichtigster Übertragungsweg für Krankenhausinfektionen. Seit vielen Jahrzehnten ist deshalb versucht worden, eine konsequente Händehygiene durchzusetzen. In einem mehrjährigen Programm konnte beispielsweise durch Verbesserung der Händehygiene die Infektionsrate in einer Klinik von 16,9 auf 9,9 % gesenkt werden. Besonders das Pflegepersonal konnte durch die Aktionen erreicht werden, die Ärzte änderten ihr Verhalten eher weniger.

Insgesamt spielen viele Faktoren eine Rolle, warum die Händedesinfektion nicht konsequent durchgeführt wird. Neben mangelnder Disziplin und Einsicht in oder Kenntnis über die Notwendigkeit der Maßnahme sind die Überarbeitung des Personals, Hautirritationen durch häufige Desinfektionen, schlechte Erreichbarkeit von Desinfektionsmittelspendern und zwingend notwendige, lebensrettende therapeutische Interventionen, bei denen die Einhaltung der Hygiene zurücktreten muss, zu nennen. Trotzdem existiert hier großes Potential, nosokomiale Infektionen zu vermeiden, so dass auch weiterhin größte Aufmerksamkeit auf die Durchführung einer konsequenten Händehygiene gerichtet werden sollte.

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