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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Eichenprozessionsspinner

Die Familie der Prozessionsspinner

Die Familie der "Prozessionsspinner" (Thaumetopoeidae) gehört zur Ordnung der Schmetterlinge. Die Prozessionsspinner haben diesen Namen erhalten, da deren Raupen sich oft in Kolonnen - "Prozessionen" - fortbewegen.

Es gibt etwa 100 verschiedene Arten. Bekannte Vertreter in Europa sind der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea L.), der Pinienprozessionsspinner (auch Fichtenprozessionsspinner) (Thaumetopoea pityocampa) und der Kiefernprozessionsspinner (Thaumetopoea pinivora). Alle drei Arten sind Forstschädlinge.

In der Tabelle 1 sind wesentliche Informationen zu den Wirtspflanzen und zum Vorkommen zusammengefasst. In Deutschland spielt nur der Eichenprozessionsspinner eine Rolle.

Tabelle 1: Übersicht über wesentliche Informationen zu den drei Prozessionsspinnerarten
Art Wirtspflanze Vorkommen Bayern
Pinienprozessionsspinner Nadelbäume wie Pinien, Fichte, Föhre Mittelmeerländer (wie Tunesien, Algerien, Marokko, Spanien, Italien, Griechenland, Portugal) und Schweiz nein
Kiefernprozessionsspinner Kiefern südliche europäische Länder (z. B. Südtirol) Türkei, Naher Osten und Nordafrika; vereinzelte Vorkommen in Deutschland nein
Eichenprozessionsspinner Stiel-, Traubeneiche, bedingt Amerikanische Roteiche Zentral- und Südeuropa (Österreich, Schweiz, Deutschland, Frankreich, Belgien, Niederlande, England, Polen, Ungarn, verschiedene Balkanstaaten) ja

Biologie und Entwicklung des Eichenprozessionsspinners

Der Eichenprozessionsspinner ist ein Nachtschmetterling, der von Ende Juli bis Anfang September fliegt. Ein Weibchen legt 100 bis 200 etwa 1 mm große weiße Eier ausschließlich im oberen Kronenbereich von Eichen. Für die Eiablage sucht sich der Schmetterling meist freistehende, ältere Bäume am Waldrand, auf Feldern oder Wiesen aus. Die Gelege werden mit grauen Schuppen in der Farbe der Eiche und mit Sekret getarnt.

Anfang Mai schlüpfen die jungen Raupen. Auf der breiten Rückenlinie liegen samtartig behaarte Felder mit rotbraunen, langhaarigen Warzen. Die Raupen durchlaufen fünf bis sechs Entwicklungsstadien bis zur Verpuppung (Zeitspanne 66 bis 87 Tage). Ältere Raupen (nach der zweiten Häutung) besitzen kurze und lange Härchen, wobei die kurzen Härchen als Brennhaare (Setae) ausgebildet sind. Die Brennhaare, die einen Giftstoff vergleichbar dem Thaumetopoein des Pinienprozessionsspinners enthalten, schützen die Raupen vor Fressfeinden wie Vögeln und Säugetieren. Von Beginn an leben sie in geselligen Familienverbänden und sammeln sich in jüngeren Stadien an locker zusammen gesponnen Blättern oder Zweigen. Die typischen Nester werden erst in den folgenden Raupenstadien gebaut.

Mitte Juni ziehen sich die älteren Raupen tagsüber zur Häutung in typische, mit Kot und alten Larvenhäuten gefüllte und bis zu 1 m lange Gespinstnester am Stamm und in Astgabelungen zurück. Vom Nest aus begeben sich die Raupen wie in einer Prozession auf die Nahrungssuche. Jüngere Raupen gehen eher im Gänsemarsch, ältere Tiere können in mehreren Reihen (20 bis 30 Raupen) nebeneinander her wandern und Bänder von bis zu 10 m Länge bilden. Ab Mitte/Ende Juni erfolgt die Verpuppung in Kokons im Gespinstnest. Die Brennhaare werden bei diesem Prozess zwar abgelöst, jedoch in die Kokons mit eingesponnen. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben.

Vorkommen des Eichenprozessionsspinners

Das Julius Kühn-Institut sammelt seit 2007 Daten zum Befall der Wälder mit dem Eichenprozessionsspinner und stellt die Informationen als Karte zur Verfügung.

zur Karte Verbreitung des Eichenprozessionsspinners 2007-2011 (Julius Kühn-Institut)

In Bayern wird im Wald das Auftreten des Eichenprozessionsspinners von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) erfasst und im Internet präsentiert.

zu den Informationen der LWF über Auftreten des Eichenprozessionsspinners in Bayern

In Bayern sind vor allem die warm-trockenen Regionen Unterfrankens, Teile Mittelfrankens sowie das westliche Oberfranken betroffen. Auch aus dem westlichen Schwaben und aus Neumarkt/Oberpfalz liegen Befallsmeldungen vor.

Zudem erfassen einzelne bayerische Behörden zum Teil in regionalen Karten die Stärke des Befalls im Forstbereich und teilweise auch im öffentlichen Grün.

