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Bayerisches Landesamt für
Gesundheit und Lebensmittelsicherheit

Sommerhitze bei der Arbeit:
Empfehlungen für Tätigkeiten bei sommerlichen Temperaturen in Gebäuden

Einleitung

Wie jedes Jahr leiden viele Beschäftigte an ihren üblichen Arbeitsplätzen unter den klimatischen Verhältnissen. Es ist stickig, schwül, der Luftaustausch funktioniert nicht und die trockene Luft macht dem Körper zusätzlich zu schaffen. Durch Schwitzen verliert der Körper Flüssigkeit und der Elektrolythaushalt gerät ins Ungleichgewicht. Bei uns in Mitteleuropa sind es oftmals nur wenige Wochen, in denen die Sommerhitze den Beschäftigten Probleme bereitet.

Kann beispielsweise im Büro die Luft nicht ausreichend zirkulieren und befinden sich Wärme abgebende Geräte im Raum, wie bei Tätigkeiten am PC inclusive Drucker und Terminal, ist ein konzentriertes und produktives Arbeiten nicht mehr so leicht möglich.

Arbeitsplatz im Büro

Abbildung 1: Arbeitsplatz im Büro

Arbeitsplatz in der Fertigung

Abbildung 2: Arbeitsplatz in der Fertigung

Mögliche gesundheitliche Beschwerden

  • Kopfschmerzen, vorzeitige Ermüdung, Konzentrationsmängel
  • Beschleunigung oder Verlangsamung von Atmung und Puls
  • Abfall des Blutdrucks, Übelkeit
  • Hitzekollaps mit Schwindel und Ohnmacht
  • Hitzekrampf der Muskulatur

Auf Menschen mit z. B. Herz- und Kreislaufproblemen, Nierenkranke oder Diabetiker können sich höhere Temperaturen negativ auswirken. Doch im allgemeinen gibt es keine wissenschaftlichen Grundlagen, aus denen sich ein Schädigungsprinzip ableiten lässt. Arbeiten in der Hitze mag anstrengend sein, gefährlich wird es nur dann, wenn die körpereigene Temperaturregulation überfordert wird und der Mensch nicht mehr in der Lage ist, seine Körperkerntemperatur auf 37°C konstant zu halten.

Wie warm darf es sein?

Eine unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren und der körperlichen Beanspruchung der Arbeitnehmer gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur wird im Anhang der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) unter Absatz 3.5 "Raumtemperatur" verlangt:

(1) In Arbeits-, Pausen-, Bereitschafts-, Sanitär-, Kantinen- und Erste-Hilfe-Räumen, in denen aus betriebstechnischer Sicht keine spezifischen Anforderungen an die Raumtemperatur gestellt werden, muss während der Arbeitszeit unter Berücksichtigung der Arbeitsverfahren, der körperlichen Beanspruchung der Beschäftigten und des spezifischen Nutzungszwecks des Raumes eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur bestehen.

(2) Fenster, Oberlichter und Glaswände müssen je nach Art der Arbeit und der Arbeitsstätte eine Abschirmung der Arbeitsstätten gegen übermäßige Sonneneinstrahlung ermöglichen. Diese Arbeitsstättenregel konkretisiert die Anforderungen an Raumtemperaturen in § 3a Abs. 1 sowie insbesondere im Punkt 3.5 des Anhanges der Arbeitsstättenverordnung

Die dazugehörige Technische Regel für Arbeitsstätten (ASR A3.5) sieht unter 4.2 (3) vor, dass die Lufttemperatur in Arbeitsräumen + 26°C nicht überschreiten soll. Dies gilt nicht an sog. Hitzearbeitsplätzen wie z. B. am Hochofen im Stahlwerk. Fachleute sprechen auch vom Komfortbereich der Temperaturen - bei überwiegend sitzender Tätigkeit sind dies beispielsweise 21°C bis 22°C, bei hohen Außentemperaturen nicht mehr als 26°C. Wenn körperlich gearbeitet wird, liegt der Komfortbereich niedriger.
Nach dieser ASR sind unter 4.3 an Fenstern, Oberlichtern oder Glaswänden wirksame Schutzvorrichtungen gegen direkte Sonneneinstrahlung vorzusehen.

Gerichte weisen darauf hin, dass die "Maximaltemperatur" von 26°C (ASR 6) eine Soll-Forderung ist, die durchaus "an einigen wenigen Tagen im Hochsommer" überschritten werden kann und dass "eine Klimatisierung nicht zum Standard" gehört (OLG Bielefeld) und "dass der genannten Forderung nicht absolut und nicht für jede Extremsituation völlig ungeachtet des Außenklimas entsprochen werden kann" (OLG Hamm).

Die Verantwortung des Arbeitgebers

Die Verantwortung dafür, dass Arbeitnehmer/innen unter gesundheitsgerechten Bedingungen arbeiten können, trägt der Arbeitgeber gemäß der arbeitsvertraglichen Fürsorgepflicht. Er muss Arbeitsräume so einrichten, dass die Beschäftigten in seinem Betrieb keinen Gesundheitsgefahren ausgesetzt sind.

