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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Verbotene Substanzklassen und deren Wirkung

Im folgenden werden die verschienen Wirkstoffgruppen gemäß der Liste der verbotenen Substanzen 2007 vorgestellt und die damit verbundenen Gesundheitsgefahren erläutert.

Anabole Substanzen

Anabolika gehören wohl zu den am häufigsten angewandten Dopingmitteln, vor allem im Bereich des Bodybuildings. Die meisten Anabolika leiten sich von den männlichen Sexualhormonen, den Androgenen ab. Sie wirken eiweiß-anabol, d. h. sie führen zu einer positiven Stickstoffbilanz. Dadurch werden allgemein alle Wachstumsprozesse beschleunigt. Im Zusammenspiel mit Training führt die Einnahme von Androgenen zu gesteigertem Muskelwachstum. Zudem wird die Blutbildung (Erythropoese) stimuliert, die Anzahl roter Blutkörperchen steigt.

Verwendung finden sowohl natürliche, d. h. vom Körper selbst produzierte Steroide (endogene Anabolika) aber auch synthetische Wirkstoffe (exogene Anabolika) sowie nichtsteroidale Substanzen, die jedoch auch anabole Eigenschaften besitzen.

Beispiele für anabole Wirkstoffe:

Exogene Wirkstoffe

  • Androstendiol
  • Danazol
  • Quinbolon
  • Stanazolol
  • Trenbolon
  • Tibolon

Endogene Wirkstoffe

  • Androstendiol
  • Dihydrotestosteron
  • Dehydroepiandrostendion (DHEA)
  • Testosteron

Nichtsteroidale Anabolika

  • Clenbuterol
  • Zeranol

Die wichtigste Nebenwirkung aller Anabolika ist ihre androgene Wirkung. Bei Frauen führen Anabolika zur „Vermännlichung“ (Virilisierung). Dies macht sich durch irreversible Veränderungen der Stimme, durch Klitoriswachstum und Haarwachstum an den Beinen und im Gesicht bemerkbar. Häufig tritt Akne auf (so genannte Steroidakne). Durch Störung der Hypophysenfunktion kommt es zu Zyklusstörungen.
Bei Männern führen Anabolika aufgrund ihres teilweisen Umbaus im Körper zu Estrogenen zu einer Vergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie). Die Neubildung von Samenzellen (Spermatogenese) wird blockiert.

Durch die Einnahme von Androgenen kommt es zu einer Verschiebung der Blutfettwerte hin zu „schlechten Fetten“, d. h. das Gesamtcholesterin, die Triglyceride die LDL- und die VLDL-Fraktion steigt, während die HDL-Fraktion sinkt. Als Resultat steigt das Atheromatose-Risiko (degenerativ-nekrotisierende Veränderung der Gefäßinnenwand), es können sich atherosklerotische Plaques bilden.

Bei Kindern und Jugendlichen kann es durch Steroid-Anabolika zu einer Beschleunigung der Knochenreifung mit vorzeitigem Verschluss der Epiphysenfuge kommen.

Durch die Gabe von Steroid-Anabolika kommt es zu einer (gewollten) Zunahme der Muskelmasse. Dieses Muskelwachstum betrifft jedoch nicht nur die Skelettmuskulatur sondern auch den Herzmuskel. Es kommt zur Vergrößerung der Herzmuskelzellen (Hypertrophie), wobei jedoch die notwendige Kapillarisierung zur Versorgung mit Sauerstoff ausbleibt. Bei starker Beanspruchung kann es so zur Sauerstoffunterversorgung des Herzens und damit zu Schäden am Herzen kommen.

Bestimmte Anabolika können bei längerer Anwendung zu irreversiblen Leberschäden führen. Das Auftreten von Leberzellkarzinomen wird mit der Einnahme hoher Dosen Androgene in Zusammenhang gebracht.

Peptidhormone

Bei den Peptidhormonen handelt es sich in der Regel um körpereigene Hormone, die Einfluss auf das Wachstum oder die Blutbildung nehmen. Beispiele für solche Hormone sind

  • Erythropoietin (Epo),
  • Wachstumshormone, Somatomedine und entsprechende Releasinghormone (z. B.hGH, IGF-1 usw.),
  • Gonadotropine (LH, hCG) bei Männern,
  • Insulin und
  • Corticotropine (z. B. ACTH).

