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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Reihenuntersuchung Arzneidrogen: Kamillenblüten in bayerischen Apotheken besser als die Norm - Untersuchungsergebnisse 2007 ((???))

Allgemeines zu Kamille

Bild von getrockneten Kamillenblüten

Kamille ist seit Jahrhunderten als Heilpflanze im Gebrauch. Schon die Ägypter und Griechen machten sich das Gewächs zunutze; der Name Kamille leitet sich entsprechend von der griechischen Bezeichnung Chamaimelon ab. Die früher übliche Wildsammlung ist heute weitgehend durch gezielten Anbau abgelöst worden, weshalb Untermischungen oder Verwechslungen mit ähnlichen Arten wie Römische Kamille (Chamaemelium nobile) oder Hundskamille (Anthemis cotula) der Vergangenheit angehören sollten. Echte oder Arzneikamille zeichnet sich durch einen hohlen Blütenboden aus und wird im Europäischen Arzneibuch unter der Stammpflanze Matricaria recutita L. (Synonym: Chamomilla recutita (L.) Rauschert) geführt, wobei dort neben getrockneten Kamillenblüten auch noch Kamillenfluidextrakt und (ätherisches) Kamillenöl mit entsprechenden Spezifikationen als Monographien aufgeführt sind. Über das ätherische Öl werden vier hauptsächliche Chemotypen bzw. geographische Provenienzen unterschieden. So gibt es einen bulgarisch-türkischen Kamillentyp, der frei von Matrizin bzw. Chamzulen ist und dadurch die Grundforderung des Arzneibuchs nach blauem, ätherischen Öl nicht erfüllen kann. Durch Züchtung neuer (auch tetraploider) Kamillensorten sowie dem Anbau in verschiedenen Kontinenten (z. B. Ägypten, Ungarn, Argentinien) verwischen im Handel bisherige Unterschiede bei geographischen Herkünften..

Arzneimittelwirkung - Teegenuss

Die Heilpflanze Kamille wird innerlich und äußerlich angewandt (z. B. zu Mundspülungen bei Schleimhautentzündungen, Inhalationen bei Reizung der Atemwege oder in Form des klassischen Kamillentees). Hierfür existiert eine Standardzulassung (§36 AMG) für das Arzneimittel Kamillenblüten. Die innerliche Anwendung erfolgt danach auch bei Krämpfen und entzündlichen Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich mehrmals täglich, indem ein gehäufter Esslöffel (circa 3g) Kamillenblüten oder 2 Aufgussbeutel zu 1,5g mit 150ml siedendem Wasser 5 bis 10 Minuten übergossen werden.

Wirksame Bestandteile sind insbesondere im ätherischen Öl der Blüten vorhanden, wobei nur ein Teil in den Aufguss übergeht. Alkoholische Fluidextrakte stellen diesbezüglich eine bessere Darreichungsform dar. Besser wasserlöslich und somit im Aufguss wirksam sind hingegen Schleimstoffe und die Kamillenflavonoide. Insbesondere sind Apigenin-7-glucosid bzw. Apigenin für die krampflösende Wirkung mitverantwortlich.

Kamillentee kann aber auch als durstlöschendes Lebensmittel bzw. teeähnliches Erzeugnis (Lebensmittel) in den Verkehr gebracht werden, selbstverständlich ohne krankheitsbezogene Aussagen. Er unterliegt dann nicht den Qualitätsforderungen des Arzneibuchs und kann dann neben den wertvollen Blütenköpfchen auch wesentlich mehr Stängel- und Blattanteile enthalten. Gerade bei Filterbeuteln mit stark zerkleinerten Kamillenbestandteilen wurde diese Tendenz bei Untersuchungen der Universität Innsbruck im Auftrag des Komitees Forschung Naturmedizin vermehrt beobachtet [1].

Unsere Untersuchungsergebnisse

Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hat 22 Proben Kamillenblüten mit mutmaßlicher arzneilicher Verwendung, darunter 18 Proben aus öffentlichen Apotheken Bayerns in Anlehnung an das Arzneibuch (Ph. Eur. 5.1) auf Identität, Trocknungsverlust, fremde Bestandteile, Gehalt und Zusammensetzung des ätherischen Öls untersucht. Die Anforderungen des Arzneibuchs insbesondere beim Gehalt des ätherischen Öls mit 4ml/kg übersteigen dabei deutlich die Normen, die im Lebensmittelbereich an das teeähnliche Erzeugnis Kamille (mindestens 2ml/kg) gestellt werden.

Alle Proben entsprachen dem geforderten Gehalt an ätherischem Öl im Arzneibuch, bei allen Proben war auch das ätherische Öl durch das beim Destillationsvorgang entstehende Chamazulen deutlich blau gefärbt. Einen extrem hohen Azulengehalt mit 7,7% im Öl hatte nur eine einzige Probe, die zugleich mit hohem Gehalt von 14,8% Levomenol (alpha-Bisabolol) aufwartete. Sie repräsentiert eine spanische Kamillenpopulation -etwa der Zuchtsorte Degumille-, die zur Herstellung eines hochwertigen Kamillenöls begehrt ist. Die restlichen Proben entsprachen einer Kamille mit hohem Anteil an Bisabololoxid A (im Schnitt 51,3 %), wie er für handelsübliche mitteleuropäische und ägyptische Kamille üblich ist. Bei fünf der 22 Proben war ein zu hoher Anteil an Kamillengrus (> 25 % durch Sieb 710 abtrennbare Drogenbruchstücke bzw. Röhrenblüten als Feinanteil) festzustellen. Dies tritt bevorzugt bei längerer Lagerung und tetraploiden Kamillensorten auf und stellt primär dann einen Qualitätsmangel dar, wenn diese Kamillenblüten zu Teemischungen weiterverarbeitet werden und dadurch Entmischung droht.

Das Gesamtergebnis besagt, dass die höheren Anforderungen an Arzneikamille bei den in Apotheken angebotenen Kamillenblüten im Prinzip eingehalten werden.

Literatur:

[1] Hauszeitschrift BIONORICA 1/2006 englische Fassung S .4-7

[1] Komitee Forschung Naturmedizin e.V.

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