Gesundheitliche Folgen nach Kontakt mit Raupenhaaren

Raupen von Schmetterlingen wie Schwamm- und Prozessionsspinnern können eine Dermatitis verursachen. Wenn der Mensch mit den Brennhaaren der Raupen, den Häutungsresten, den Nestern oder mit Brennhaar-kontaminierten Faltern in Kontakt kommt, entsteht teils durch mechanische Reizung, teils durch die toxischen Bestandteile eine Hautentzündung. Sie wird sehr häufig beobachtet und auf die Thaumetopoein-ähnliche Substanz und weitere Kinine aus den Brennhaaren zurückgeführt, die zu einer Histaminausschüttung führen. Die Hautentzündung ist geprägt durch starken Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln und Bläschen vor allem an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien wie z. B. untere Extremitäten, Hals, Gesicht. Manchmal bilden sich insektenstichähnliche Knötchen bzw. Papeln. Die Krankheitsdauer liegt bei 2 Tagen bis 2 Wochen. Die unterschiedliche Stärke des Krankheitsbildes hängt wahrscheinlich mit einer individuell variierenden Empfindlichkeit zusammen.

Hautausschlag auf einem Arm Hautausschlag im Gesicht eines Mädchens

Abbildung 3 und 4: Hautreaktionen nach Kontakt mit Eichenprozessionsspinner (Copyright W. Spiegel)

Weitere Krankheitsbilder nach Kontakt mit Prozessionsspinnern

Folgende zusätzlichen Symptome werden nach Prozessionsspinnerexposition vor allem an der Haut und am Auge beschrieben:

  • Allergische Reaktionen der Haut
    Als allergische Reaktion wird meist eine Nesselsucht vorwiegend im Nackenbereich und an den Armen sowie Schwellungen (Ödeme) vor allem der Augenlider beobachtet. Die Effekte treten 15-60 Minuten nach Kontakt mit den Brennhaaren des Pinienprozessionsspinners auf. Auch IgE-Antikörper gegen Thaumetopoein und andere Proteine wurden im Serum von Patienten festgestellt.
    Bei Kontakt mit Raupen des Eichenprozessionsspinners treten vergleichbare Erkrankungssymptome auf. Spezifische Antikörper wurden bisher nicht nachgewiesen.
  • Augenbindehautentzündung/Hornhautentzündung und Ophthalmia nodosa
    Gelangen die Raupenhaare ins Auge, kommt es dort zu einer akuten Bindehautentzündung mit Rötung, Lichtscheuheit und starker Schwellung der Augenlider. Wenn sich die Brennhaare durch die Hornhaut bohren, ist Hornhautentzündung die Folge. Für den Pinienprozessionsspinner wird zudem in seltenen Fällen das Krankheitsbild „Ophthalmia nodosa“ beschrieben. Es handelt sich um schwere Entzündungen des Augeninneren.
  • Entzündungen im Rachenbereich und in den oberen Luftwegen
    Das Einatmen der Brennhaare kann zu Entzündungen im Rachenbereich und in den Bronchien führen. In einigen Fällen wurde über allergisches Asthma bei Patienten mit hyperreaktivem Bronchialsystem nach Pinienprozessionsspinnerkontakt berichtet.
  • Zusätzliche Symptome
    Gastrointestinale Beschwerden, Schwindel, Schüttelfrost, Fieber und anaphylaktische Reaktionen sind in Einzelfällen beobachtet worden.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Tieren

Hunde und Pferde reagieren empfindlich auf die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners. Bei Hunden traten nach Kontakt mit dem Pinienprozessionsspinner als Krankheitszeichen häufig Rötungen im Gesichtsbereich, Juckreiz, Augenbindehautentzündungen, Sabbern, Schluckstörungen, Schwellungen im Maulbereich, Bläschen und Quaddeln auf der Zunge bis hin zur Zerstörung des Zungengewebes auf.

Maßnahmen zum Selbstschutz

Beim Vorkommen des Eichenprozessionsspinners in einer Region sollten einige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden, um Gesundheitsbeeinträchtigungen soweit wie möglich zu minimieren. Förster, Waldarbeiter, Bauarbeiter und Landschaftsgärtner, die in Regionen mit starkem Befall arbeiten, gelten als besondere Risikogruppen, da durch häufigen Kontakt Reaktionsempfindlichkeit und Symptomintensität ansteigen können.

Als Vorsichtsmaßnahmen werden von der BG Bau empfohlen:

  • Grundsätzlich die Befallsareale meiden;
  • Raupen und Gespinste nicht berühren;
  • Kleider sofort wechseln und ein Duschbad mit Haarreinigung nach Kontakt mir Raupenhaaren durchführen;
  • empfindliche Hautbereiche (z.B. Nacken, Hals, Unterarme) schützen;
  • auf Holzernte- und Pflegemaßnahmen verzichten, solange Raupennester erkennbar sind;
  • Bekämpfung wegen gesundheitlicher Belastung und spezieller Arbeitstechnik nur von Fachleuten durchführen lassen.

zu den Informationen der BG Bau über den Eichenprozessionsspinner

Fragen zum Arbeitschutz vor allem auch bei der Bekämpfung werden auch von der bayerischen Gewerbeaufsicht beantwortet.

Für Personen, bei denen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit besteht, mit Raupen des Eichenprozessionsspinners in Kontakt zu kommen, sind folgende zusätzliche Maßnahmen empfehlenswert:

  • Pollenfilter im Auto verwenden;
  • Schutz von Innenräumen, z.B. verunreinigte Kleidung nicht oder nur mit Vorsichtsmaßnahmen in Wohnungen bringen;
  • Warnhinweise der Behörden in befallenen Arealen beachten;
  • nach Kontakt ggf. Augen mit Wasser spülen.

Merkblätter und andere Informationen

Umfassende Informationen stehen unter den rechts aufgeführten Links bereit. Weitere Informationen sind bei den folgenden Stellen zu finden:

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