Erythropoietin:

Das bekannteste Hormon dieser Gruppe ist vermutlich das Erythropoietin (kurz Epo). Erythropoietin wird von speziellen Zellen der Nierenrinde gebildet und wird bei Sauerstoff- oder Hämoglobinmangel freigesetzt. Es führt zur Differenzierung bestimmter Zellen des Knochenmarks und somit zur Bildung von roten Blutkörperchen.

Medizinisch findet rekombinantes Epou. a. bei bestimmten Anämieformen Anwendung. Wird Epo über mehrere Wochen und vor allem in höherer Dosis beim ansonsten gesunden Menschen zu Dopingzwecken angewendet, kommt es zur verstärkten Bildung roter Blutkörperchen (Anstieg des Hämatokrit). Ein erhöhter Hämatokrit führt zur „Eindickung“ des Blutes, d. h. die Blutviskosität verschlechtert sich. Dadurch steigt der Blutdruck, die Thrombosegefahr steigt deutlich.

Wachstumshormone:

Um ein ebenfalls körpereigenes Hormon handelt es sich beim menschlichen Wachstumshormon hGH (human Growth Homrone, somatotropes Hormon STH). Dieses Hormon wird vor allem im Kindesalter in relativ großer Menge von der Hypophyse ausgeschüttet und wirkt nicht zielorganspezifisch indirekt über die Stimulation der Ausschüttung weiterer Hormone (z. B. Somatomedine aus der Leber) wachstumsfördernd. Mit zunehmendem Alter wird die STH-Ausschüttung physiologischerweise kleiner. Zur Substitutionstherapie bei Kindern mit Zwergenwuchs aufgrund einer Hypophysenunterfunktion steht hGH als rekombinanter Wirkstoff zur Verfügung. Aufgrund seiner Eigenschaften, Wachstum (Muskelwachstum!) zu fördern, wird der Wirkstoff seit längerer Zeit als Dopingmittel eingesetzt. Zudem werden Fettdepots unter Gabe von hGH leichter abgebaut.

Da hGH zu unspezifischen Wachstum führt, werden als Nebenwirkung einer hGH-Einnahme Wachstumsprozesse aller zum Wachstum fähigen Strukturen des Körpers beobachtet. Neben einer noch relativ harmlosen Akromegalie führt dies v. a. zu Wachstumsprozessen an inneren Organen wie dem Herzen, die leicht zur Herzinsuffizienz bis hin zum Tod führen können. Dies gilt umso mehr, als Wachstumshormone gerne mit anabolen Steroiden genommen werden. Hier verstärken sich entsprechende Effekte.

Stimulantien

Stimulantien gehören vermutlich zu den am häufigsten während eines Wettkampfs eingenommenen Mitteln. Typische Vertreter dieser Gruppe sind die Amphetamine, Cocain, Methylphenidat, Ephedrin sowie verschiedene als Appetitzügler verwendete Substanzen wie Fenfluramin, Fenetyllin und Sibutramin.

Die genannten Substanzen führen zu einer Freisetzung verschiedener Neurotransmitter (v. a. Dopamin und Noradrenalin) im Zentralnervensystem. Die Ermüdungsschwelle wird angehoben, Neurotransmitterreserven in den Nerven werden angegriffen. Neben gesteigerter Euphorie zeigt sich aggressives Verhalten, die Risikobereitschaft steigt.

Vor allem aus dem Radsport sind zahlreiche Todesfälle bekannt, die auf die Einnahme von Amphetaminen zurückzuführen sind. Diese Wirkstoffe führen zu einer Verengung peripherer Blutgefäße. Es bildet sich ein Wärmestau, der Körper überhitzt. Weitere Nebenwirkungen der Stimulantien sind (dosisabhängig) u. a. Tachykardie (Herzrasen), Hypertonie (Bluthochdruck), Herzrhythmusstörungen sowie Herz- und Kreislaufkollaps.

Coffein, Bupropion, Phenylephrin, Phenylpropanamin, Pipradol, Pseudoephedrin und Synephrin werden bei Dopingkontrollen zwar bestimmt, sind jedoch keine verbotenen Substanzen gemäß der Liste der verbotenen Substanzen 2007.

