Arbeit - Psyche - Rückenschmerzen:
Einflussfaktoren und Präventionsmöglichkeiten
Fragestellung
Rückenschmerzen zählen hierzulande zu den häufigsten Krankheiten mit erheblichen negativen Konsequenzen für die Betroffenen sowie für Betriebe und die Volkswirtschaft. Vielfach werden für die Genese und Prävention von Rückenschmerzen biomechanische Erklärungsmodelle und Handlungskonzepte mit dem Schwerpunkt auf körperliche Risikofaktoren zur Anwendung gebracht, die Rolle arbeitsbedingter psychosozialer Risikofaktoren wird dagegen häufig noch zu wenig berücksichtigt. Der Artikel widmet sich der Frage, welche Erkenntnisse die Forschungsliteratur zum Einfluss arbeitsbedingter psychosozialer Faktoren auf Rückenerkrankungen bereit hält und was sich daraus ableiten lässt für die Prävention von Rückenschmerzen im betrieblichen Setting.
Methode
Dazu wurde eine Literaturrecherche in verschiedenen Datenbanken aus Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaften durchgeführt (MEDLINE, PSYNDEX, PsycINFO). Ferner erfolgte unter Verwendung von entsprechenden Suchbegriffen eine Internetrecherche.
Ergebnisse
Die Literaturrecherche macht deutlich, dass der eigenständige Beitrag arbeitsbedingter psychosozialer Risikofaktoren zur Entstehung und Chronifizierung von unspezifischen Rückenschmerzen kaum zu überschätzen ist: Ein hohes Arbeitstempo, eine geringe Kontrolle über die eigenen Arbeitsbedingungen, monotone Arbeitsaufgaben, Gratifikationskrisen, mangelnde Rückmeldung, geringe Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte, soziale Konflikte am Arbeitsplatz und eine daraus resultierende Arbeitsplatzunzufriedenheit sind empirisch gut abgesicherte Risikofaktoren für Rückenschmerzen. Weitere psychische Risikofaktoren für Rückenschmerzen sind depressive Stimmungslagen und ungünstige Formen der individuellen Schmerzbewältigung.
Der Reduzierung von arbeitsbedingten Stressoren und dem Aufbau gesundheitsförderlicher Ressourcen kommt im betrieblichen Setting – neben dem Angebot von Bewegungs- und Entspannungstrainings und der gezielten Veränderung von inadäquaten Kognitionen, Bewältigungsmustern und Verhaltensweisen – eine wichtige Bedeutung bei der Prävention und Behandlung von Rückenschmerzen zu. Insbesondere arbeitsorganisatorische Maßnahmen und Strategien zur Förderung des Sozialklimas spielen hierbei eine zentrale Rolle.
Schlussfolgerungen
Für die wirkungsvolle Reduzierung von Rückenschmerzen muss ein biopsychosoziales Konzept zu Grunde gelegt werden, das der Multikausalität derartiger Erkrankungen Rechnung trägt. Empirisch ist mittlerweile gut abgesichert, dass sich ganzheitliche Interventionen im betrieblichen Setting lohnen – in gesundheitsbezogener wie in materieller Hinsicht.
Der Artikel erschien in "Arbeitsmed.Sozialmed.Umweltmed." 44, (2/2009)
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