Nach dem Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) muss er außerdem bei allen betrieblichen Planungen und Entscheidungen auch stets den Schutz von Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer/innen einbeziehen und die Arbeitsplätze auf gesundheitliche Risiken beurteilen. Falls gesundheitliche Gefährdungen auftreten wenn also beispielsweise die Raumtemperaturen zu hoch sind - ist er verpflichtet, Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zu treffen. Dabei muss er den Stand der Technik und der Arbeitsmedizin sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse berücksichtigen. Das Gesetz schreibt als Rangfolge vor, zunächst technische, dann organisatorische und als letzte Möglichkeit personenbezogene Schutzmaßnahmen durchzuführen.

Eine fachkundige Beratung durch die Sicherheitsfachkraft bzw. den Betriebsarzt/die Betriebsärztin sollte erfolgen.

Das Arbeitsschutzgesetz (§ 1 Abs. 2 ArbSchG) gilt allerdings nicht für den Arbeitsschutz von Hausangestellten in privaten Haushalten. Es gilt nicht für den Arbeitsschutz von Beschäftigten auf Seeschiffen und in Betrieben, die dem Bundesberggesetz unterliegen, soweit dafür entsprechende Rechtsvorschriften bestehen.

Was kann getan werden, um die Raumtemperatur erträglich zu machen?

Als technische Maßnahmen sind zunächst Veränderungen am Gebäude möglich, denn wenn Gebäude gut isoliert und geplant sind, werden die Probleme mit schlecht temperierten Arbeitsräumen von vornherein vermieden. Deshalb sind bauliche Maßnahmen wie beispielsweise Fassadenverkleidungen, spezielle Fensterverglasung und Jalousien am wirkungsvollsten. Sonst kann nämlich sogar die vergleichsweise schwache Wintersonne Arbeitsräume unerträglich aufheizen. Den Schutz vor Hitze durch Sonne und Außentemperaturen bereits bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen, ist am effektivsten und billiger, als bestehende Bauten nach- oder umzurüsten. Nachbesserungen sind auch oft schwieriger durchzusetzen. Trotzdem gilt: Der nächste Sommer kommt bestimmt! Bei der Planung und Verwirklichung von Maßnahmen sollte deshalb nicht allein über kurzfristige Gestaltungsmöglichkeiten nachgedacht werden.

Da bauliche Veränderungen in den allermeisten Fällen Zeit brauchen, sollten die zu heißen Arbeitsräume insgesamt oder einzelne Arbeitsbereiche durch die Zufuhr von kühlerer Luft in größeren Mengen (Klimaanlage) oder durch Kühlgeräte bzw. Ventilatoren gekühlt werden. Zugluft ist jedoch zu vermeiden!

Wenn weder bauliche Maßnahmen noch Kühlung möglich sind, kann ein gewisser Ausgleich zu der Hitzebelastung durch sog. Ersatzmaßnahmen erreicht werden. Dazu zählen organisatorische Maßnahmen wie

  • nächtliche Lüftung
  • eine Kürzung der täglichen Arbeitszeit
  • zusätzliche stündliche, auf die Arbeitszeit anzurechnende Pausen.

Verbindliche Regelungen für Hitzepausen an Nicht-Hitzearbeitsplätzen gibt es weder im staatlichen noch im berufsgenossenschaftlichen Regelwerk. Maximale Beschäftigungsdauern werden nur für Hitzearbeitsplätze (z. B. am Hochofen) angegeben.

Wenn es am Arbeitsplatz zu heiß ist, sollte der Arbeitgeber Getränke bereitstellen wie z. B. ungesüßten Kräutertee oder verdünnte Fruchtsäfte ohne Zucker, die nicht zu kalt sein sollten.

Was können Sie als Arbeitnehmer/in tun?

Messen Sie die Temperatur an Ihrem Arbeitsplatz, wenn sie Ihnen zu heiß erscheint. Anmerkung zur Lufttemperatur nach der Technischen Regel für Arbeitsstätten A3.5 Nr. 4.1 (6): Gemessen wird die Lufttemperatur in einer Höhe von 0,6 m über dem Fußboden bei sitzender Tätigkeit und 1,1 m bei stehender Tätigkeit mit einem wärmestrahlungsgeschützten Thermometer in °Celsius.

Wenn während der Arbeitszeit mehr als + 26°C erreicht werden, wenden Sie sich an Ihren Arbeitgeber bzw. an Ihren Vorgesetzten.

Informieren Sie auch die betriebliche Interessenvertretung, die Mitbestimmungs- und Initiativrechte in bezug auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz hat.

Fragen Sie Ihren Betriebsarzt / Ihre Betriebsärztin oder die Sicherheitsfachkraft um Rat.

Schlagen Sie eine Behandlung des Themas im Arbeitsschutzausschuss vor.

Darüber hinaus: tragen Sie leichte, möglichst nicht eng anliegende Kleidung aus wärme- und feuchtigkeitsdurchlässigen Materialien.

Achten Sie darauf, viel zu trinken, aber meiden Sie gesüßte und alkoholhaltige Getränke sowie zu viel Kaffee und schwarzen Tee.

Mit freundlicher Genehmigung der Arbeitnehmerkammer Bremen

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