Narkotika

Alle Wirkstoffe dieser Gruppe leiten sich vom Morphin ab oder sind synthetische Derivate mit vergleichbarer Wirkung. Entsprechend fallen diese Stoffe in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz. Als Beispiele für verbotene Substanzen aus der Gruppe der Narkotika finden sich in der Liste der verbotenen Substanzen 2006 z. B.

  • Buprenorphin,
  • Diamorphin (Heroin),
  • Fentanyl,
  • Methadon,
  • Morphin,
  • Oxycodon,
  • und Pethidin.

Aufgrund ihrer starken analgetischen, d. h. schmerzunterdrückenden Wirkung finden sie u. a. medizinische Anwendung bei Patienten mit starken Schmerzen. Sie wirken beruhigend, was sich ähnlich positiv wie die Verwendung von ß-Blocker bei Sportarten wie dem Schießen auswirkt.

Aufgrund ihrer Eigenschaft, Schmerzen zu unterdrücken, finden sie auch Anwendung bei Kampfsportarten wie Boxen.

Alle Substanzen dieser Gruppe führen zur Abhängigkeit. Wichtigste Nebenwirkung ist die Lähmung des Atemzentrums, die u. U. zum Tode führen kann. Sie führen u. a. zu Übelkeit und können Spasmen sowie zerebrale Krämpfe auslösen.

Codein, ein Wirkstoff, der als Hustenblocker in vielen verschreibungspflichtigen Arzneimitteln zu finden ist, ist nicht verboten. Codein wird jedoch im Körper z. T. zu Morphin umgewandelt, das über den Urin ausgeschieden wird.

Diuretika und andere maskierende Substanzen

Diuretika sind Substanzen, die zu einer vermehrten Wasserausscheidung führen. Ihre Wirkung setzt typischerweise rasch ein und hält nur kurze Zeit an. In kurzer Zeit kann der Sportler daher u. U. mehrere Liter Flüssigkeit und damit einige Kilo Gewicht verlieren. Diuretika werden daher häufig kurz vor Wettkämpfen eingenommen, bei denen bestimmte Gewichtsgrenzen nicht überschritten werden dürfen (z. B. Boxen, Judo). Durch den Flüssigkeitsverlust treten zudem Muskelpartien deutlicher hervor, so dass häufig Bodybuilder vor Wettkämpfen Diuretika einnehmen.

Beispiele für Substanzen aus der Gruppe der Diuretika sind z. B.

  • Acetazolamid
  • Amilorid
  • Ethacrynsäure
  • Furosemid
  • Spironolacton
  • Thiazide (HCT u. a.)
  • Triamteren

Unter die Gruppe der so genannten maskierenden Substanzen fallen Stoffe, die eine Urinprobe potentiell verändern können. Maskierend wirken aber auch Substanzen, die z. B. das Vorhandensein bestimmter Metabolite oder Arzneistoffe im Urin verschleiern oder das Ausscheidungsverhalten der Niere verändern bzw. beeinflussen.

Beispiele für maskierende Substanzen (neben den Diuretika) sind z. B.

  • Epitestosteron
  • Probenecid
  • Finasterid/Dutasterid
  • Plasmaexpander (Albumin, Dextran, HES usw.)

Durch Gabe von Epitestosteron wird z. B. das Verhältnis von Testosteron/Epitestosteron im Urin geändert. Unter physiologischen Bedingungen werden beim Mann beide Hormone etwa in gleichem Verhältnis ausgeschüttet. Die Gabe zusätzlicher Androgene zu Dopingzwecken führt durch Störung des Gleichgewichts zu einer Verminderten der körpereigenen Produktion von Testosteron und Epitestosteron, wobei die Produktion von Epitestosteron meist stärker gehemmt wird. Dadurch ändert sich das „Steroidprofil“ (Verhältnis der mit dem Urin ausgeschiedenen Steroide) und das Verhältnis Testosteron/Epitestosteron steigt an. Das Verhältnis T/E darf für einen negativen Befund maximal 4:1 betragen.

Plasmaexpander sind kolloidale Lösungen, die durch ihren onkotischen Druck zu einem Flüssigkeitseinstrom in die Blutbahn führen, also durch Umverteilung von körpereigener Flüssigkeit das zirkulierende Blutvolumen erhöhen. Dadurch lässt sich z. B. ein zu hoher Hämatokrit-Wert (nach EPO-Doping) senken.

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